Werte schaffen, Werte bewahren

Lohnenswerte Leidenschaft – Wertvolles Sammeln zahlt sich aus

Feldpostausgabe von Goethes „Faust“.

Des Dichters Wort für die Uniformtasche: Feldpostausgabe von Goethes „Faust“.
(Foto: Jan Sperhake)

Es begann mit einem Fund auf dem Flohmarkt. Eine Ausgabe von Goethes „Faust“ in schönem Leineneinband lockte in der Auslage zu moderatem Preis. 1924 vom Leipziger Hesse & Becker Verlag herausgegeben, war dieses antiquarische Buch ungleich liebevoller produziert worden als die bisher vorliegende moderne Reclamausgabe. Und so hielt Goethes Meisterwerk noch einmal Einzug in die heimische Bibliothek. Bald darauf wollte der Zufall eine weitere Begegnung mit dem Klassiker. Ein winziges Bändchen lugte zwischen den Buchrücken im Antiquariat hervor, eine Feldpostausgabe des „Faust, erster Teil“ aus dem Hyperion-Verlag. Nein, die durfte nicht zurückgelassen werden. Anschließende Recherchen ergaben, dass das kleine Büchlein noch vor dem Umzug des Verlegers Hermann Luft aus dem zunehmend im Bombenhagel zerstörten Berlin ins Breisgau gedruckt worden war. Die Besitzerin hatte das Werk fürsorglich in Folie eingeschlagen und mit einem eigenhändig unterschriebenen exlibris versehen – wunderschön…

Von da an war es geschehen: Eine antiquarische Ausgabe folgte der nächsten. Darüber hinaus weitete sich die kleine Sammlung auch inhaltlich aus. Eine Englandreise bescherte verschiedene Ausgaben des gleichnamigen Dramas von Christopher Marlowe, nach anfänglichem Zögern gesellte sich Thomas Manns „Doktor Faustus“ in die Runde, bald sekundiert von Wilhelm Buschs kongenialen Zeichnungen des Dramenstoffs und einer Ausgabe des Romans vom Goethe-Freund Friedrich Maximilian Klinger „Fausts Leben, Thaten und Höllenfahrt“ – leider nur im Nachdruck. Aber wie groß war die Freude, jüngst eine Originalausgabe von Ferdinand Avenarius in den Händen zu halten: Den ersten Band seines Dramenzyklus vom „Werdenden Gott“ – „Faust. ein Spiel“ – von 1919, erschienen im Münchner Callwey Verlag. Ein „Faust“ von Georg Rudolph Widmann oder gar Johann Spies wird vermutlich nie Teil der Sammlung werden, aber man darf ja davon träumen.

Schleichendes Sammelfieber

Ähnlich ergeht es vielen Sammlern. Aus der Laune eines Augenblicks heraus verliebt man sich in einen Gegenstand. Warum, wird kaum jemand wirklich sagen können. Doch das Objekt berührt das Herz. Man beginnt die Hintergründe zu ermitteln, entdeckt ein passendes Partnerstück, und bald wächst im Geiste ein unsichtbarer Plan, der den Sammler leitet, ihn bald dieses Stück erstehen lässt, jenes aber als unpassend zurückweist. Und so wächst die Leidenschaft, stets begleitet von immer umfänglicherem Wissen über das Thema. Ebenso wenig wie die ursprüngliche Motivation für die persönliche Sammlung lässt sich in der Regel der Punkt bestimmen, an dem man erkennen muss, dass neben den ideellen Werten im Laufe der Jahre auch ganz beträchtliche Sachwerte  zusammengetragen wurden. Das ist in der Regel zwar nebensächlich, darf aber langfristig nicht aus den Augen verloren werden. Denn die liebevoll gepflegte Sammlung soll ja schließlich überdauern und im besten Fall von den Kindern oder Enkeln fortgeführt werden …

Dies ist ein Auszug aus dem gleichnamigen Artikel, erschienen in der Sonderveröffentlichung „Werte bewahren: Vererben und erben“ . Das ePaper können Sie direkt online lesen, oder lassen Sie sich ein kostenloses Exemplar per Post zusenden, schreiben Sie uns hierzu einfach eine E-Mail.

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Verfasst von: Jan Sperhake

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