Vom Gejagten zum Ehrenbürger

1989, zehn Jahre nach dem Tod Ludwig Renns, erschien in der DDR eine Briefmarle zu Ehren des Schriftstellers.

1989, zehn Jahre nach dem Tod Ludwig Renns, erschien in der DDR eine Briefmarle zu Ehren des Schriftstellers.

Heute vor 125 Jahren kam einer der bekanntesten Schriftsteller der DDR zur Welt. Ludwig Renn, unter dem Namen Arnold Friedrich Vieth von Golßenau als Sohn eines sächsischen Adligen geboren, entschließt sich nach dem Abitur, das er am Gymnasium der Dresdner Neustadt absolviert, zunächst in die Armee einzutreten. Bereits ein Jahr nach dem Beginn seiner militärischen Laufbahn wird er 1911 zum Offizier benannt. Im Ersten Weltkrieg dient er dem Kaiserreich an der Westfront. Auch nach dem Friede von Versailles ist er noch einige Zeit als Bataillonsführer der Sicherheitspolizei tätig, doch als ihm beim Kapp-Putsch ein Fehler unterläuft und ihn seine Vorgesetzten drängen, seinen Dienst zu quittieren, entschließt sich Renn seinem Leben eine andere Richtung zu geben.
Er schreibt sich an der Göttinger Universität ein, um dort zunächst Jura und Nationalökonomie zu studieren. 1922 immatrikuliert er sich dann an der Münchner Universität, wo er sich dem Studium des internationalen und des Steuerrechtes widmet. Während der Inflation, die ein Jahr später über Deutschland hereinbricht, kehrt Renn in seine Heimatstadt zurück, um dort bei einer Dresdner Handelsgesellschaft als Kaufmann zu arbeiten. Auch als sich die Wirtschaft allmählich erholt, bleibt er in Sachsen. Ihn zieht es in die Dresdner Vororte, um dort erste Schriften zu verfassen.
Eine einjährige Wanderung durch Italien, Griechenland und die Türkei ändert seine Lebenspläne erneut. Er beschließt das Dresdner Land zu verlassen und begibt sich nach Wien, um dort ein Studium der Kunst, Archäologie und Geschichte aufzunehmen. Während seiner Zeit in der österreichischen Hauptstadt befasst sich Renn vor allem mit kommunistischen Werken. Er widmet sich den Schriften Marx‘, Lenins und John Reeds, eines kommunistischen US-Journalisten. Als er 1927 zusieht, wie ein Arbeiterstreik von Polizisten blutig niedergeschlagen wird, beschließt Renn, politisch aktiv zu werden.
Zurück in Dresden, tritt er 1928 der KPD bei. Ende des Jahres erfolgt sein Umzug nach Berlin, wo er vor allem journalistisch tätig wird. Gemeinsam mit anderen kommunistisch Gesinnten gibt er die Zeitschriften „Die Linkskurve“ sowie „Aufbruch“ heraus. Des Weiteren nimmt er in Berlin Lehraufträge an der Marxistischen Arbeiterschule an. Anfang der Dreißigerjahre wird er aufgrund seiner politischen Tätigkeiten mehrfach verhaftet. Als er im August 1935 vorzeitig aus dem Bautzener Gefängnis entlassen wird, beschließt er Deutschland erneut zu verlassen.
Er emigriert im Januar 1936 zunächst in die Schweiz, um von dort weiter nach Spanien zu gelangen. Nach seiner Unterstützung der Republik im Spanischen Bürgerkrieg gelingt es Renn nach Mexiko zu fliehen, wo er ab 1942 lebt. Nach seiner Rückkehr 1947 erfährt er in Dresden eine exzellente Karriere. Als Mitglied der SED wird er zum Vorsitzenden des Kulturbundes und zum Ehrendoktor der Technischen Universität erklärt. Renn ist nunmehr in der DDR vorrangig als Schriftsteller tätig, verfasst auch Kinderbücher. Zahlreiche Auszeichnungen werden ihm zu teil. 1955 und 61 erhält er den Nationalpreis für Kunst und Literatur, 1959 den Vaterländischen Verdienstorden, zwischen 1954 und 58 vier Mal den Kinderbuchpreis. Am 21. Juli 1979 verstirbt der in der DDR verehrte Schriftsteller in Berlin.
Sein literarisches Werk ist mehr als umfassend. „Krieg“, sein erstes Buch, das er 1924 fertigstellt, wird oftmals in eine Linie mit dem weltberühmten Werk Remarques „Im Westen nichts Neues“ gestellt, teilweise sogar als überlegen bezeichnet. Weitere Werke befassen sich oftmals mit der Selbstfindung des Schriftstellers. Seine Kinder- und Jugendbücher, die teils in den Lehrplan der Schulen aufgenommen worden sind, versuchen die jungen Leser für erste politische Themen zu sensibilisieren. Nach seinem Tod erschien sogar eine von ihm selbst verfasste Autobiografie, die Einblicke in sein Leben bis ins Jahr 1925 offenbart.


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Verfasst von: Stefanie Dieckmann

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