„Eine gute Theorie ist das Praktischste, was es gibt“

Gustav Robert Kirchhoff auf Briefmarke der Deutschen Bundespost Berlin 1974

Der Physiker auf Briefmarke der Deutschen Bundespost Berlin 1974 zu seinem 150. Geburtstag, MiNr. 465.

Schon als 21-jähriger Student gelang es ihm, große Wissenschaftler wie Georg Ohm zu übertreffen. Gemeinsam mit dem Forscherkollegen Robert Wilhelm Bunsen, nach dem der Brenner, mit dem im chemischen und physikalischen Bereich gearbeitet wird, benannt ist, legte er die Grundlage der Spektralanalyse. Darüber hinaus entdeckten die beiden Wissenschaftler zwei neue Elemente des Periodensystems. Gustav Robert Kirchhoff war ein Überflieger auf dem Gebiet der Physik. Er stellte Regeln zu Strom, Spannung und Strahlung auf, die heute noch in jedem Physiklehrbuch zu finden sind. Er arbeitete stets nach dem Motto: „Eine Theorie ist das Praktischste, was es gibt“. Heute vor 190 Jahren wurde er in Königsberg, dem heutigen Kaliningrad, geboren.

Nachdem Kirchhoff als Kind zunächst Privatunterricht erteilt bekam, besuchte er das Kneiphöfische Gymnasium in Königsberg, an dem er im Alter von 14 Jahren sein Abitur ablegte. Zunächst schrieb er sich für das Studium der Mathematik ein. Einer seiner akademischen Lehrer, der Physiker Franz Neumann, der als Vorreiter Vorlesungen in Theoretischer Physik hielt, begeisterte den jungen Kirchhoff zunehmend für die physikalische Wissenschaft. Deshalb entschloss er sich, sich ganz der Physik hinzugeben, wobei Neumann als sein Mentor fungierte. Bereits 1845 erschien seine erste wissenschaftliche Publikation, „Annalen der Physik und Chemie“.

Nach einem zweijährigen Aufenthalt in Berlin, wo er sich 1848 habilitieren konnte, wurde er 1850 an die Universität Breslau berufen. Ein Jahr später lernte er dort Robert Wilhelm Bunsen kennen, zu dem eine lebenslange Freundschaft entstand. Nachdem Bunsen nach Heidelberg gewechselt war, gelang ihm 1854 die Berufung Kirchhoffs als Physikprofessor an die dortige Universität

Während der 21 Jahre, die er in Heidelberg lebte, verfasste er den Großteil seiner Veröffentlichungen. Er stellte während seiner Arbeit eine Vielzahl physikalischer Leitsätze und Formeln auf, die noch heute in jedem Physiklehrbuch zu finden sind. Neben seiner Arbeit als Physiker zeigte er sich engagiert hinsichtlich seines Lehrauftrags. Täglich hielt er seine Vorlesung zur Experimentalphysik. Hinzu kamen wöchentliche Übungen sowie die Vorlesung zur Theoretischen Physik, die einmal wöchentlich stattfand. Auch in privater Hinsicht fasste er Fuß in der süddeutschen Stadt. Am 16. August 1857 heiratete er Clara Richelot, die Tochter des Mathematikers Leo Königsberger, mit der er fünf Kinder zeugte. Nach dem Tod seiner ersten Frau ging er 1872 eine Ehe mit Luise Brömmel ein.
Zwei Schicksalsschläge trübten die Heidelberger Idylle. 1860 überanstrengte sich Kirchhoff bei der Arbeit am Sonnenspektrum, was seine Sehkraft einschränkte. 1866 verletzte er sich zudem am Fuß, als er eine Treppe hinab stürzte, weswegen er einige Zeit auf einen Rollstuhl angewiesen war. Trotz dieser Unfälle betrachtete er die Heidelberger Zeit selbst als die glücklichste seines Lebens. Er lehnte drei Angebote anderer Universitäten ab. Erst Ende 1874 folgte er schließlich einem Ruf an die Berliner Universität.

Robert Kirchhoff auf Briefmarke der DDR von 1974

Auch die DDR würdigte den 150. Geburtstag von Kirchhoff, MiNr. 1941.

Nachdem Kirchhoff am 22. April 1875 schließlich nach Berlin übergesiedelt war, begann er bereits sechs Tage später mit den Vorlesungen. Das Leben in der Metropole fiel dem Physiker nicht leicht. Aus Heidelberg war er es gewohnt, Wohnhaus, Labor und Vorlesungsräume unter einem Dach zu haben. Nun wohnte er weit von der Akademie entfernt. Hinzu kam, dass seiner Frau der Umzug nach Berlin sehr schwer fiel. Sie trauerte Heidelberg hinterher. Dennoch wirkte sich dies nicht auf seine Arbeit in der Lehre aus. Nach wie vor investierte Kirchhoff viel Mühe auf seine Vorlesungen. Es entstand unter seiner Leitung sogar die erste Kursvorlesung der Theoretischen Physik. Neben seiner Arbeit an der Universität schloss sich Kirchhoff dem Elektrotechnischen Verein und der Physikalischen Gesellschaft an. Er knüpfte Freundschaften mit Werner von Siemens und Gustav Hansemann, in dessen Labor beide gelegentlich gemeinsam experimentierten.
Im Alter von 56 Jahren bemerkte Kirchhoff erste körperliche Leiden, die im Sommersemester 1884 zu einem Abbruch seiner Vorlesungen führten. Schwindel und Fieber ließen seine Arbeit an der Universität nicht länger zu. Im Wintersemester 1885/86 war er unter enormen Anstrengungen das letzte Mal als Lehrender tätig. Am 17. Oktober 1887 erlag er schließlich seiner Krankheit.


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Verfasst von: Stefanie Dieckmann

2 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Prof. Dr. Klaus Hübner, Kirchhoff-Institut für Physik, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg at 12:34

    Kirchhoffs erste Frau Clara war die Tochter des Königsberger Mathematikers Friedrich Julius Richelot und nicht des Mathematikers Leo Königsberger.
    in der Literatur werden zumeist nur vier Kinder Kirchhoffs genannt: Robert (1858), Ernst (1859), Pauline (1860) und Eveline (1868), ein dritter Sohn Adolf (1864) starb schon mit neun Monaten.

    • Udo Angerstein at 9:14

      Vielen Dank für Ihren Hinweis! Offenbar hat unsere Autorin versehentlich aus einem Königsberger Mathematiker einen Mathematiker namens Königsberger gemacht. Fehlt nur noch, dass dieser Herr auch Klopse zubereitet hat…

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