Knockout in der ersten Runde

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1993 erschien der Boxweltmeister aller Klassen in den USA auf Briefmarke, MiNr. 2384.

Und wieder hatte es „Bumm“  gemacht: Knockout in der ersten Runde! Als Joe Louis am Abend des 22. Juni 1938 das Yankee Stadium in New York betrat, um gegen Max Schmeling zu boxen, war er allerdings schon seit einem Jahr Weltmeister im Schwergewicht. Und in den Olymp seines Sports ging er vor allem deshalb ein, weil er diesen Titel verteidigte, bis er seine Karriere beendete. Fast 12 Jahre lang, in 25 Kämpfen.
Trotzdem war jener Kampf etwas Besonderes. Gegen Schmeling hatte Louis schon einmal geboxt. Und er hatte verloren. Eine empfindliche Niederlage war es gewesen, die ihm der Deutsche ziemlich genau zwei Jahre zuvor beigebracht hatte. Am Ende des langen Fights war Louis zu Boden gegangen. Und ein bisschen hatte es Schmeling angekündigt. Louis nähme den Arm nicht wieder hoch, wenn er kurz zuvor einen Schlag gesetzt habe.
Allein, der Arm, der da manchmal hing, haute nicht nur beim 38-er-Rückkampf in New York zu, wie kaum ein anderer es jemals tun sollte. Seine linke Gerade und ein Gefühl für die Chance zum finalen K.O.-Punch waren Stärken des zudem schnell schlagenden Rekordzeit-Titelverteidigers Louis. Insgesamt blieb es bei nur zwei weiteren Niederlagen in seiner Profilaufbahn. Die allerwenigsten seiner Kämpfe gingen – knockoutbedingt – über die volle Distanz.
Natürlich war der Rückkampf von 1938 auch politisch aufgeladen. International wollte niemand, dass das nationalsozialistische Deutschland einen eventuellen Sieg Schmelings für seine Propaganda nutzte. Das hatte das Regime schon mit dem ersten Kampf der beiden Boxer getan, die später auch über das Ende ihrer Karrieren hinaus in Kontakt blieben.
In den USA galt Louis als schwarzer Boxer und Weltmeister nicht nur in der afroamerikanischen Bevölkerung als Symbolfigur. Er war vielleicht der erste, dessen Beliebtheit auch bei weißen Amerikanern den grundsätzlichen Ausschluss der Schwarzen von Ruhm und Prominenz überwand.
Als Joseph Louis Barrow war er im Süden der USA, in Alabama zur Welt gekommen. Aber aufgewachsen war er in Detroit, Michigan. In der Autostadt hatte auch Louis vor dem Beginn seiner Amateurkarriere Ende der 20er-Jahre in einer Fabrik des „Ford“- Konzerns gearbeitet. Tischler hatte er vielleicht werden wollen. Der einflussreiche New Yorker Box-Promoter Mike Jacobs brachte ihn schließlich an die ganz großen Kämpfe.
Als Profi verdiente Joe Louis eine Menge Geld, mehr womöglich als jeder Boxer vor ihm. Aber als er aufhörte, war fast alles weg. Steuerschulden und Scheidungen – insgesamt war Louis vier Mal verheiratet – waren so teuer, dass er doch noch einmal für wenige Kämpfe in den Ring zurückkehrte. Und die verlor er. In den nächsten Jahrzehnten ging es Louis privat und auch gesundheitlich nicht gut.
Seine Nachfolger, Ali, Frazier, Foreman – sie alle sprachen mit Bewunderung von ihm. Vielleicht sei er der beste überhaupt gewesen. Joe Louis hatte sich in die Herzen der Menschen und in das kulturelle Gedächtnis der USA geboxt. Nachdem er 1981 gestorben war, wurde ihm die „Congressional Gold Medal“ verliehen. In Detroit benannten sie das große Hockeystadion nach ihm. 100 Jahre alt wäre der Champion heute geworden.


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Verfasst von: Marius Prill

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