Das Attentat von Sarajewo

Ein Mythos und die Postgeschichte

Am 29. Juni 1914, morgens um 9.40 Uhr wird in Wien ein Telegramm an den Rittmeister Thierry in Fiume (Rijeka) aufgegeben, das damals zu Ungarn gehörte. Dieses wird im Telegrafenamt Fiume am 29. Juni 1914, 11-12 Uhr ausgefertigt. Es enthält den lapidaren Satz: „thronfolgerpaar tot sofort einrücken.“

Eine Mobilmachung vor der Mobilmachung?

Natürlich wissen geschichtsbewusste Menschen sofort, was mit diesem Telegramm gemeint ist und aus welchem historischen Kontext es stammt: Es handelt sich um das Attentat von Sarajevo, und wir lesen sofort das Wort „einrücken“. Es findet also bereits eine kleine Mobilmachung statt, denn weshalb sollte sonst ein ranghoher Militär an dem Tag den Befehl erhalten, einzurücken. Es liest sich, als habe man darauf gewartet, dass etwas geschieht, und als wusste man genau, dass man in dem Moment, da es geschehen war, sofort erste Mobilmachungsmaßnahmen ergreifen werde. Man scheint also durchaus vorbereitet gewesen zu sein, nicht auf das konkrete Attentat von Sarajevo, wohl aber auf ein Ereignis, nach dem man sofort bereit war, nicht etwa diplomatisch abzuwarten und nach Verhandlungslösungen zu suchen, sondern sich eine militärische Option, wie man heutzutage so schön sagt, offenzuhalten.

Telegramm-Einrueckungsbefehl

Telegramm vom 29. Juni 1914, 9.40 Uhr aus Wien nach Fiume, dort ausgefertigt am 29. Juni 1914, 11-12 Uhr, mit Einrückungsbefehl für den Rittmeister Thierry.

Dieses Dokument verweist auf den Umstand, dass die Ereignisse von Sarajevo anscheinend nur einen Mechanismus auslösten, der bereits lange vorgedacht war. Dem steht entgegen, dass üblicherweise das Wissen um die Entstehung des Ersten Weltkrieges weitgehend auf das Attentat selbst reduziert ist. Denn jeder weiß es: Alles begann mit dem Attentat von Gavrilo Princip auf das KuK-Thronfolgerpaar vom 28. Juni 1914 in Sarajevo, auf das nach einem österreichischen Ultimatum einen Monat später die Kriegserklärung Österreichs an Serbien folgte. So jedenfalls lautet der Mythos, der seit nunmehr einhundert Jahren in Deutschland und in Österreich bemüht wird, um zu erklären, wie es überhaupt zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges kommen konnte …

Den kompletten Artikel von Prof. Dr. Reinhard Krüger über das Attentat und seine Folgen finden Sie in der neuen DBZ 26/2014 , die Sie aktuell im Bahnhofsbuchhandel bekommen. Abonnenten sparen sich den Weg und auch noch Geld…


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Verfasst von: Udo Angerstein

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