„Radikalistische Elemente“

„Radikalistische Elemente“

Eine Einzelfrankatur der Fünfjahrplan-Serie zu 5 Pfennig als Drucksache – da zögert man nicht zuzugreifen. Peter Leinemann, publizistisch in der Internationalen Motivgruppe Olympiaden und Sport (IMOS) aktiv, schaute in den Umschlag, als er ihn in einem Nachlass entdeckte. Das im Kuvert steckende Schreiben erinnert an ein Kapitel der deutschen Geschichte, das reich an menschlichen Tragödien war: die Flucht aus der DDR und Berlin (Ost).
Bis zum 13. August 1961 verließen Millionen Deutsche den sowjetisch beherrschten Teil Deutschlands. Sie stammten aus allen Schichten, wobei die Akademiker, gut ausgebildeten Angestellten und Facharbeiter stärker vertreten waren als Arbeiter und Ungelernte. Viele brachten kaum mehr, als sie am Körper tragen konnten, mit in das neue Leben im Westen. Ihr Hab und Gut mussten sie überwiegend zurücklassen. Materielles ließ sich indessen oftmals wiederbeschaffen, vielleicht weniger schnell, als es sich mancher Flüchtling erhofft hatte, doch konnten fast alle im Westen Fuß fassen. Die Unterstützung für die Flüchtlinge „aus der Zone“, wie man seinerzeit allgemein sagte, fiel großzügig aus.

Verloren – vielfach für immer – gingen die menschlichen Kontakte. Die Spitzel waren allgegenwärtig, weshalb es kaum jemand wagte, andere in seine Fluchtpläne einzuweihen. Nachbarn, Arbeitskollegen und Freunde waren einfach plötzlich weg, im freien Deutschland, mit dem selbst Brief- und Telefonkontakt nur unter den Bedingungen der Zensur möglich war. Mitunter aber rutschten Dokumente durch das Netz, das der Staatssicherheitsdienst über das Land gelegt hat. Zu ihnen gehört das Schreiben des Gynäkologen Dr. Ernst Beckmann und seiner Gemahlin Irmgard, die zum Jahreswechsel 1958/59 nach Berlin (West) gegangen waren. Eine Empfängerin wagte es, den Umschlag mitsamt dem Schreiben aufzubewahren. Der Inhalt war auch deswegen brisant, weil Beckmann zu jenen gehörte, die „an sich der Entwicklung zum Sozialismus aufgeschlossen gegenüber standen“, wie er in dem hektografierten Brief notierte. Das Schreiben eines „Republikflüchtlings“, so die DDR-Terminologie, zu besitzen, der positiv über die Idee des Sozialismus schrieb, war bis zum Ende der DDR riskant …

Den kompletten Beitrag über eine Drucksache, die deutsche Geschichte erzählt, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Deutschen Briefmarken-Zeitschrift. Die DBZ 5/2016  ist derzeit in Kiosken und Bahnhofsbuchhandlungen erhältlich. Abonnenten erhalten ihre DBZ immer einige Tage früher und sparen auch noch einen Euro.


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Verfasst von: Torsten Berndt

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