Der Mann mit der Säule: Ernst Litfaß

Der Mann mit der Säule: Ernst Litfaß

Den Namen seiner berühmtesten Hinterlassenschaft kennt immer noch jeder, über ihren Erfinder, der heute vor 200 Jahren das Licht der Welt erblickte,  weiß man weniger: Ernst Theodor Amandus Litfaß (1816–1874) war zwar Sohn eines Druckereibesitzers und machte auch zunächst eine Druckerlehre, wollte aber eigentlich Schauspieler werden: In Brandenburg spielte er dann auch eine Zeitlang als „Herr Flodoardo aus Berlin“ Theater und trieb sich als Bohemien herum, bevor er 1845 nach Berlin zurückkehrte und die Druckerei seines Stiefvaters (der Vater war acht Tage nach Ernsts Geburt gestorben) übernahm.

Von der Revolution des Jahres 1848 maßlos enttäuscht, gab er danach einige politische Streitschriften heraus, die aber allesamt schnell verboten wurden. Auf einer Reise nach Paris scheint er dann eine Anregung bekommen zu haben, jedenfalls wurde er danach beim Berliner Polizeipräsidenten mit einer neuen Idee vorstellig: Das wilde Plakatieren und sofortige Überkleben alter Plakate mit neueren Mitteilungen war der Obrigkeit ohnehin ein Dorn im Auge, sodass Litfaß mit seiner „Annonciersäule“ offene Türen einrannte. Ab dem Jahr 1855 wurden unter großen Brimborium die ersten 150 Anschlagsäulen aufgestellt: Am Tag der feierlichen Übergabe brachte ein Musikkorps zu seinen Ehren ein Ständchen, das der „Eigentümer der Anschlagsäulen von Berlin“ selbst arrangiert und bei einem ungarischen Komponisten in Auftrag gegeben hatte – die „Annoncir-Polka“.

Litfaß erhielt die Nutzungsrechte für diese Säulen über 15 Jahre und konnte sie für Werbung vermarkten. Dafür musste er dort allerdings auch die neuesten Nachrichten verbreiten. Litfaß machte sich darüber hinaus auch durch Wohltätigkeitsveranstaltungen für Kriegsopfer einen Namen und wurde schließlich vom König mit dem Titel „Geheimer Commissions-Rath“ ausgezeichnet. Im Alter von 58 Jahren starb Ernst Litfaß während einer Kur in Wiesbaden, in Deutschland stehen heute noch etwa 67 000 Säulen, die seinen Namen tragen.


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Verfasst von: Udo Angerstein

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