Der unbekannte Bote von Wandsbek

Der unbekannte Bote von Wandsbek

Heute vor 200 Jahren starb Matthias Claudius, dessen gesungenes Gedicht „Der Mond ist aufgegangen“ uns allen kollektiv im Gedächtnis haftet. Zumindest das Lied, der Name des Verfassers dürfte vielen von uns nicht unbedingt geläufig sein. Das war aber schon vor 200 Jahren  nicht anders.

Geboren 1740 in der kleinen Karpfenstadt Reinfeld vor den Toren Hamburgs war er der Sohn eines Pastors, mütterlicherseits verwandt mit dem Literaten Theodor Storm und dem Komponisten Johannes Brahms.

Claudius beschäftigte sich neben seinen Studien der Juristerei mit Poesie und Schriftstellerei und publizierte bereits 1763 „Tändelyen und Erzählungen“. Das Buch wurde jedoch von den Kritikern zerrissen, blieben doch stilistische Nachahmungen bereits vorhandener Gedichte von anderen Poeten nicht unerkannt. Immerhin gab es ein Jahr später allerdings eine zweite Auflage davon. Vor diesem Büchlein hatte er seine allererste Schrift veröffentlicht: Die Trauerrede für seinen verstorbenen Bruder, die er mit 20 Jahren hielt.

Zunächst tätig als Sekretär eines Grafen in Holstein kam er immer wieder in Berührung mit deutschen Dichtern, die ihn in seinem Wunsch zum Verfassen eigener Werke bestärkten. Beruflich folgte er diesem Wunsch dann als Redakteur für die Hamburgischen-Adreß-Comtoir-Nachrichten in Hamburg. Seine Aufgabe bestand dort allerdings in dem eher weniger poetischen Verfassen von Börsenberichten und Meldungen über ankommende Schiffe.

Symbole des Wandsbecker Bothen auf Briefmarke

Symbole des Wandsbecker Bothen auf Briefmarke.

Das änderte sich dann aber 1771 mit dem Beginn seiner Tätigkeit als einziger Redakteur bei der Tageszeitung „Der Wandsbecker Bothe“, die viermal pro Woche erschien. Wandsbeck war damals noch nicht von Hamburg einverleibt (und wurde noch mit „ck“ geschrieben). Das Blatt bestand aus vier Seiten, wovon die ersten drei politische Belange aufgriffen und die letzte Seite gänzlich zur freien Verfügung für Claudius stand. Wie damals üblich publizierte Claudius alle Bericht entweder anonym oder unter seinem Pseudonym „Bothe“. Auf der letzten Seite platzierte er als Ich-erzählender „Bothe“ seine Gedichte oder fiktive Briefwechsel seines „Bothen“ namens Asmus und seinen Vettern. Auch ließ der „Bothe“ andere Dichter seiner Zeit ihre Lyrik auf der sogenannten „gelehrten Seite“ publizieren.

Nicht zuletzt durch diese letzte Seite wurde die Zeitung in ganz Deutschland bekannt, musste aber wegen finanziellem Misserfolg 1775 wieder eingestellt werden. Die Auflage des Blattes war mit 400 nur sehr gering. Das lag unter anderem auch an der Vorzensur, die damals herrschte, und die damit dem politischen Hauptteil des Blattes eine gewisse Seriosität und Brisanz nahm

Der „Bothe“ war im Laufe der Zeit allerdings so bekannt geworden, dass Claudius nach Einstellung der Tageszeitung eine Sammlung seiner Beiträge unter dem Namen „Asmus omnia sua secum portans“ oder „Sämmtliche Werke des Wandsbecker Bothen“ herausgab. Zwar veröffentlichte Claudius diesen Band unter seinem richtigen Namen, da aber alle Welt hinter dem „Bothen“ keinen Claudius kannte, veröffentliche Claudius weitere Bände immer auch unter seinem bekannten Pseudonym.


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Verfasst von: Boris M. Hillmann

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