Der Aufmüpfige: Dario Fo

Der Aufmüpfige: Dario Fo

Er ist ein waschechter „Theatermann“: Als gleichzeitiger Dramatiker, Regisseur, Schauspieler und Bühnenbildner, dem Aufführungen und Performances noch wichtiger sind als Texte. Und als Satiriker, der die Bühne für humorvolle und dabei umso pointiertere Kritik an politischen und gesellschaftlichen Zuständen benutzt. Dario Fo ist ein sprachmächtiger und unermüdlich Aufmüpfiger. Einer, der auch im Angesicht von Macht und Zensur nicht schweigt und mit seinen Stücken an der Seite der Schwachen steht. Im Jahr 1997 erhielt der Italiener genau dafür, so verlautbarte das hochehrwürdige Stockholmer Komitee, den Literaturnobelpreis. Fos Reaktion: „Ich bin bestürzt!“


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Der Stachel im Fleisch

Dari Fo auf Briefmarke aus SambiaLustige bzw. aufhorchen lassende und auch grobe Titel haben seine Stücke: Zum Beispiel „Bezahlt wird nicht!“, „Erzengel spielen nicht am Flipper“ und „Offene Zweierbeziehung“. Oder „Zufälliger Tod eines Anarchisten“ und gar „Der Teufel mit den Titten“. Und die Arbeiten Fos, dem auch selbsterklärten „Narren“, sind auch wirklich voller Humor. Ja, sie knüpfen gerne und bereitwillig an alte italienische Traditionen des lustigen Theaters an. Doch geht es bei Fo ganz und gar nicht ausschließlich um nur harmlose Unterhaltung. Neben dem Witzigen stehen stets entschiedene Hinweise auf bittere Probleme und ernste Themen. Und die Hoffnung auf eine Besserung der Verhältnisse klingt ebenfalls meistens an. Dario Fo möchte stets beides: das Publikum zum Lachen bringen und es gleichzeitig zum Nachdenken anregen. Denn das Lachen und die Satire sind für ihn eigentlich die schärfsten und ewigen Stachel im Fleisch der Mächtigen.

Carlo Goldoni gezeichnet von Dario Fo auf Briefmarke von San Marino

Carlo Goldoni, gezeichnet von Dario Fo auf Briefmarke von San Marino.

Im Lauf seiner langen Autorenkarriere hat der Bühnenmensch Fo doch auch gar nicht so selten für das Radio und das Fernsehen geschrieben. Doch entpuppte sich dies letztlich immer wieder als viel zu restriktiv: Den führenden Köpfen der „Rai“ („Radiotelevisione Italiana“) waren die Themen von Fos Sendungen – unter anderem wagte er sich an die „Mafia“ – wiederholt zu brisant. Man ging im Streit auseinander, Ausstrahlungen wurden verhindert und Sperren vom großen Fernsehsender verhängt.
Endgültig zum Theater kam Fo nicht zuletzt wegen Franca Rame. Der bekannten italienischen Schauspielerin, die der Autor in den 1950er-Jahren als Student der bildenden Kunst und Architektur kennenlernte und mit der er bis zu deren Tod im Jahr 2013 verheiratet war. Rame hatte immer großen Einfluss auf Fos Arbeit. Das Ehepaar war auch künstlerisch ein Duo: Die politisch genauso Aktive und im Besonderen auch an Themen wie Emanzipation und Sexualmoral Interessierte schrieb an Stücken mit und setzte sie als Spielerin auch mit um. Zusammen arbeiteten die beiden – speziell vom Mailänder „Piccolo Teatro“ aus – mit ihren eigenen Theatertruppen. Der Nobelpreis, so Fo, gebührte der schönen Franca ebenso wie ihm.

Keine Angst vor hohen Tieren

Immer wieder sind Programme und Aufführungen von Dario Fos Werken verboten worden. Auch weil sich die katholische Kirche vom nahegelegenen Vatikan aus empört hat. Einschüchtern lassen hat sich der kreative Kopf nicht: Nicht zuletzt ist Fo eine derjenigen öffentlichen Stimmen, die sich im Italien der vergangenen Jahrzehnte massiv gegen Silvio Berlusconi und dessen monopolistische Tendenzen in Politik und Medien ausgesprochen haben. Seine Gegnerschaft zum umstrittenen mehrmaligen Ministerpräsidenten hat er einmal als „Wettstreit zweier Berufskomiker“ umschrieben. Und dabei wird deutlich, dass der freigeistige Autor auch vor diesem politischen Machtmenschen der jüngeren italienischen Vergangenheit und Gegenwart keine Angst hat.
Heute feiert Dario Fo seinen 90. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch, oder besser noch: Tanti auguri di buon compleanno!


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Verfasst von: Marius Prill

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