Der malende Cowboy

Charles Marion Russell postage stamp 1989Auf dem Pferd sitzend, spürt man tief im Inneren die neue Freiheit. Die Rinderherden bewegen sich zur nächsten grasbewachsenen Anhöhe. Wohin man auch schaut, unerforschtes Land und neue Möglichkeiten. Die Flüsse sollen Gold in Hülle und Fülle mit sich führen. Am Ende des 19. Jahrhunderts hat es viele Einwanderer in den Westen Amerikas gezogen. Charles Marion Russell war einer von ihnen. Schon als kleiner Junge träumte er davon, sich im Wilden Westen anzusiedeln und dort als Cowboy zu leben. Als er 16 Jahre alt war, erlaubten seine Eltern ihm schließlich seinen Traum. Mit einem Freund machte er sich auf in das Montana-Territorium. Heute wollen wir an den 150. Geburtstag des amerikanischen Künstlers erinnern.

„Russell, du musst aufpassen und endlich deinen Kopf in die Bücher stecken!“ Solche und ähnliche Sätze musste sich der in einem Vorort von St. Louis in Missouri geborene Charles wohl öfter anhören. Er hatte keinen Sinn für den Schulalltag, geschweige denn für das Lernen irgendwelcher Daten. Deshalb schwänzte er die Schule meistens, um seinem Hobby nachzugehen, dem Zeichnen. Seine Eltern versuchten, seine schlechten Noten zu verbessern, indem sie ihn auf eine Militärschule schickten. Der schulische Erfolg blieb jedoch auch dort aus. 1880 gaben seine Eltern schließlich nach und gewährten ihm seinen Wunsch, nach Montana zu ziehen. Nachdem sich der 16-jährige durch die Arbeit auf einer Schaffarm durchgeschlagen hatte, lernte er den Jäger und Trapper Jake Hoover kennen, von dem er eine Menge über die Lebensweise des Wilden Westens kennenlernte.

Charles Marion Russell postage stamp 1964Als erstes Wild West Kunstwerk wurde ein Aquarell von ihm wahrgenommen, auf dem ein hagerer Ochse während der Winterzeit von einem Rudel Wölfe beobachtet wird. Nachdem dieses Aquarell in Form einer Postkarte in die Hände mehrerer Farmbesitzer gelangte, wurde er mit künstlerischen Aufträgen überhäuft. Seine Kunst beschränkte sich jedoch nicht nur auf das Leben der Einwanderer. Im Jahr 1888 begann der Maler, sich den Ureinwohnern anzunähern. Er lebte eine Zeit lang in Kanada, wo er täglich mit Indianern verkehrte. Sie ließen ihn an ihrer Kultur teilhaben, indem sie ihm die Zeichensprache lehrten. Sein indianischer Name lautete: Ah-Wah-Cous (Antilope). Die Nähe zu den Ureinwohnern beeinflusste seine Kunst. Er stellte die Indianer erstmals nicht als Wilde dar, sondern hielt auf seinen Bildern die wahre, indianische Lebensart fest, die er selbst erlebte.

Im Jahr 1896 heiratete er die 14 Jahre jüngere Nancy Cooper, mit der er nach Great Falls übersiedelte. Sie unterstützte ihn in seiner Kunst, indem sie sich dem Management widmete. Mit ihrer Hilfe gelang es Russell 1911 seine erste Einzelausstellung „The West that had passed“ in New York zu eröffnen. Damit öffneten sich für ihn die Pforten in die nationale und internationale Kunstwelt. Aufgrund einer Erkrankung konnte Russel ab 1923 nur noch eingeschränkt seiner Arbeit nachgehen. Am 25. Oktober 1926 erlag der Künstler schließlich einem Herzinfarkt.

Charles Marion Russell postage stamp USA 1961Bereits zu seinen Lebzeiten erzielten seine Werke sehr hohe Preise. Der Prinz von Wales erwarb ein Gemälde für 10 000 Dollar. Dies war zu dieser Zeit der höchste Betrag, der jemals für das Werk eines lebenden amerikanischen Malers gezahlt wurde. Heute bringen seine Gemälde immer noch enorme Summen ein. Im Jahr 2005 verkaufte man sein Werk „Piegans“ für 5,6 Millionen Dollar. Die Themen, die Russell auf seinen Leinwänden und mit seinen Skulpturen festhielt, umspannen die ganze Fülle des Lebens im Wilden Westen. Er bildete große historische Ereignisse sowie das alltägliche Leben ab. Die Szenen, die er darstellte, sah er sowohl durch die Augen der Einwanderer als auch durch die der Ureinwohner.

Neben den etwa 4000 Gemälden und Skulpturen, die er Zeit seines Lebens erschuf, war Russell auch schriftstellerisch tätig. Ebenso wie in seiner Kunst thematisiert er auch in seinen literarischen Werken das Leben im Wilden Westen. Die Bücher, die er verfasste, illustrierte er natürlich auch selbst. Durch drei Briefmarken, verschiedene Schulen in Montana und Missouri, einen Stern auf dem St. Louis Walk of Fame, ein Schiff, das während des Zweiten Weltkrieges im Einsatz war sowie ein Wildtierschutzgebiet, die alle nach ihm benannt wurden, wird an das Werk des amerikanischen Künstlers erinnert.


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Verfasst von: Stefanie Dieckmann

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