Die „Krankheit des Vergessens“

Alzheimer-Briefmarke USA 2008

2008 machten die USA mit einer Briefmarke auf den Kampf gegen Alzheimer aufmerksam, MiNr. 4452.

Im November 1901 begegnete der Mediziner Alois Alzheimer in der Frankfurter „Anstalt für Irre und Epileptische“ einer Patientin namens Auguste Deter. Bei ihr beobachtete er Gedächtnischwächen und Orientierungslosigkeit. Deters Ehemann hatte für ihn unverständliche Veränderungen im Verhalten seiner Frau erlebt. „Ich habe mich sozusagen verloren“, lautet ein berühmter Satz, den diese über sich selbst und ihre Situation sagte. Alzheimer entwickelte eine Vermutung darüber, was die zu diesem Zeitpunkt 51-jährige damit womöglich zum Ausdruck brachte: Sie litt, wie er es einmal formulierte, an der „Krankheit des Vergessens“. Diese wurde in den kommenden Jahren zu einem Hauptgegenstand der Forschungsarbeit des vor genau 150 Jahren geborenen Bayern.

Tatsächlich war es Deters Gehirn, an dem sich Alzheimer, nachdem sie 1906 gestorben war, charakteristische organische Symptome der „Alzheimer-Krankheit“, nämlich abgestorbene Nervenzellen sowie dafür verantwortliche Eiweißablagerungen („Amyloid-Plaques“) und aus „Tau-Protein“ bestehende „Neurofibrillenbündel“, zeigten.

Alzheimer-Briefmarke Argentinien 2012

Alzheimer-Kranke brauchen Betreuung. Argentinien, MiNr. 3471.

Nicht einfach eine unspezifische Alterssenilität, sondern eine „eigenartige Erkrankung der Hirnrinde“ schien ihm vorzuliegen, ein Leiden, dessen organische Entwicklung man neuropathologisch erschließen und das nicht nur „Greise“, sondern auch eine gerade einmal 50 Jahre alte Person ereilen konnte. Nachdem Alzheimer 1906 auf einem Ärztekongress über seine Forschungen gesprochen hatte, wurde sein Name bald mit der Krankheit verbunden und gab dieser schließlich den ihren. Teilweise zusammen mit seinem zeitweiligen Frankfurter Kollegen Franz Nissl forschend und veröffentlichend, widmete sich Alzheimer der Anatomie des Gehirns auch mit Bezug auf andere Erkrankungen. Seit 1903 war er in der Psychiatrischen Klinik der Münchener Universität tätig, wo er auch als Privatdozent lehrte. Seine Ehefrau Cäcilia hatte der Vater von drei Kindern zu diesem Zeitpunkt und schon früh, nach nur wenigen Jahren Ehe verloren. Nachdem er drei Jahre zuvor eine Professur in Breslau angetreten hatte, starb Alzheimer selbst im Jahr 1915 an einer Infektion.

Alzheimer-Briefmarke Dänemark 1999

Zuschlagsmarke von 1999 für den dänischen Alzheimer-Verein.

Bei andauernder Forschung sind die Ursachen der Alzheimerkrankheit bis heute nicht völlig geklärt, und auf effektivere, z.B. das Fortschreiten der Krankheit weiter verlangsamende Behandlungsmethoden und Medikamente hoffen nicht nur die derzeit auf eine Zahl von über 30 Millionen geschätzten Menschen, die weltweit von der häufigsten unter den „Demenz“-Erkrankungen betroffen sind. Auch jüngere und gesunde fürchten den kognitiven Abbau im Alter. Ein Umstand im Kontext von „Morbus Alzheimer“ verweist vielleicht besonders deutlich auf die soziale Dimension von Krankheit und Medizin: Knapp hundert Jahre nach dem Tod Alois Alzheimers sind es deutlich mehr Menschen, die ein Alter erreichen, in dem das „neurodegenerative“ Leiden mit höherer Wahrscheinlichkeit auftritt , und allgemein prognostiziert man eine darin begründete weitere Zunahme von Erkrankten. Ihre angemessene Beachtung und Versorgung setzt nicht nur medizinisch-wissenschaftliche Forschung, sondern auch gesellschaftliche Offenheit und Solidarität voraus.


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Verfasst von: Marius Prill

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