Der Schriftsteller und der Völkermord

Der Schriftsteller und der Völkermord

Franz-Werfel-Briefmarke-1990„„Wer spricht denn heute noch von der Vernichtung der Armenier“? So schwadronierte Adolf Hitler am Vorabend des Zweiten Weltkrieges auf dem Obersalzberg. Nun, zumindest einen hatte es schon damals gegeben: Der österreichische Schriftsteller Franz Werfel hatte nicht nur darüber gesprochen, sondern im November 1933 seinen Roman „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ veröffentlicht, um, wie er im Vorwort schrieb, „das unfaßbare Schicksal des armenischen Volkes dem Totenreich alles Geschehenen zu entreißen.“ Franz Werfel wurde heute vor 125 Jahren, am 10. September 1890, als Sohn einer wohlhabenden jüdischen Familie in Prag geboren. Noch vor dem Abitur schreibt er erste Gedichte und schließt eine lebenslange Freundschaft mit Max Brod und über diesen auch mit Franz Kafka.

Mit 18 wird Werfels erstes Gedicht veröffentlicht, er trägt nun auch bald vor größerem Publikum vor „Vorigen Samstag rezitierte Werfel im Arco die Liebeslieder und das Opfer. Ein Ungeheuer!“, so Kafka in seinem Tagebuch. Ab 1912 arbeitet Werfel als Lektor in Leipzig, wo er Rainer Maria Rilke kennen lernt und mit Karl Kraus Freundschaft schließt, im Ersten Weltkrieg dient er zunächst an der Front in Galizien, dann in Wien beim Kriegspressequartier, wo er Alma Mahler-Gropius begegnet, mit der er auch schon bald eine Liaison beginnt. Alma, eine sprichwörtliche „Femme Fatale“, der schon Gustav Klimt verfallen war, war zunächst mit dem Komponisten Gustav Mahler verheiratet, heiratete dann aber, während sie zugleich eine Affäre mit dem Maler Oskar Kokoschka hatte, den Bauhaus-Gründer Martin Gropius, bevor sie schließlich im Jahr 1929 die Ehefrau Franz Werfels wurde (Alle diese verlinkten Persönlichkeiten finden Sie übrigens mit den dazugehörigen Briefmarken in unserem Archiv).



Alma war es auch, mit der Werfel in den Nahen Osten reiste, wo er auf das Schicksal der Armenier aufmerksam wurde und zu seinem Roman inspiriert wurde. Und Almas Ehrgeiz war es möglicherweise auch, der ihn zum – sehr erfolgreichen – Romanautor machte, ließ sich damit doch mehr Geld verdienen als mit Gedichten. Schon sein Roman über Guiseppe Verdi war ein großer Erfolg gewesen, und auch als Dramatiker war er in aller Munde und wurde etwa von Max Reinhardt inszeniert. Unglücklicherweise war Alma nicht nur Antisemitin, sondern auch in politischen Dingen der totale Gegensatz Werfels und die Beziehung von – gelinge gesagt – etlichen Spannungen geprägt: „Ich liebe ihn nicht mehr. Mein Leben hängt innerlich nicht mehr mit dem seinen zusammen. Er ist wieder zusammengeschrumpft zu dem kleinen, hässlichen, verfetteten Juden des ersten Eindrucks“ notierte sie etwa bereits im Jahr 1924 in ihrem Tagebuch.

Franz-Werfel-Briefmarke-1995Trotzdem begleitete sie Werfel, dessen Bücher im Dritten Reich natürlich sofort verboten und verbrannt wurden, nach dem „Anschluss“ Österreichs ins Exil in die Vereinigten Staaten. Auf der abenteuerlichen Flucht über Frankreich und Spanien gelobt Werfel, dass er bei Gelingen der Flucht dem französischen Wallfahrtsort Lourdes ein literarisches Denkmal setzen würde. Er hält sein Versprechen und „Das Lied von Bernadette“ erscheint 1941 im amerikanischen Exil und wird ein Bestseller und sogar verfilmt, was ihm ein relativ komfortables Leben in Hollywood ermöglicht. Zu seinen letzten Werken gehören das ebenfalls verfilmte Drama „Jakubowsky und der Oberst“ und der utopische Romane „Stern der Ungeborenen“. Am 26. August 1945 stirbt Franz Werfel 1945 mit 55 Jahren in Beverly Hills. „Wir waren eine Nation, aber erst Franz Werfel hat uns eine Seele gegeben““, soll ein armenischer Priester in den USA einst gepredigt haben. Im Jahr 2006 bekam der Schriftsteller posthum die armenische Staatsbürgerschaft verliehen.


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Verfasst von: Udo Angerstein

2 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Silvina Guhl at 15:00

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    Eine Frage: Wie kann man eigentlich die Briefmarken unterscheiden? Weder Jahrgang, noch Wert (DM oder €) sind auf der Marke zu erkennen?! Ich habe jetzt einen Brief vom Dezember 2016 zurückbekommen wegen „Unzustellbarkeit“ . Adresse und alles stimmte!!!
    Und das jetzt Mitte März! Ich will hier jetzt nicht erklären, was ich dadurch persönlich für Ärger hatte. Ich hatte die Briefmarke „Franz Würfel 100“ von einer Freundin bekommen und diese arglos auf einen wichtigen Brief geklebt…..
    Wie kann ich also in Zukunft das erkennen? Oder wollen Sie verhindern, das noch Post analog befördert wird.
    Mir freundlichem Gruß
    S. Guhl 16.03.2017

    • Udo Angerstein Author at 12:17

      Sehr geehrte Frau Guhl,

      am unteren Rand der Marke erkennen Sie das Ausgabejahr, „1995“, eine Zeit also, zu der wir noch keinen Euro hatten. 2001 wurde der Euro eingeführt, Briefmarken nur in Mark-Währung waren dann nur noch bis zum 30. Juni 2002 frankaturgültig. Dass man bei der Ziffer „100“ oder „110“ nicht weiß, ob es sich um Euro oder Mark handelt, ist ärgerlich, im Zweifel hilft ein Blick auf das Erscheinungsjahr der Marke – so es denn erkennbar ist. Mit Ihrem Problem sollten Sie sich aber besser an die Deutsche Post wenden, wir sind eine Zeitschrift für Briefmarkensammler. Mit freundlichen Grüßen, die Redaktion

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