Wozu überhaupt diese Malerei?

Französische Briefmarke ausgegeben am 11. Juli zum 50. Todestag des Künstlers Jean Fautrier

Französische Briefmarke zum 50. Todestag des Künstlers Jean Fautrier.

Eine Frage, die ein bedeutender französischer Maler schlichtweg mit den Worten „eine Wand zu zieren“ beantwortete.

Den am 16. Mai 1898 in Paris geborenen Jean Fautrier ereilte bereits in Kinderjahren ein schmerzlicher Schicksalsschlag. Sowohl sein Vater als auch seine Großmutter verstarben, als er erst neun Jahre alt war. Seine Mutter war daraufhin entschlossen, die französische Hauptstadt zu verlassen und ließ sich mit ihrem Sohn in London nieder. Bereits 1912, vier Jahre nach dem Umzug nach Großbritannien, erhielt Fautrier eine Zusage von der Royal Academy of Arts. Er verließ diese Schule jedoch 1915, um an der Slade-School of Fine Arts zu studieren. Die klassische Ausbildung, die er an der Universität erhielt, genügte dem jungen Künstler nicht. Er begann, allein zu arbeiten und die berühmte Tate Gallery zu besuchen, wo ihm vor allem die Werke William Turners auffielen. 1917 musste er den Pinsel zunächst für einige Zeit ruhen lassen, da er in die französische Armee einberufen worden war. Aufgrund einer Gasvergiftung während seines Fronteinsatzes litt Fautrier sein ganzes Leben lang an seiner kranken Lunge und verstarb heute vor 50 Jahren.

Erst als er sich 1920 nach Tirol aufmachte, um sich von seiner Atemwegsverletzung zu erholen, begann er wieder zu malen. Sehr schnell gelang es ihm, sich einen Namen zu machen. Nachdem er seine Werke 1922 und 1923 in bekannten Pariser Galerien ausstellte, erhielt er 1925 bereits seinen ersten Vertrag bei der renommierten Galerie Guillaume. In den 30er-Jahren zog sich Fautrier zunächst aus der Kunstwelt zurück. Er widmete sich anderen Beschäftigungen, wurde erst Skilehrer in den Alpen, danach leitete er einen erfolgreichen Jazzclub. Erst 1940 kehrte Fautrier nach Paris zurück und traf Künstler und Dichter, für die er Illustrationen anfertigte. Außerdem schloss er sich Anfang der 40er-Jahre der französischen Widerstandsbewegung gegen die Nationalsozialisten, der Résistance (deutsch: Widerstand) an, was ihm 1943 die Inhaftierung durch die SS einbrachte. Nach einem kurzen Gefängnisaufenthalt floh der Künstler mit Hilfe des Publizisten Jean Paulhan.

Von 1942 bis 1945 schuf Fautrier seine wohl bedeutendste Gemäldeserie „Les otages“. Diese Werke, zu deutsch „Geiseln“, zeigen anonyme Porträts von gefolterten Opfern der Deutschen Besatzungsmacht. Fautrier war der Ansicht, dass Gegebenheiten aus der realen Welt stets das beste Material für die Kunst liefere. Der Betrachter seiner Werke erkennt zwar erst bei näherem Hinsehen, was diese Werke genau darstellen, da er die Realität abstrakt verpackt, aber der Schock über das grauenhafte Schicksal der Folteropfer bleibt dennoch nicht aus. Er stellte die Kunstwerke der Serie 1945 in der Galerie René Drouion aus und erlangte damit den endgültigen Durchbruch als Künstler.

Neben den Künstlern Wols und Hans Hartung gilt Fautrier als Wegbereiter der Informellen Kunst, die der abstrakten-geometrischen entgegengesetzt ist. Als ein indirekter Impulsgeber dieser Kunstrichtung wird Claude Monet mit seinen Seerosenbildern angesehen. Fautriers Werke sind oft von einem sehr dicken Farbauftrag geprägt. Meist stellte der Künstler einen einzigen Gegenstand dar, der nur noch in seinen Grundzügen zu erkennen ist. Ein Beispiel für seine Arbeit ist das auf der am 11. Juli ausgegeben, französischen Briefmarke abgebildete Werk „Les boîtes de conserves“ (deutsch: „Die Konservendosen“) von 1917.


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