Zappelphilip und Hanns Guck-In-die-Luft

Heinrich Hoffmann Briefmarke 2009

2009 erschien MiNr. 2739 zum 200. Geburtstag des Autoren.

Kennen Sie Polykarpus Gastfenger, Heulalius von Heulenburg oder Reimerich Kinderlieb? Nein? Aber das hier kennen Sie doch sicher noch, oder? „Ich esse meine Suppe nicht, Nein, meine Suppe ess‘ ich nicht!“ Die Geschichte vom Suppen-Kaspar und viele andere mehr hat Heinrich Hoffmann seinerzeit für seinen Sohn ersonnen. Hoffmann, geboren am 13. Juni 1809 in Frankfurt am Main, war Mediziner und Psychiater und wurde als Autor des Kinderbuches „Struwwelpeter“ berühmt. Schriftsteller wollte er auch eigentlich werden, doch der Vater riet zum Medizinstudium, das Hoffmann in Heidelberg und Halle absolvierte und im Jahr 1833 auch erfolgreich abschloss. Zunächst ließ er sich danach als praktischer Arzt und Geburtshelfer im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen nieder, betreute gleichzeitig mit Kollegen eine Armenklinik und schreib nebenbei erste Gedichte. 1840 heiratete er Therese Donner, mit der er drei Kinder hatte, und konnte 1844 eine Anstellung am Senckenbergischen Institut ergattern, wo er die folgenden Jahre Anatomie unterrichtete.

Ebenfalls 1844 wollte Hoffmann seinem ältesten, damals dreijährigem Sohn ein Kinderbuch zu Weihnachten schenken. Doch das, was die Buchhandlungen im Angebot hatten, erschien ihm wenig kindgerecht und so machte er sich an die Arbeit, selbst ein Kinderbuch herzustellen, was auch pünktlich am Heiligen Abend fertig war und unter den Baum gelegt wurde: „Die Wirkung auf den beschenkten Knaben war die erwartete; aber unerwartet war die auf einige erwachsene Freunde, die das Büchlein zu Gesicht bekamen“, so Hoffmann später, „von allen Seiten wurde ich aufgefordert, es drucken zu lassen und es zu veröffentlichen.“

Struwwelpeter auf Briefmarke 1994

Zum 100. Todestag Heinrich Hoffmanns erschienen 1994 die Jugendmarken MiNr. 1726-30.

Dem Verleger Zacharias Löwenthal gelang es dann tatsächlich, Hoffmann zu überreden, und 1845 erschien die erste Auflage, damals noch unter dem Pseudonym Reimerich Kinderlieb. Der „Struwwelpeter“ wurde schnell ein Erfolg, Jahr um Jahr folgten neue Auflagen, bis heute ist das Buch in mehr als 540 Auflagen erschienen und hat unzählige Parodien angeregt. Dabei atmet der schmale Band mit Hoffmanns eigenen Zeichnungen durchaus den Geist eines ziemlich autoritären, ja recht rustikalen Erziehungsstils: In allen Geschichten benehmen sich die Kinder nicht so, wie es erwartet wird, das Ende der Geschichte ist zumeist ein Schreckliches: Der Suppen-Kaspar verhungert, dem Daumenlutscher werden die Daumen abgeschnitten, und das kleine Mädchen, das mit Streichhölzern spielte: „Verbrannt ist alles ganz und gar, das arme Kind mit Haut und Haar“.

Doch muss man nicht unbedingt einen Hang zum Makabren haben, um an Hoffmanns Reimen und Bildern Gefallen zu finden, zudem ist es Hoffmann mit dem „Struwwelpeter“ zum ersten Mal überhaupt gelungen, das Thema „Kindererziehung“ ins Bewusstsein breiter Schichten der Bevölkerung zu rücken. Und geschieht den Jungen, die den „armen Mohren“ necken, nicht recht, wenn der Nikolaus sie am Ende in die schwarze Tinte taucht?

Zappel-Philipp-Briefmarke Und schaut man sich den „Zappelphilip“ und den „Hanns Guck-in-die-Luft“ an, lassen sich da nicht Parallelen zum viel diagnostizierten und eifrig mit Ritalin behandelten Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom finden? Nunja, zu Hoffmanns Zeiten gab es noch kein Ritalin und große Pharmafirmen, die damit Unsummen verdienen konnten. Dabei war Hoffmann, der 1851 Direktor der „Anstalt für Irre und Epileptische“ in Frankfurt wurde, sowohl einer der ersten Vertreter der Jugendpsychiatrie als auch einer der Ersten, der psychisch Kranke als Kranke behandelte, denen medizinisch geholfen werden konnte. Zuvor wurden sie nämlich allzuoft als Arbeitsscheue, Kriminelle, oder gar als vom Teufel besessen angesehen. 1864 schaffte er es schließlich trotz vieler Widerstände, eine moderne modellhafte psychiatrische Klinik in Frankfurt zu eröffnen, wo er bis zu seiner Pensionierung lebte und wirkte. Am 20. September 1894 ist Heinrich Hoffmann in seiner Heimatstadt gestorben.


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Verfasst von: Udo Angerstein

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