Eher mild als bissig: Carl Spitzweg

Eher mild als bissig: Carl Spitzweg

Carl-Spitzweg-Briefmarke-2008Der bayerische Maler Carl Spitzweg, dessen Todestag sich am 23. September zum 130. Mal jährt, steuerte eigentlich zunächst auf eine Karriere als Apotheker zu. Zuerst ging er dafür in die Lehre, und danach folgte ein Pharmaziestudium in München. Dafür, dass der seit langem begeistert zeichnende Autodidakt doch den Weg in ein Leben als Künstler beschritt, waren Anfang der 1830er-Jahre speziell zwei Dinge ausschlaggebend: Zum Einen der Zuspruch eines bereits vorangegangenen Kollegen, des Malers Christian Heinrich Hansonn. Zum Anderen spielte der Umstand eine Rolle, dass Spitzwegs relativ wohlhabender Vater, der seinen Sohn als Apotheker hatte sehen wollen, zu diesem Zeitpunkt bereits seit ein paar Jahren verstorben war. Ein frühes Werk, das Ölgemälde „Der arme Poet“ von 1839 (MiNr. 2647), ist Spitzwegs bekanntestes. Es zeigt einen auf einer kärglichen Matratze liegenden Dichter inmitten seines nicht minder armseligen Zimmers. Der mittellose Poet hält einen geöffneten Regenschirm über seinen zipfelbemützten Kopf, um sich der Wassertropfen zu erwehren, die durch die undichte Raumdecke fallen.

Ähnlich erscheinen zum Beispiel die hinsichtlich ihres Inhalts ebenfalls unmittelbar aufschlussreich betitelten Bilder „Disputierende Mönche“ oder „Der Bücherwurm“, insofern auch diese Vertreter bestimmter beruflicher und gesellschaftlicher Gruppen in ihrem Habitat zeigen. Dies war die eine der beiden Arten von Gemälden, denen sich der Maler Spitzweg hauptsächlich widmete. Es handelt sich dabei um humorvolle Betrachtungen und karikierende Beleuchtungen verschiedener Bereiche und Individuen der deutschen Biedermeier-Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Oft scheinen dabei der allgemein menschliche Charakter und auch die exzentrische persönliche Dimension der von Spitzweg ausgewählten Figuren durch, die in der üblichen Wahrnehmung und Diskussion seiner zur privaten Idylle strebenden gesellschaftlichen Gegenwart wenig thematisiert oder gar verdeckt wurden.

Neben jener eher milde registrierenden als bissig kritisierenden Fokussierung des komischen Alltäglichen war die Landschaftsmalerei Spitzwegs zweite künstlerische Hauptbeschäftigung. Für die Motivsuche wanderte der Künstler viel, und zudem reiste er immer wieder in verschiedene Regionen Europas. Auch in seinen Darstellungen natürlicher sowie städtischer Ansichten und Szenerien trägt Spitzwegs Kunst keine realistische oder gar problematisierende Handschrift. Vielmehr neigt sie dazu, zu romantisieren.

Carl-Spitzweg-Briefmarke-1985Der Münchener war zwar ein aufmerksamer und wacher, interessierter und neugieriger Beobachter unterschiedlicher Facetten seiner Umwelt. Doch gegenüber dem technischen Fortschritt, sozialen und politischen Misständen, Entwicklungen und Unruhen sowie den militärischen Auseinandersetzungen seiner keineswegs unbewegten Gegenwart stellen Spitzwegs bildliche Schilderungen eher ein vergleichsweise ruhevolles bis gemütliches Gegengewicht dar. Der Künstler Spitzweg geht mit seinen Werken auf Distanz zur Außenwelt, die gerade dadurch wenig gewaltig und monströs, sondern vielmehr aufgeregt und auf harmlose Weise lächerlich erscheint. Statt etwa einer Darstellung von Schlachten oder tragischen Begebenheiten des Lebens finden sich in seinem Oeuvre eher ein „Eingeschlafener Nachtwächter“, ein „Strickender Vorposten“ oder ein seinem botanischen Hobby frönender „Kaktusfreund“.

Anders als die reimende Gestalt aus seinem berühmten Gemälde, war Spitzweg selbst kein am Existenzminimum lebender, verarmter Künstler. Er verfügte stattdessen durchaus über einen gewissen Geschäftssinn, brachte er seine stets recht kleinformatigen Arbeiten doch in deutschen Landen und sogar in Übersee zahlreich an den Mann. Doch der in stillen, eigenen Bahnen wandelnde und arbeitende, zeitlebens unverheiratete Maler fand nicht nur bei den Käufern seiner Werke Anerkennung: Beinahe 20 Jahre bevor er im Alter von 77 Jahren einem Schlaganfall erlag, wurde Carl Spitzweg auch in die „Münchener Akademie der Bildenden Künste“ aufgenommen.


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Verfasst von: Marius Prill

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