„Tatsachen haben bei mir immer gestimmt“

„Tatsachen haben bei mir immer gestimmt“

Heute wird in der Frankfurter Paulskirche zum neunten Mal der mit 100 000 Euro dotierte Paul Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter-Preis verliehen. Der diesjährige Preisträger befasste sich mit der Erforschung molekularer Funktionen von Antikörpern ‒ ein Begriff, den Paul Ehrlich selbst geprägt hat. Wissenschaftler, die auf den Gebieten der Immunologie, Krebsforschung, Hämatologie und Chemotherapie besondere Verdienste erworben haben, werden mit dieser Auszeichnung gewürdigt. Der Preis wird zum Geburtstag Paul Ehrlichs verliehen, der sich heute zum 160. Mal jährt. Ehrlich wuchs als Kind jüdischer Eltern im niederschlesischen Strehlen auf. Nach dem Besuch des dortigen Maria-Magdalenen-Gymnasiums nahm er sein Studium in Breslau, Straßburg und Freiburg auf. Nachdem er die universitäre Ausbildung mit einer Promotion in Leipzig abgeschlossen hatte, arbeitete er als Assistent Theodor Frerichs an der Charité in Berlin. 1882 erhielt er den Professorentitel.

Paul Ehrlich und Emil von Behring auf Briefmarke zum 150. Geburtstag 2004

Paul Ehrlich und Emil von Behring auf einer Briefmarke zum 150. Geburtstag der beiden Forscher, MiNr. 2389.

Die folgenden Jahre gestalteten sich für den Mediziner als kritisch. Um eine Lungenerkrankung auszukurieren, begab er sich nach Ägypten. Als er wiederkehrte, ergaben sich für ihn zunächst keinerlei berufliche Aussichten. Er beschloss, sich selbständig zu machen und eröffnete eine private Praxis in Berlin. Ab 1891 war er für Robert Koch an dessen Institut für Infektionskrankheiten tätig, an dem er sich nun vor allem immunologischen Untersuchungen widmete. Für Ehrlichs neues Aufgabenfeld wurde 1896 das Institut für Serumforschung und Serumprüfung in Steglitz bei Berlin gegründet. Ehrlich hatte als Leiter die Aufgabe, die Grundprinzipien der Arzneimittelkontrolle zu entwickeln. Der Hintergrund dafür lag in der schwankenden Qualität des neuen Diphterieheilserums, das Emil von Behring (der morgen seinen 160. Geburtstag feiert) entwickelt hatte.

Paul Ehrlich und Emil von Behring auf Briefmarke von 1954

Bereits 1954 erschienen beide Forscher gemeinsam auf einer Briefmarke, MiNr. 197.

Paul Ehrlich, nach dem das Institut später benannt wurde, gelang es schließlich trotz teils eingeschränkter Arbeitsatmosphäre ‒ das Institut wurde in einer ehemaligen Bäckerei eingerichtet ‒ ein Standardmaß für die Wertbemessung von Präparaten zu entwickeln. Drei Jahre nach der Gründung erfolgte ein Umzug nach Frankfurt in das neu eröffnete Königliche Institut für experimentelle Therapie, wo sich die Arbeitsbedingungen verbesserten. 1904 nahm er, obwohl er Vorlesungen stets als lästig empfunden hatte, schließlich eine Honorarprofessur in Göttingen an. Er arbeitete jedoch auch weiterhin in Frankfurt. Dort ermöglichte die großzügige Spenderin Franziska Speyer den Bau des Georg-Speyer-Hauses, in dem Ehrlich die Chemotherapie entwickelte. 1908 wurden seine Leistungen schließlich mit dem Nobelpreis belohnt. Die Ergebnisse, die er in Steglitz erzielt hatte, hob das Komitee ganz besonders hervor.

Kurz vor seinem Tod verteidigte der Mediziner zusammen mit 92 anderen Wissenschaftlern, Künstlern und Schriftstellern den Einmarsch Deutschlands ins neutrale Belgien im Zuge des Ersten Weltkrieges. Im Oktober 1914 unterzeichnete er die Propagandaschrift „Aufruf an die Kulturwelt“, die in der Wissenschaftswelt für Aufregung sorgte. Am 17. August 1915 erlitt er einen Herzinfarkt, an dem er drei Tage später starb.
Seine Leistungen im medizinischen Bereich sind vielfältig. Durch die Untersuchung der weißen Blutkörperchen legte er die Grundlage für die Systematik der Leukämien. Darüber hinaus entwickelte Ehrlich eine neue Untersuchungsreaktion für den Urin. Daher gelang es ihm, die damals umlaufenden Typhuserkrankungen gegen einfache Durchfallkrankheiten abzugrenzen. Noch heute wird die dazu verwendete Farblösung „Ehrlichs Reagenz“ genannt.

Paul Ehrlich auf Briefmarke von Israel 1999

Auch Israel würdigte Paul Ehrlich mit einer Sondermarke, MiNr. 1509.

Der Verdienst Ehrlichs lag darin, die Gebiete der Medizin, Chemie und Biologie miteinander zu verbinden. Dies eröffnete ganz neue Wege in der Heilkunde. Bei den Kollegen stieß er mit seinen neuen Methoden jedoch teilweise auf Kritik. Dies mag mitunter daran gelegen haben, dass die Anforderungen im chemischen Bereich über deren medizinisches Können hinausgingen. Ehrlichs Forschungen wirkten sich nachhaltig auf den Gebieten der Bakteriologie, Arzneimittel- und Krebsforschung aus. Wenig schätzen, viel untersuchen, viel arbeiten und wenig publizieren war sein Motto, weshalb er selbst über seine Arbeit sagte: „Tatsachen haben bei mir immer gestimmt“.


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Verfasst von: Stefanie Dieckmann

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