Das Gesicht der jungen Bundesrepublik

Das Gesicht der jungen Bundesrepublik

Er war der erste Bundeskanzler der 1949 entstandenen Bundesrepublik Deutschland. Und er blieb es nach seiner erstmaligen Wahl am 15. September des Gründungsjahres drei weitere Amtszeiten lang, bis zu seinem Rücktritt im Jahr 1963. Wie kein anderer Politiker ist Konrad Adenauer das Gesicht jener Phase in der deutschen Geschichte. Der Jurist und langjährige, zur Zentrumspartei gehörende Oberbürgermeister seiner Heimatstadt Köln, der von den Nationalsozialisten aus dem Amt gezwungen und mehrfach verhaftet wurde, war eine der prägenden Figuren der frühen bundesrepublikanischen Jahre. Nach der Befreiung vom nationalsozialistischen Regime durch die alliierten Gegner des diktatorischen Deutschen Reichs wurde in ihnen der Weg zur Demokratie, in eine freiheitliche Gesellschaft und zum wirtschaftlichen Wiederaufbau begangen. Konrad Adenauer, der Kanzler dieser Zeit an der Mitte des 20. Jahrhunderts, wurde bereits vor 140 Jahren, am fünften Januar 1876, geboren.

Die zweite Briefmarke zum ersten Todestag von Konrad AdenauerZwei bedeutende Ereignisse stechen aus der Regierungszeit des CDU-Politikers mit der rheinisch gefärbten Sprache, der zeitweise parallel zum Posten des Bundeskanzlers auch den des Bundesaußenministers bekleidete und auf dem ersten Bundesparteitag seiner Partei im Herbst 1950 zu deren ersten Vorsitzenden gewählt wurde, besonders hervor: Zum einen entwickelte sich die Spaltung Deutschlands in die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik, und zum anderen kam es zur sogenannten „Heimkehr der Zehntausend“. Beim Zustandekommen der letzteren spielten zwar mehrere politische Umstände eine Rolle. Doch es war vor allem Adenauer mit seinen diplomatischen Bemühungen vor Ort in der Sowjetunion, dem damals die symbolträchtige Rückkehr der letzten, knapp 10 000 deutschen Kriegsgefangenen aus den sowjetischen Lagern und Gefängnissen in den Jahren 1954 und 1955 zugeschrieben wurde. Mit der Ankunft der letzten „Heimkehrer“, so behandelte die deutsche Öffentlichkeit der damaligen Zeit die Geschehnisse, schien der Krieg nun endlich und endgültig Vergangenheit zu sein.

Briefmarke zum 100. Geburtstag von Konrad Adenauer Eine umfassende Aufarbeitung des Nationalsozialismus und der Gräueltaten des Deutschen Reichs war in der jungen Bundesrepublik bis dahin jedoch nicht erfolgt. Und sie sollte tatsächlich erst ein Jahrzehnt später vollzogen werden. In den 1950er-Jahren und in der Politik Adenauers herrschten noch andere Themen vor: Berühmt sind die Bilder, auf denen weinende Frauen, die über zehn Jahre lang auf ein Wiedersehen mit ihren Ehemännern und Söhnen gehofft hatten, dem Bundeskanzler Adenauer danken. Die deutsche Spaltung und der Bau der Berliner Mauer im Jahr 1961 waren hingegen keine umjubelten Vorgänge. Aus ihnen konnte der alte und wegen seines machtbewussten Stils als Parteivorsitzender auch innerparteilich in die Kritik geratene Adenauer keinen politischen Vorteil ziehen.

Briefmarke zum 25. Todestag von Konrad AdenauerTrotz der unterschiedlichen Rollen Adenauers zeigen beide historischen Ereignisse, wie stark seine Kanzlerschaft nicht nur durch erste Ansätze einer internationalen Neupositionierung des vormaligen Aggressors Deutschland gekennzeichnet, sondern auch in die Verfestigung der beiden Blöcke in Ost und West und den beginnenden Kalten Krieg mit den Großmächten der Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion eingebunden war. Der Bundeskanzler Adenauer verfolgte dabei die entschiedene Linie einer Angliederung der Bundesrepublik Deutschland an den Westen und einer festen Verbindung zu den USA. Adenauer war von 1904 bis zu deren Tod 1916 mit Emmy Weyer verheiratet. Die zweite, 1919 geschlossene Ehe mit Auguste Zinser dauerte 29 Jahre. Auch sie starb vor dem insgesamt achtmaligen Familienvater, dem nach seinem Tod am 19. April 1967 große Ehrungen sowie bis heute währende Anerkennung zuteil wurden.

Konrad Adenauer und Charles de Gaulle auf Briefmarke von 1988


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Verfasst von: Marius Prill

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