Der Kobold mit dem roten Haar

Der Kobold mit dem roten Haar

„Hurraaa, hurraaa! Der Pumuckl ist wieder da!“ So klingt bzw. kräht es seit nunmehr dreieinhalb Jahrzehnten aus dem Fernseher. Zuvor war der Besungene, ein drolliger Kobold, der sich bei Bedarf unsichtbar machen kann, um für die Menschen unentdeckt zu bleiben, bereits seit 1962 im Bayerischen Rundfunk zu hören. Und auch in Buchform gab es Geschichten vom Pumuckl, dessen Name eine Abwandlung von „Nepomuk“ ist, schon drei Jahre später. Die Erfinderin der lustigen Figur mit der grünen Hose, dem gelben Hemd und den auch im bayerischen Winter unbeschuhten Füßen war die Schriftstellerin, studierte Bildhauerin und gelernte Schauspielerin Ellis Kaut. Heute hätte sie ihren 95. Geburtstag gefeiert.
Die Geschichte vom „Meister Eder und seinem Pumuckl“ beginnt damit, dass sich der abenteuerlustige Kobold mit dem hysterischen Organ eines Tages in der Werkstatt des Schreinermeisters Eder wiederfindet – festgeklebt an einem Behälter mit Leim! Und da ihn der Meister Eder deswegen sieht und befreit, muss der Pumuckl, so sagt es das Klabautermanngesetz, bei ihm bleiben. Allerdings findet er im gar nicht so bärbeißigen Urmünchener Franz Eder auch einen liebevollen Freund, der ihm immer wieder mal etwas Schönes und Praktisches schreinert: ein gemütliches Bett und eine Schaukel zum Beispiel. Und nachdem er zunächst seinen Augen kaum glauben kann, schließt auch der Meister Eder den Pumuckl schnell in sein Herz. Denn mit dem anarchischen Gefährten kommt ein fröhlicher täglicher Gesprächsparter und nicht zuletzt viel Leben in die Werkstatt.
Zusammen erleben die beiden eine Menge Geschichten. Dass dabei etwas Unvorhergesehenes passiert, geht meistens auf das Konto des kleinen Klabautermanns, wenngleich der Anlass zu seinen Streichen oft im eitlen, ärgerlichen Gebaren der Menschen liegt. Nicht nur die Lust am spontanen Reimen, sondern auch eine gewisse Tendenz zum Chaos liegt dennoch einfach zweifellos in der Natur des Pumuckls. Fühlt er sich doch eigentlich erst dann wohl, wenn Nägel und Hämmer, Schrauben und Zangen wild in der Werkstatt Eders verstreut sind, statt langweilig und ordentlich in den Schubladen zu lagern. Und der Meister Eder hat am Ende – obwohl er immer wieder in Erklärungsnöte gerät, weil Gegenstände ohne menschliche, aber natürlich durch klabautermännische Einwirkung ihren Ort wechseln oder verschwinden – dafür Verständnis.
Gespielt wurde Meister Eder wunderbar gemütlich und freundlich von Gustl Bayrhammer. Und die Stimme des Pumuckls sprach Hans Clarin genial. Auch die beiden Schauspieler, die großen Anteil an der überaus lebendigen Umsetzung des Kautschen Stoffes schon für das Radio und auch das Kino hatten – in den Jahren 1982 und 1994 erschienen zwei langformatige Pumuckl-Streifen – leben nicht mehr.
Pumuckl, für den im bayerischen Ohlstadt sogar ein eigenes Museums eröffnet wurde, ist Ellis Kauts berühmteste Schöpfung. Die einzige ist er nicht: Ihm vorangegangen waren bereits die ebenfalls im Hörspielformat und beim Bayerischen Rundfunk, wo Kaut zeitweise als Sprecherin arbeitete, gesendeten „Geschichten vom Kater Musch“. Auch der beliebte, von der „Augsburger Puppenkiste“ filmisch umgesetzte „Schlupp vom grünen Stern“ stammt von ihr. Und neben ihren drei kreativen Hauptbetätigungsfeldern rief die Autorin noch eine „Stiftung zur Förderung des Lesens und der Kinderliteratur“ ins Leben.
Am 24. September diesen Jahres ist Ellis Kaut gestorben. Ihr „Kobold mit dem roten Haar“, so singt und krakeelt Clarin vor lauter Freude herrlich aufgekratzt im Titelsong der Fernsehserie, wird weiter Vergnügen bereiten. Vielen Kindern und vielleicht auch manchem Erwachsenen.


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Verfasst von: Marius Prill

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