Humor in finsteren Zeiten

Vater und Sohn: Entdeckung einer Schlitterbahn von e. o. plauen auf Briefmarkenblock von 2003Mit Bleistift und schwarzer Tusche zeichnete er sich in finsteren Zeiten in die Herzen der Deutschen: Heute vor 111 Jahren, am 18. März 1903, wird im sächsischen Unterdettengrün der Zeichner und Karikaturist Erich Ohser geboren. Im Jahr 1907 zieht die Familie nach Plauen, hier absolviert der junge Erich nach der Volksschule eine Schlosserlehre und beginnt – gegen den Willen der Eltern – im Anschluss ein Studium an der Akademie für Graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig, wo ihm ein „beherzter, drängerischer Strich“ attestiert wird. Seine Freund Erich Knauf macht ihn in Leipzig mit dem Schriftsteller Erich Kästner bekannt: Die „drei Erichs“ sorgen alsbald für frischen Wind in der Leipziger Szene. Ohser macht sich schnell einen Namen als Karikaturist – unter anderem für den „Vorwärts“ der SPD – und Buchillustrator. 1928 zieht es die Freunde nach Berlin, Ohser heiratet seine Studienkollegin Marigard Bantzer, 1931 kommt der gemeinsame Sohn Christian zur Welt. Große Zeitungen reißen sich mittlerweile um Ohsers Zeichnungen, darüber hinaus tritt er am „Kabarett der Komiker“ als Schnellzeichner auf. Doch mit seinen Karikaturen von Hitler und Goebbels hat er den Hass der Nationalsozialisten auf sich gezogen, nach der Machtübernahme wird er wegen „publizistischen Tätigkeit im marxistischen Sinne“ nicht in die Reichspressekammer aufgenommen, was einem Berufsverbot gleichkommt.

Seine Frau muss die Familie nun mit ihren Arbeiten als Kinderbuchillustratorin über Wasser halten, bis Ohser eine neue Chance bekommt: Für die „Berliner Illustrirte Zeitung“ zeichnet er unter dem Pseudonym „e. o. plauen“ die Bildergeschichten von „Vater und Sohn“, die im Dezember 1934 erstmals erscheinen und begeistert aufgenommen werden. Ein liebenswertes Pärchen, das sich liebevoll, verspielt und voll Humor mit den Widrigkeiten des Alltags auseinandersetzt, und zugleich einen Meilenstein in der Geschichte des deutschen Comics setzt.


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Doch im Dezember 1937 erscheint die letzte Folge, drei Bücher mit den Bildergeschichten erscheinen noch und Ohser muss sich neuer Arbeit umsehen. Schließlich zeichnet er für die Wochenzeitung „Das Reich“ Karikaturen und schafft es dabei sogar, jeglichen antisemitischen Auftrag abzulehnen. Doch in den Redaktionssitzungen bekommt er zuviel mit von der wahren Lage, und aus seiner Ablehnung des Nationalsozialismus hat er nie ein Hehl gemacht. Das wird ihm zum Verhängnis. Als Ohser sich mit seinem Freund Erich Knauf im Luftschutzkeller unterhält und dabei kein Blatt vor den Mund nimmt, wird er von seinem Nachbarn Bruno Schultz belauscht und denunziert. Der Journalist Gerhart Weise, bis dahin ein „Freund“ von Ohser, bestätigt die Glaubwürdigkeit von Schultz, am 28. März 1944 werden Knauf und Ohser verhaftet. Am 7. April 1944 soll ihnen von Roland Freisler der Prozess vor dem Volksgerichtshof gemacht werden, doch Ohser nimmt sich in der Nacht zuvor in seiner Zelle das Leben. In seinem Abschiedsbrief nimmt er alle Schuld auf sich, um Knauf zu entlasten. Vergeblich: Sein Freund wird zum Tode verurteilt und am 2. Mai 1944 hingerichtet. Die Witwe bekommt eine Rechnung über die Kosten der Hinrichtung.

Ohsers Bildergeschichten sind auch heute noch populär, das Schicksal des Zeichners jedoch fast in Vergessenheit geraten. Seine wunderbaren Zeichnungen, längst zu Klassikern geworden, sind 2003 auf einem Briefmarkenblock „Für die Jugend“ erschienen (MiNr. 2349-2353).


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Verfasst von: Udo Angerstein

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