„Ganja“ war sein Sakrament

Bob Marley auf Briefmarke aus Jamaika 1995Erfunden hat er ihn nicht alleine. Und der einzige wichtige Reggae-Musiker ist er natürlich auch nicht. Jimmy Cliff, Toots and The Maytals, Burning Spear und noch diverse andere würden Fans des relaxten Sounds aus Jamaika wohl nennen. Doch große und berühmte Songs wie „One love“, „No woman no cry“, „I shot the sheriff“, „Get up stand up“ oder „Could you be loved“ stammen aus seiner Feder und von der langjährigen Band des legendären Sängers und Gitarristen, den „Wailers“. Der im jamaikanischen Dorf Nine Mile geborene Bob Marley, einer der auch kommerziell erfolgreichsten Recording Artists aller Zeiten, machte seinen Musikstil weltweit bekannt und gilt weithin als Personifikation des Reggae. Er wäre heute 70 Jahre alt geworden. Die langen Rastalocken, die Marley trug, sind – obwohl zu einem globalen modischen Accessoire geworden – dabei nicht so wichtig. Oder seine oft übernommene Art zu tanzen und sich zu bewegen, die auch etwas von einem Prediger oder Propheten hatte. Es sind zunächst einmal der entspannte Groove, die klaren Harmonien, die sanften und gleichzeitig leidenschaftlichen Melodien, die von einer besonderen Stimme gesungen werden. Einer von jenen, die klingen, als ob sie ewig gelebt hätten und davon erzählten. Die von Liebe, Leid, Mühsal, Hoffnung, Kraft und Glauben künden. Eine, wie die des Country-Heroen Johnny Cash oder einer der alten Blues-Legenden. Eine, wie wenige.

Robert Nesta Marley wuchs als unprivilegiertes Kind einer Jamaikanerin und eines britischen Soldaten in einer rauen Gegend der Stadt Kingston namens Trench Town auf. Seit den frühen 60er-Jahren musikalisch aktiv, gelang ihm und den Wailers – mit Gitarrist Peter Tosh und Schlagzeuger und Percussionist „Bunny“ Wailer – Anfang des folgenden Jahrzehnts der Durchbruch.

Bob Marley auf Briefmarke aus der MongoleiAlle haben sie in diesen Jahren und seither seine Reggae-Songs geliebt: die Rolling Stones, Eric Clapton – der „I shot the sheriff“ und ein Stück weit noch einmal den ganzen Marley-Sound mit einer Coverversion populär machte – oder die Punk-Revolutionäre „The Clash“ tanzten und feierten zu Marleys Musik. Und sie ließen sie unüberhörbar – und erklärtermaßen – in ihre eigenen Werke einfließen.
Der ursprünglich katholisch erzogene Marley war gläubig. Der äthiopische König Haile Selassie, Messias der Neuen Religiösen Bewegung der Rastafari auf Jamaika, war auch der seine. Und das Kraut „Ganja“ war auch sein Sakrament. Wenn man die Backstageräume der Wailers betrat, so heißt es, konnte man kaum die eigene Hand vor Augen sehen, so dicht war der Cannabis-Rauch. Marley sprach dann zu Gästen in derart schwerem jamaikanischen Slang, dass mancher nur ehrfüchtig lauschen konnte. Aber wer dann mit ihm und seiner Band auf der Bühne jammen durfte, spielte sich in Trance. Friedfertig war das, mantraartig, aber voller Energie.
Denn Marleys Stücke lullen nicht bloß ein: Sie sind voller Widerstand, handeln entschieden von der irgendwann kommenden Erlösung – auch im melancholischen „Redemption Song“ – und sind politisch: Marley singt vom und fordert das Ende der Sklaverei, der Kriminalisierung und Ausgrenzung von Brothers und Sisters auf Jamaika und anderswo.Bob Marley auf Briefmarke aus Jamaika von 1981

Der krebskranke Marley – 1976 hatte der in seiner jamaikanischen Heimat friedenspolitisch engagierte Musiker noch ein Attentat überlebt – starb mit nur 36 Jahren. Den in Todesahnung angetretenen Rückflug in seine Heimat überstand er nicht mehr. Er wurde nahe seines Geburtsortes beigesetzt.
Nicht nur sein Sohn Ziggy führte die Tradition fort: Unzählige Musiker, immer nachwachsende junge Leute auf der ganzen Welt haben den Geist seiner Musik eingeatmet, Marleys Songs lieben gelernt und gespielt. Und sie haben ein Publikum gefunden, das einen Song, ein Konzert lang ausgelassene Harmonie, aber auch positive Umwandlung von Schmerz und Zorn zelebrieren kann. Mit einfachen und doch so tiefgründigen Mitteln, diesem präzise auf den Punkt gesetzten Reggae-Beat und den sehnsüchtigen Wendungen, die zusammen verheißen: „One love“! Jetzt… irgendwann.


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Verfasst von: Marius Prill

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