Bebende Gemälde: Das Phänomen El Greco

Bebende Gemälde: Das Phänomen El Greco

Auf Kreta geboren, nach Italien, unter anderem an die römische Schaffensstätte des großen Renaissancekünstlers Michelangelo gezogen, am 7.April 1614 im Alter von 73 Jahren und nach einigen Jahrzehnten in Spanien gestorben. Domínikos Theotokópoulos` im Kontext seiner Zeit freien, innovativen Stil und seine Gemälde ordnet man im kunsthistorischen Rückblick oft dem „Manierismus“ zu. Den aus spanischem Artikel und italienischem Substantiv zusammengesetzten Namen „El Greco“ („Der Grieche“) verwendete man schon zu seinen Lebzeiten. Dem Werk und Leben des Malers, der ungefähr 300 Jahre nach seinem Tod als Wegbereiter der „Moderne“ wiederentdeckt und da von Künstlern wie zum Beispiel Pablo Picasso oder Paul Cézanne aufmerksam studiert wurde, haftet etwas Geheimnisvolles an.

1965 erscheint ein Satz mit Motiven zu El Greco, darunter eine Briefmarke mit dem Bildnis des Malers, MiNr. 873.

1965 erscheint ein Satz mit Motiven zu El Greco, darunter eine Briefmarke mit dem Bildnis des Malers, MiNr. 873.

In seinen frühen Jahren erlernte er die Ikonenmalerei und malte davon beeinflusst zunächst auf Holzuntergründen, später, während seiner Aufenthalte in Venedig, wo ihn der dort dominierende Malstil Tizians beeinflusste, Rom und schließlich Toledo, schuf El Greco jedoch Ölgemälde. Oft arbeitete er weiterhin für kirchliche Auftraggeber und somit für sakrale Verwendungszusammenhänge, etwa für die Gestaltung von Altären. Ebenso malte El Greco jedoch Portraits betuchter Persönlichkeiten und Kirchenvertreter. Dabei war er an seinen jeweiligen Arbeitsstätten durchaus bekannt und beschäftigt. In Madrid und vor allem in der Gunst König Phillip II. konnte er sich zwar nicht etablieren, aber in Toledo war man mit El Grecos in den 1580er-Jahren entstandenem Gemälde „Das Begräbnis des Grafen von Orgaz“, einem seiner bekanntesten Werke, äußerst zufrieden. Dort, in Toledo, fand der Maler zu seinem eigenen Stil und auch zu seiner Klientel. Sein einziger Sohn Jorge Manuel assistierte dem Maler, der einer Legende nach Rom verließ, nachdem sein Angebot, Michelangelos „Jüngstes Gericht“ durch ein neues Altargemälde zu ersetzen, abgelehnt worden war, in Toledo später öfter bei der Arbeit.

Gemälde von El Greco auf spanischer Briefmarke 1982, MiNr. 2553.

Gemälde von El Greco auf spanischer Briefmarke 1982, MiNr. 2553.

Trotz aller notwendigen und auch einträglichen Auftragsarbeit befand sich El Greco nicht nur wegen seines wenig sparsamen Lebenswandels immer wieder in finanziellen Engpässen. Auch seine Kunst wurde und blieb doch individuell und ausdruckstark, um nicht zu sagen ungewöhnlich und eigen. Diesbezüglich aussagekräftig ist der phänomenale Umstand, daß El Grecos Arbeiten nach seinem Ableben vor allem erst seit der Wende zum 20.Jahrundert und mit der Ankunft der künstlerischen Moderne angeregt rezipiert wurden. Da sprachen Gemälde des alten Meisters zum Beispiel die nachgeborenen Kollegen der expressionistischen Malerei an. Sie taten dies mit ihren intensiven, teilweise leuchtend grellen Farben sowie auf „manieristische“, von den Zeitgenossen gelegentlich als extravagant wahrgenommene und für El Greco typische Weise. So stellten die Künstler die Figuren mit verzogenen Körpern und Gliedmaßen dar. Besonders die Überlänge der gestreckten Gesichter, Hände und Finger fällt dabei ins Auge. Auch Picassos „Portrait eines Unbekannten im Stil von El Greco“ aus dem Jahr 1899 bringt nicht nur über den Titel zum Ausdruck, daß der spanische Künstler dem Stil El Grecos einiges Interesse entgegenbrachte.

Neben den vielen Werken El Grecos, die religiöse Motive behandeln, wie „Der heilige Johannes“ oder „Die büßende Magdalena“, ist auch das kurz vor dem Ende seines Lebens entstandene, berühmte Gemälde „Laookon“, das sich auf die gleichnamige mythologische Figur der griechischen Antike bezieht, durch einen sowohl hintersinnigen und enigmatischen als auch aufgeladenen, vibrierenden und spannungsreichen Ausdruck gekennzeichnet. Die Figuren, die Szenerien, die Gemälde El Grecos ­ sie beben.


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Verfasst von: Marius Prill

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