Jenseits des Pfarramtes

Eduard Mörike auf Briefmarke von 1975Nach einer langen, von vornherein auf die spätere Tätigkeit ausgerichteten schulischen und akademischen Karriere wurde er evangelischer Pfarrer. Wirklich identifizieren konnte er sich damit nicht, und ausgesucht hatte er den Beruf des Geistlichen auch nicht selbst. Der vor allem als Lyriker bekannte Eduard Mörike, geboren am 8. September 1804 in Ludwigsburg, war vielmehr recht früh und sehr innig und beständig der Dichtung zugetan. Die Poesie und ihre Gegenstände, bei Mörike nicht nur die Liebe, sondern speziell auch die Natur, waren für ihn selbst vielleicht auch ein Ausgleich zum immer bedrängenden Alltag als schwäbischer Dorfpfarrer. Ein nach dem frühen Tod des Vaters durch seinen Onkel angebahntes Dasein, das der immer wieder über alternative Erwerbsquellen, zum Beispiel als freier Autor für Zeitschriften, nachdenkende Künstler doch nicht vermied und aufgab. Bis ihn, der sich oft erschöpft und schwach fühlte, die frühe Pensionierung mit nicht einmal 40 Jahren aus der, wie Mörike es auch nannte, „Vikariatsknechtschaft“ löste.

Auch danach blieb er aber kränklich. Und es war meistens wenig Geld da. Mörike arbeitete zeitweise als Lehrer. Aber sein Werk wuchs weiter. Ein Publikum hatte es bereits, denn Mörike veröffentlichte seit Ende der 1820er-Jahre. Tatsächlich fand er noch zu Lebzeiten Anerkennung als Schriftsteller, wurde von Kollegen geschätzt und beispielsweise durch die junge Deutsche Schiller-Stiftung geehrt und unterstützt sowie gar mit bayerischen und württembergischen Ritterwürden versehen.

Eduard Mörike auf Briefmarke von 2004Nicht nur Gedichte verfasste Eduard Mörike, sondern zum Beispiel auch den 1832 erschienenen Roman „Maler Nolten“ oder das Märchen „Der Bauer und sein Sohn“. Auch die im Gesamtwerk späte Novelle „Mozart auf der Reise nach Prag“ stammt aus der oft musikalisch und dabei gerade vom Wiener Klassiker inspirierten Feder Mörikes. Das Drama „Der letzte König von Orplid“ behandelt das gleichnamige Phantasie-Land, das Mörike – der überhaupt einige alte Freundschaften, auch mit dem Dichter Wilhelm Waiblinger, stets aufrechterhielt – einst zusammen mit seinem Studienfreund Ludwig Bauer erdacht hatte. Schulisch vermitteltes und fest verankertes poetisches Allgemeingut sind wohl vor allem die Gedichte „Septembermorgen“ und „Er ist`s“ („Frühling lässt sein blaues Band/Wieder flattern durch die Lüfte…“). Man kann fragen, wie heil und idyllisch die Welt der Mörikeschen Arbeiten ist, ob das Werk des stetig in, aber kaum jenseits der Schwäbischen Alb Wandernden eskapistisch auf harmlose Weise ist. Oder auch, wie sehr es den Schmerz und die Ferne eines fortlaufend Sehnenden, Nie-Zufriedenen, Nicht-Entkommenden enthält.
Mit seiner Ehefrau Margarethe Speeth hatte Mörike zwei Töchter. Die beiden trennten sich zu Beginn der 1870er-Jahre zeitweilig. Einige Jahre lang war Mörike zuvor mit Luise Rau, Tochter eines Pfarrers, verlobt gewesen. Geliebt–und in seine Arbeiten einfließen lassen– hatte er als junger Mann besonders die schöne, in einem Gasthaus arbeitende Maria. Es war anstrengend und kompliziert verlaufen, nicht nur mit ihr.


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Verfasst von: Marius Prill

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