Ein Klumpen Blut in der Faust

Dschingis Kahn auf BriefmarkeMan weiß es nicht genau. Aber aller Wahrscheinlichkeit nach ist der bekannteste mongolische Herrscher und Eroberer aller Zeiten, der Dschingis Khan, heute vor 787 Jahren gestorben. Das mag zwar kein wirkliches Jubiläum sein, da man es aber eh nicht genau weiß (noch nicht einmal seinen Geburtstag, geschweige denn sein Geburtsjahr), vielleicht doch Grund genug an diesen ersten Großkhan zu erinnern.

Temüdschin, „der Schmied“, wie sein mongolischer Name lautete, verfügte über so viel Verhandlungsgeschick, Ausstrahlung und Einfluss, dass es ihm gelang im Jahr 1190 die zersplitterten mongolischen Gruppen zu vereinen und ein Heer zusammenzustellen, dass in die Geschichte eingehen sollte. In einer nach seinem Tod entstandenen Chronik wird berichtet, der Junge habe bei seiner Geburt einen Blutklumpen in der Faust gehalten, was gemeinhin als Zeichen der Stärke und der Willenskraft gedeutet wurde.

Dschingis Khan Portrait - BriefmarkeSeinen Aufstieg zum Großkhan verdankt er aber sicherlich auch der Tatsache, dass er einer aristokratischen Clan-Führer-Familie entstammte, die sich zwar nach dem Mord an seinem Vater während seiner Jugendjahre in einer verarmten und isolierten Situation befand, doch wegen des Urgroßvaters, des einstigen Kabul Khan, immer noch ein gewisses Ansehen genoss.

Zunächst unterwarf er die benachbarten Steppenvölker mit seinen Gefolgsleuten, deren Treue und absoluten Gehorsam er mit versprochenen Reichtümern bei künftigen Feldzügen gewann. Treue war dem Großkahn besonders wichtig und er demonstrierte diese Wichtigkeit sehr anschaulich: Als er seinen Erzrivalen, den Gurkhan Dschamucha, durch dessen ehemalige Verbündete ausgeliefert bekam, ließ er die Häscher von Dschamucha und all ihre Familienmitglieder töten und bot Dschamuncha seine Freundschaft an. Dieser wollte jedoch lieber standesgemäß sterben und Dschingis Khan gewährte ihm diesen Wunsch.

Im Laufe weniger Jahre wurde die Zahl der unterworfenen Stämme immer größer und Temüdschin fühlte sich ermutigt den Mord seines Vaters durch die im Osten befindlichen Stämme zu rächen. Einer Legende nach ließ er niemanden am Leben, der größer als die Achshöhe eines Ochsenkarren war.

Im Jahr 1206 wurde ein Reichstag (Kurultai) einberufen, bei welchem Temüdschin von den unterworfenen Stammesfürsten und Schmanen zum alleinigen Herrscher eines neuen Staates erkoren: Dschingis Khan, Großkhan und ungestürmer Herrscher aller Mongolen. Sein Titel erlaubte ihm alleinige Macht über alle Belange des Staatswesens und er führte eine Reihe von Reformen im Laufe seiner Regentschaft durch, die die vormalige Ordnung aus Verrat und Betrug durch Disziplin und Gefolgschaft ersetzten.

Mongolische Krieger auf BriefmarkeGleichzeitig erschuf er den Grundstein eines mongolischen Reiches, welches er von seiner Wahlresidenz Karakorum aus stetig vergrößerte und das bis zu seinem Tode vom Kaspischen Meer bis zur Pazifikküste Chinas reichte und damit doppelt so groß war wie das heutige China.

Das Mongolische Reich - BriefmarkeSeine Nachfolger allerdings dehnten das Reich der Mongolen und ihren Herrschaftseinfluss auf ein Gebiet aus, welches in seinen Ausmaßen selbst die Großmachtphantasien eines jeden wahnsinnigen politischen Führers in den Schatten stellt: Das größte Landreich der Geschichte umfasste nahezu 26 Millionen Quadratkilometer. Auf dem Höhepunkt ihrer Macht beherrschten die Mongolen-Khane das Kaiserreich China, Korea, Teile Afghanistans, Persien, Georgien, Armenien, Bulgarien, Ungarn, Russland sowie alle dazwischen liegenden Länder. Noch im 15. Jahrhundert stießen immer wieder Horden der Mongolenkrieger nach Mitteleuropa vor.

Wer sich einmal ein Bild dieses Steppenvolkes, seiner Eroberungszüge und der immensen damit verbundenen Logistik machen möchte, dem sei das Buch „Zum letzten Meer“ von Wassili Jan empfohlen, der darin die Geschichte eines Enkels von Dschingis Khan und dessen steter Marsch gen Westen spannend, unterhaltsam und mit sehr viel Liebe zum Detail erzählt.


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Verfasst von: Boris M. Hillmann

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