Über die Brücke zu neuen Formen

Sonnenblumen von Karl Schmidt-Rottluff auf Briefmarke von 1984

Zum 100. Geburtstag des Malers erschien die MiNr. 728 der Deutschen Bundespost Berlin.

Karl Schmidt-Rottluff gilt als einer der bekanntesten deutschen Vertreter „expressionistischer“ Kunst. Mit seinen ausdrucksstarken, von intensiv-leuchtenden Farben und Kontrasten sowie markanten Formen gekennzeichneten Gemälden erlangte das Gründungsmitglied – und der Namensgeber – der Künstlergruppe „Brücke“ in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute anhaltende Geltung. Am 1. Dezember 1884 als Karl Schmidt im sächsischen Rottluff zur Welt gekommen, begann der jugendliche Müllersohn ein Architekturstudium in Dresden. Bald jedoch beschäftigte er sich in erster Linie mit Bildender Kunst. Er war dabei nicht alleine, denn in Dresden traf Schmidt-Rottluff auf die jungen Kollegen Fritz Bleyl und Ernst Ludwig Kirchner. Erich Heckel kannte er schon aus Schulzeiten. Man gründete eine dezidiert nicht-akademische, jenseits eingefahrener Bahnen operierende Künstlervereinigung, die sich den Namen Brücke gab, und ab 1905 beinahe ein Jahrzehnt Bestand und großen Einfluss auf die expressionistische Kunst in Deutschland hatte.

Nicht nur nach Berlin, wo sich expressionistische Maler um die Gruppe der „Berliner Secession“ tummelten, sondern auch ins ungleich ruhigere norddeutsche Örtchen Dangast unternahm Schmidt-Rottluff wiederholt Exkursionen. Dort konnte er, der sonst auch gerne Selbstporträts herstellte, sich speziell der landschaftsbezogenen Öl- und Aquarellmalerei widmen. An die im Lauf der Jahrzehnte immer wieder aufgesuchte Ostsee wiederum führte ihn eine Einladung des künstlerisch in ähnlichen Fahrwassern agierenden Malers Emil Nolde. Gerade mit Blick auf seine See-Aufenthalte einerseits und die anderen Protagonisten der Brücke andererseits ist Schmidt- Rottluff öfter eine Tendenz zum Rückzug und Einzelgängertum zugeschrieben worden. Auch schaute er über europäische Kunst hinaus, wenn afrikanische und ozeanische Holzmasken ihm als Inspiration dienten. Neuer Wohnsitz Schmidt-Rottluffs – und der anderen Brücken-Mitglieder – wurde 1911 nichtsdestotrotz die kulturell lebendige und vielfältige deutsche Hauptstadt.

Karl Schmidt-Rottluff auf Briefmarke Deutschland 1995

Der Gutshof in Dangast erschien 1995 auf Briefmarke, MiNr. 1776.

Schon während des Ersten Weltkriegs, der Schmidt-Rottluff zum Militärdienst zwang, arbeitete er an Holzschnitten. Gleichzeitig intensivierte auch das Registrieren des „Kubismus“ sein Interesse an Form und scharfer Kontur. Schmidt-Rottluffs „Katzen“-Holzschnitte aus dieser Zeit beispielsweise erscheinen derart schwungvoll und exaltiert, dass man meinen könnte, die darin gezeigten samtigen Vierbeiner trügen wirklich Leben in sich. Wie in den Jahren der nicht auf naturalistische Beobachtung und Wiedergabe, sondern vielmehr puren und subjektiven Ausdruck konzentrierten Brücke brachte der Künstler in seinen Werken Inneres nach Außen. Er gestaltete deren Gegenstände im Ton innerer Bestimmtheit, von Überlegungen und – nach der globalen Katastrophe von Zweifel geprägter – Weltwahrnehmung. Auch in den 1920er-Jahren reiste Schmidt-Rottluff in ländliche Gebiete, beschäftigte sich weiter mit Landschaften und arbeitete an Stillleben. 1930 gastierte er in der berühmten Römer „Villa Massimo“, die Künstlern unterschiedlicher Disziplinen auch noch heute im Rahmen von Stipendien als Arbeits- und Lebensraum dient.

In den Jahren der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft war Schmidt- Rottluff von den perfiden Diffamierungsmechanismen sowie einem Ausstellungs- und Berufsverbot durch das Regime betroffen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg füllte er das Amt eines Professors an der „Hochschule für Bildende Künste“ in Berlin aus. 1956 verlieh man ihm den „Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste“. Heute sind die Werke Schmidt-Rottluffs, der, seit 1919 mit Emy Frisch verheiratet und kinderlos, im Jahr 1976 verstarb, u.a. umfangreich im New Yorker „Museum of Modern Art“, dem vom Künstler selbst initiierten „Brücke Museum“ in Berlin und einer Sammlung in seiner Herkunftsstadt Chemnitz zu sehen.


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Verfasst von: Marius Prill

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