„Bravo Max! Bravo Max!“

Max Schmeling auf Briefmarke 2005Heute vor 10 Jahren starb der größte deutsche Boxer: Max Schmeling. Schmeling hatte 1930 in den Vereinigten Staaten den Weltmeistertitel im Schwergewicht als einziger Sportler in der bisherigen Boxgeschichte durch Disqualifikation seines Gegners Jack Sharkey erhalten. Der amerikanische Rivale um den vakanten Titel setzte Schmeling durch einen verbotenen Tiefschlag außer Gefecht. Zwei Jahre später gab es eine Revanche und Schmeling verlor nach Punkten den Titel wieder.

Joe Louis auf Briefmarke 1964Sein berühmtester Kampf ging allerdings nicht um einen Weltmeisterschaftstitel. Am 19. Juni 1936 kämpfte er in New York gegen Joe Louis, genannt der „Braune Bomber“, der damals als unbesiegbar galt, aber noch nicht Weltmeister war. Durch Filmanalysen von Kämpfen seines Gegners fand Schmeling bei Louis jedoch eine Schwachstelle: Er ließ seine Linke, nachdem er mit ihr geschlagen hatte, zu tief sinken und bot so die linke Gesichtshälfte, insbesondere die Schläfe ungedeckt an.

Auch dieser Kampf fand in den Vereinigten Staaten statt und so kam es, dass das Boxsportbegeisterte deutsche Publikum gegen drei Uhr morgens vom Wecker-Gerassel aufgewacht, sich vor das Radio setzte und der ebenfalls berühmt gewordenen Rundfunkübertragungen mit dem deutschen Sprecher Arno Hellmis lauschte, die im historischen Kontext als Beispiel für die politische Instrumentalisierung des Sports und der Medien gilt.

Hellmis war auch für das NS-Zentralorgan „Völkischer Beobachter“ journalistisch tätig und galt selbst auch als strammer Gefolgsmann der Nazi-Ideologie. Während der Live-Übertragung des Kampfes wurde Schmeling zu „Max“ und Louis zu „der Neger“ – Rassismus in reinster Form. Mit „Bravo-Max! Bravo Max!“-Rufen wurden die Attacken des deutschen Boxers, der unter dem Kampfnamen „Der schwarze Ulan vom Rhein“ antratt, frenetisch vom Sprecher gefeiert.

Max Schmeling auf Briefmarke 1964Im Kampf überraschte Schmeling die Boxwelt dann mit frühen und harten Treffern durch seine Rechte und schickte Louis in der 12. Runde schließlich KO auf die Bretter. Das Ende des Kampfes und der Reportage sind Legende: „Max fightet jetzt, wie er noch nie gefightet hat. Kämpft buchstäblich bis zum Umfallen. Schlägt dem Neger zur Zeit die Seele aus dem Leibe. Der Neger geht zurück. Wackelt. Kann nicht mehr. Da geht… Ooh… Er ist angeknockt. Schmeling hat ihn zu Boden geschlagen. Er kommt nicht mehr hoch. Er kann nicht mehr hoch. Er schüttelt den Kopf. Er weiß, es geht nicht mehr. Aus-aus-aus-aus-aus-aus.“

Ebenfalls zwei Jahre später, Louis war bereits Weltmeister geworden, wollte der „Neger“ nochmal gegen den einzigen Mann kämpfen, der ihn bis dato je besiegt hatte. Diesmal war Louis jedoch besser vorbereitet. Schmeling ging bereits in der ersten Runde KO zu Boden.

Die beiden Boxer blieben allerdings trotz der politischen Propaganda und ihrer sportlichen Rivalität zeitlebens freundschaftlich verbunden. Schmeling war es dann auch, der dem später veramten Louis finanziell unter die Arme griff und auch einen Teil der Bestattungskosten für seinen ehemaligen Boxgegner aus Übersee übernahm. Dazu lässt sich wirklich sagen: Bravo, Max! Bravo!


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Verfasst von: Boris M. Hillmann

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