Ein entfesselter Künstler

Harry-Houdini-Briefmarke-2002

2002 brachte die USA eine Briefmarke mit dem Bildnis Harry Houdinis heraus, MiNr. 3617.

In Ketten ließ er sich legen und noch dazu in einer Kiste im Wasser versenken, und doch gelang ihm stets die Befreiung: Harry Houdini wurde als Zauberkünstler und Entfesselungskünstler weltbekannt. Geboren als Erich Weisz in Budapest am 24. März 1874, kam der Sohn eines Rabbiners im Alter von vier Jahren mit seiner Familie in die USA. Der Junge fällt schon früh durch enorme Fingerfertigkeit auf und bringt sich das Öffnen von Schlössern ohne Schlüssel bei. Außerdem lernt er Kartentricks und absolviert erste Auftritte als „Eric the Great“ in der Nachbarschaft. Schließlich gibt er sich den Künstlernamen „Harry Houdini“ und beschließt, sein Glück als Zauberkünstler zu versuchen. Er heiratet eine Varieteetänzerin, die ihm fortan auch als Assistentin dient. Doch der Erfolg bleibt aus, die beiden touren mit Wanderzirkussen durchs Land, verkaufen Wundertinkturen und geben sich als Geisterbeschwörer aus. Größere Aufmerksamkeit erregt Houdini erst, als er sich von Polizisten mit Handschellen fesseln lässt und erfolgreich wieder befreit.

Doch so richtig zum Leben reicht es immer noch nicht und so versuchen die Houdinis im Jahr 1900 ihr Glück auf Empfehlung eines Kollegen in Europa. Mit Erfolg: Besonders in Deutschland stoßen Harry Houdinis immer spektakulärer werdende Entfesselungsshows auf enormes Interesse. 1905 kehrt er wieder in die USA zurück und kann endlich auch dort an seine europäischen Erfolge anknüpfen. Mittlerweile entwindet er sich unter Wasser aus Ketten, Handschellen oder einer Zwangsjacke, er lässt sich außerdem lebendig begraben. In New York gelingt es ihm, einen ausgewachsenen Elefanten verschwinden zu lassen. Im Alter von 38 Jahren ist Houdini jetzt einer der bekanntesten und bestbezahlten Entertainer in den USA, und neben der Schauspielerin Sarah Bernhardt der größte Star seiner Zeit.

Voisin Doppeldecker, mit dem Houdini erstmals über Australien flog, auf einer australischen Briefmarke 2010, MiNr. 3351.

Voisin Doppeldecker, mit dem Houdini erstmals über Australien flog, auf einer australischen Briefmarke 2010, MiNr. 3351.

Er beginnt, Filme zu produzieren und sich für die Luftfahrt zu begeistern. 1910 unternimmt mit einem Voisin Doppeldecker den ersten gesteuerten Motorflug auf dem australischen Kontinent. Außerdem beginnt er, den Kampf gegen den sich ausbreitenden Spiritismus aufzunehmen (die Folge einer Auseinandersetzung mit seinem Freund, dem Schriftsteller Arthur Conan Doyle), entlarvt Hochstapler und betrügerische Geisterbeschwörer und deckt allerlei Tricks in einem Enthüllungsbuch auf. Zum Verhängnis wird Houdini, den Zeitgenossen als geltungssüchtigen, cholerischen Egomanen beschreiben, schließlich seine Sucht nach Ruhm. Er hat nicht nur Preise für seine erfolgreiche Fesselung oder eine erfolgreiche Geisterbeschwörung ausgelobt, sondern auch immer wieder Männer dazu aufgefordert, ihn in den Bauch zu schlagen, was er durch Anspannung seiner Bauchmuskeln unbeschadet zu überstehen glaubt. Das geht einmal schief: Am 21. Oktober 1926 – angeblich hat Houdini keine Zeit gehabt, sich auf die Schläge vorzubereiten. Zehn Tage später, an Halloween, stirbt er an einer Perforation des Blinddarms. Mit seiner Frau hatte er zuvor einen Code vereinbart, den er benutzen würde, wenn es einem Medium gelänge, mit ihm im Jenseits Kontakt aufzunehmen. Zehn Jahre später gelang dies tatsächlich, allerdings stellte sich danach heraus, dass Houdinis Witwe eine Affäre mit dem Medium hatte. Houdinis enorme Sammlung von Büchern über Magie und Zauberei hinterließ er dem Staat, die von ihm benutzten Geräte soll mittlerweile David Copperfield besitzen.

 


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Verfasst von: Udo Angerstein

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