Mit Tönen malte er Bilder

Die USA brachte 1986 eine Briefnarke mit dem Bildnis Duke Ellingtons heraus, MiNr. 1798.

Die USA brachte 1986 eine Briefmarke mit dem Bildnis Duke Ellingtons heraus, MiNr. 1798.

Als 18-Jähriger wollte er Maler werden, stattdessen wurde er Musiker. Kein Widerspruch: „Seine Kompositionen – mit ihren vielfältigen klanglichen und harmonischen Farben – sind musikalische Gemälde … Auch als Dirigent bleibt Duke Ellington Maler: in seiner grandseigneurhaften Weise, in der er vor dem Orchester steht und mit wenigen, sicheren Handbewegungen Farbkleckse auf eine Leinwand setzt, deren Stoff aus Tönen gemacht ist.“ (Joachim Ernst Berendt). Bereits in seiner Schulzeit wurde Edward Kennedy Ellington, geboren am 29. April 1899 in Washington, von seinen Schulkameraden „Duke“ (Herzog) genannt, seiner guten Manieren und der vornehmen Ausstrahlung wegen. Im Alter von sieben Jahren bekam er bereits Klavierunterricht – an dem er jedoch keinerlei Interesse zeigte. Erst mit 14 Jahren begann er sich wieder für Musik zu interessieren, diesmal aber so stark, dass er schon wenige Jahre später als professioneller Musiker auftreten konnte, zunächst als Pianist mit Tanzmusik, aber schon bald auch als Bandleader. Mit wenig Erfolg zunächst: Zu fünft hätten sie sich täglich ein Paar Würstchen teilen müssen, um leben zu können, erzählte er später.

Der Durchbruch kam 1927, als Ellingtons Band erste Auftritte im angesagten Harlemer „Cotton Club“ ergattern konnte und schließlich als das „Duke Ellington Orchestra“ zur Hausband des Clubs avancierte. Die ersten Plattenaufnahmen entstanden, und der von Trompete und Posaune hervorgerufene knurrende, krächzende „Jungle Style“ wurde Ellingtons Markenzeichen. Als erster verwendete er  – im „Creole Love Call“ – die menschliche Stimme als Instrument.

In Frankreich erschien 2002 eine Briefmarke zu Ehren des großen Jazzmusikers Duke Ellington.

In Frankreich erschien 2002 eine Briefmarke zu Ehren des großen Jazzmusikers Duke Ellington.

Anfang der 1930er-Jahre war Ellington durch seine Schallplattenaufnahmen und die Radioübertragungen aus dem „Cotton Club“ zu einem der bekanntesten Afro-Amerikaner geworden. Es folgten – ausschließlich mit eigenen Kompositionen – eine Europatournee mit seinem Orchester, weitere Tourneen durch die USA und später durch die ganze Welt. Später verfasste er neben seinen kürzeren Kompositionen, von denen etliche zu Jazzstandards wurden, auch Filmmusiken, Suiten und ganze Konzerte. Dabei entstanden viele seiner Stücke als Kollektivleistungen seines über die Jahre weitgehend unveränderten Ensembles: Ein Bläser etwa spielte ein Thema, andere übernahmen, improvisierten und der Duke goss alles am Klavier in die letztendlich stimmige Form. Zu Ellingtons weit über 2000 Kompositionen zählen etliche Klassiker wie „Caravan“, „Satin Doll“, „Sophisticated Lady“, „Mood Indigo“ und natürlich „It Don’t Mean a Thing (If It Ain’t Got That Swing)“. Noch 1956 feierte er mit seinem Orchester einen überraschenden Triumph auf dem Jazz-Festival in Newport, ein legendärer Jazzabend der 1950er-Jahre. Am 24. Mai 1974 ist Duke Ellington, der wohl wichtigste Vertreter des Big Band Swing und einer der größten amerikanischen Komponisten, in New York gestorben. Ein wunderbares Denkmal hat ihm Boris Vian mit seinem Roman „Der Schaum der Tage“ gesetzt, der kürzlich auch verfilmt worden ist.


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Verfasst von: Udo Angerstein

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