Neue Musik für das 20. Jahrhundert

Gustav Mahler auf Briefmarke aus Israel von 1996

1996 erschien Gustav Mahler in Israel auf einer Briefmarke zum Thema „Jüdische Musiker“. Im Hintergrund das „Urlicht“ von Gustav Doré.

Der Komponist und Dirigent Gustav Mahler gilt als einer der wegweisenden Künstler der musikalischen „Moderne“. Seine Sinfonien und Lieder – die beiden Formen verband Mahler innovativ miteinander im Orchesterlied – entstanden am Beginn des Übergangs von klassischer, traditioneller Komposition zur „Neuen Musik“. Diese verwendet, z.B. beim Mahler-Bewunderer Arnold Schönberg, dann auch „Atonalität“ und „Zwölftontechnik“. Es war die resolute und mutige Bereitschaft des „Spätromantikers“ Mahler, alles in den Dienst der Expressivität und Emotionalität zu stellen, die den Weg zu derartigen, noch einmal anderen Ausdrucksmöglichkeiten eröffnete. Dabei integrierte er zum Beispiel unkonventionelle Instrumente oder griff auf volksmusikalische Elemente und opulente Orchestrierungen zurück. Der große „Mahler-Boom“ setzte allerdings erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein, lange nachdem der Musiker verstorben war. Besonderen Anteil daran, dass sein Oeuvre eine posthume Bekanntheit und Verbreitung erst wieder erlangen musste, hatte die Diskreditierung des Komponisten mit jüdischen Wurzeln während der Zeit des Nationalsozialismus.

Gustav Mahler auf Briefmarke aus ÖsterreichAls Dirigent gerade für Opern machte der Avantgardist allerdings zu Lebzeiten eine zweifellos steile Karriere. Drei Jahre vor dem Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich der zu diesem Zeitpunkt 37-jährige Mahler schließlich kurz vor einem weiteren und noch einmal gewaltigen Schritt nach vorne. Er, der zuletzt als Kapellmeister am Hamburger Theater Erfolge erzielt und sich an anderen Häusern und in verschiedenen Ländern bereits einen internationalen Ruf als hervorragender Dirigent und Orchesterleiter erarbeitet hatte, sollte Direktor der Wiener Hofoper werden. Doch stand dem hochrangigen Engagement in der österreichischen Hauptstadt, wo Mahler am Konservatorium auch seine musikalische Ausbildung genossen hatte, eine unheilvolle Tatsache entgegen. Die nämlich, dass sich Juden in der zeitgenössischen Gesellschaft antisemitischen Vorurteilen gegenüber sahen und in vielerlei Hinsicht diskriminiert wurden. Und an der Wiener Oper war es unwahrscheinlich, dass einem jüdischen Dirigenten die Leitung übergeben würde.

Gustav Mahler auf Briefmarke aus MonacoSchließlich konvertierte Mahler, der zeitlebens zwischen existenziellem Zweifel und einer dauerhaften Beschäftigung mit Tod und Vergänglichkeit einerseits sowie spiritueller Erlösungsahnung andererseits hin-und hergerissen war, vom Judentum zum Katholizismus. Vermochte er diesbezüglich doch seine Aussichten auch anderswo einzuschätzen. Er wurde engagiert. Aber die agressiven Ressentiments blieben bestehen. Und dies, obwohl die „Ära Mahler“ mit ihrer inspirierten und entschlossenen, verstärkten Zusammenführung von Musik, Schauspiel und Bühnenbild zu einem einheitlichen Gesamtkunstwerk in die Operngeschichte einging.

Gustav Mahler auf Briefmarke der Tschechischen RepublikDer Intendant verließ Wien nach zehn Jahren. Zum einen um den gehässigen Anfeindungen, zum anderen den fortwährenden Auseinandersetzungen im Zuge seiner wenig Kompromisse zulassenden, den Orchestermusikern gegenüber streng und unerbittlich, ja cholerisch umgesetzten künstlerischen Ambitionen zu entgehen. Auch ging er – wenngleich die Arbeit als Dirigent seine Kenntnis des Orchesters als Medium der eigenen Musik immer weiter schulte – in der Hoffnung, durch die nervliche Entlastung mehr Gelegenheit zur Arbeit an eigenen Kompositonen zu haben. Der schreibende Musiker Mahler suchte schließlich generell und systematisch die Ruhe und räumliche Separation und komponierte vor allem im Urlaub. Dann wanderte er, gleichzeitig künstlerische Anregung wie seelische Beruhigung suchend, in den Bergen und zog sich in seine sogenannten „Komponierhäuschen“ zurück.

Gustav Mahler auf Briefmarke aus UngarnEs ergab sich jedoch anders. Waren die folgenden Jahre doch stattdessen von heftigem Unglück geprägt. Plötzlich kam vor allem der Tod von Mahlers Tochter Maria, die der Diphterie erlag. Außerdem hatte seine an den Künsten interessierte junge Ehefrau Alma eine Affäre mit dem wegweisenden Architekten und „Bauhaus“-Begründer Walter Gropius. Alma Mahler war eigentlich ebenfalls Komponistin, stellte ihre Aktivitäten jedoch dem Seelenfrieden ihres Mannes zuliebe und zuungunsten des eigenen Wohlbefindens ein. Später heiratete sie Gropius und danach außerdem noch den Dichter Franz Werfel. Der drohende Verlust seiner verehrten Gattin und die Ahnung der eigenen Mitschuld daran rieben Mahler derart auf, dass er Sigmund Freud persönlich an dessen aktuellem, holländischen Ferienort Leyden für eine kurzfristige psychoanalytische Behandlung aufsuchte. Schließlich diagnostizierte man bei dem Musiker noch ein Herzleiden, das ihn zu einer weitgehenden Einschränkung gerade seiner geliebten körperlichen Betätigungen in der Natur zwang.

Gustav Mahler auf Briefmarke des VatikansUnd obwohl Alma letztlich doch bei ihm blieb, erschütterten und zehrten ihn die Ereignisse dieser letzten Jahre seines Lebens stark aus. Dies lässt sich auch in Mahlers späten Arbeiten, dem sinfonischen „Lied von der Erde“ zum Beispiel, hören. Melancholisch bis sinister erscheinen freilich auch frühere Werke, was etwa bei den „Kindertotenliedern“ bereits durch den alarmierenden Titel angezeigt wird. Jetzt jedoch verbrauchten sich Mahlers Kräfte und Zeit schnell, entglitt und verabschiedete sich der sinnierende Künstler von der Welt. Seine Zehnte Sinfonie blieb unvollendet. Mahler starb am 18. Mai 1911 in Wien, knapp einen Monat vor seinem Geburtstag am 7. Juli. Nach der Verschlechterung seines Gesundheitszustands war er aus New York, wo er unter anderem an der Metropolitan Opera im Zuge eines lukrativen Angebotes wieder dirigiert hatte, an diesen seinen Ort des künstlerischen Triumphs und verhärteten, institutionellen Widerstands, des aufbrauchenden Wirkens und Lebens zurückgekehrt. Auf Briefmarken ist Gustav Mahler bisher in 11 Ländern gewürdigt worden.


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