Ozeanriesen mitten im Dschungel

Panamakanal auf BriefmarkeWer im 19. Jahrhundert von New York in das sonnige Kalifornien wollte, hatte eine lange und beschwerliche Seereise vor sich. Die Fahrt um das berüchtigte Kap Hoorn an der Südspitze Südamerikas war dabei allerdings nicht nötig. Die im 16. Jahrhundert entdeckte Magellanstraße im Süden von Chile bot jedoch lediglich eine marginale Abkürzung. 1914 wurde ein Bauprojekt fertiggestellt, das den mittelamerikanischen Isthmus in Panama durchtrennt: Der Panamakanal. Mit einer Länge von ca. 82 Kilometern verbindet diese wichtige Wasserstraße den Atlantik mit dem Pazifik mitten durch den einstigen Dschungel von Panama und verkürzt somit die Schiffsroute von Ostküste zu Westküste um etwa 8.000 Seemeilen.

Zum 25. Jubiläum des Panamakanals - Briefmarke zu 7 CentsDie Idee zu dieser Wasserstraße ist schon viel älter als ihr tatsächlicher Baubeginn Anfang des 20. Jahrhunderts vermuten lässt. Bereits der Habsburger Kaiser Karl V. dachte 1523 an eine Verbindung durch das südliche Panama und beauftragte 1527 eine Suche nach einem geeigneten Weg. Zwei Jahre später war dann der erste Entwurf für das Mammutprojekt vom Spanier Alvarado de Saavedra Colon ausgearbeitet, wurde jedoch nie umgesetzt. Anstelle des Kanals wurde ein zweiter Handels-Landweg neben dem bereits existierenden Camino de Real (Königsweg), der Camino de Cruces (Kreuzweg), auf der panamaischen Landbrücke etabliert.
Auch Alexander von Humboldt, der Weltruhm durch seine amerikanische Forschungseise von 1799 bis 1804 erlangte, schreibt Überlegungen zu einem Verbindungskanal der beiden großen Ozeane in Mittelamerika nieder.

Zum 25. Jubiläum des Panamakanals - Briefmarke zu 20 CentsAngetrieben von dem Erfolg des 1869 eröffneten Suezkanals in Ägypten forcierten die Franzosen die Umsetzung eines Panamakanals. Bei den Bauarbeiten von 1881 bis 1889 starben insgesamt etwa 22.000 Menschen an tropischen Krankheiten wie Dengue und Malaria. Fatalerweise wurde von Ärzten damals geraten, die Füße der Arbeiterbetten zum Schutz vor Malaria in Eimer gefüllt mit Wasser zu stellen, was die Malaria-Seuche letztlich nur noch befeuerte. Diese hohen Verluste an Arbeitskräften, dazu noch schlechtes Management, falsche Berechnungen und finanzielle Schwierigkeiten trieb die dafür gegründete französische Aktiengesellschaft Compagnie Universelle du Canal Interocéanique in den Ruin und zur Aufgabe des Projektes.

Zum 25. Jubiläum des Panamakanals - Briefmarke zu 3 CentsEine französische Auffanggesellschaft verkaufte schließlich 1902 das gesamte Projekt an die USA für immerhin 40 Millionen Dollar. Die USA waren zuvor mit Planungen eines Kanalbaus in Nicaragua beschäftigt und nutzen die angefangen Arbeiten der Franzosen nun um das Projekt zu vollenden. Dabei wurde jetzt auf die Lebensumstände der Arbeiter sorgsamer geachtet, so dass in der Bauzeit von 1906 bis 1914 „nur noch“ ca. 5.600 Arbeiter wegen Krankheiten und auch Unfällen ums Leben kamen.

Paketboot Ancona bei der Durchfahrt des Panamakanals auf BriefmarkeTatsächlich war es das Paketboot „Ancona“, mit 200 Passagieren an Bord, welches als erstes Wasserfahrzeug den Kanal am 15. August 1914 durchquerte. Heute, 100 Jahre nach der Eröffnung des Panamakanals wird die Wasserstraße für eine neue Schiffsgeneration ausgebaut. Künftig sollen auch Frachter der sogenannten Post-Panamax-Klasse mit bis zu 14.000 Standardcontainern die Wasserstraße queren können. Derzeit können nur Schiffe mit maximal 4.400 Containern durchgeschleust werden.

Briefmarke zum 75. Jubiläum des PanamakanalsKonkurrenz entsteht aber gleichzeitig in Nicaragua, diesmal unter Federführung eines Konsortiums aus Hongkong. Dort soll ebenfalls eine Kanal-Verbindung zwischen den beiden Weltmeeren hergestellt werden, die dann noch größere Schiffe passieren lassen soll, wie sie nach der jetzigen Erweiterung des Panamakanals zwischen den Meeren fahren werden. Ahoi!

Abbildungen mit freundlicher Genehmigung von www-seemotive.de


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Verfasst von: Boris M. Hillmann

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