Das strahlende Erbe von Tschernobyl

Das strahlende Erbe von Tschernobyl

Die meisten wissen noch genau, wo sie waren, als sie von dem Unglück hörten, so, wie es etwa bei der Kennedy-Ermordung, dem Tsunami oder dem Angriff auf das World Trade Center war. „Wir waren in der Uni, als wir davon hörten. Draußen regnete es, und der Himmel färbte sich plötzlich grün. Später wurden Regenschirme organisiert, damit man vor dem radioaktiven Regen geschützt wird“, erinnert sich eine Kollegin. Ein anderer stand am Ufer des Rheins und wartete auf das Feuerwerk zur Veranstaltung „Rhein in Flammen“. Das Feuerwerk durfte aber während des Regens nicht durchgeführt werden, um die drei Feuerwerker nicht der Radioaktivität auszusetzen, während gleichzeitig zehntausende von Menschen am Rheinufer im radioaktiven Regen standen und auf das Feuerwerk warteten…

Zehntausende von Toten?

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Heute vor 30 Jahren explodierte Reaktor Nr. 4 im Lenin-Atomkraftwerk in der Ukraine, und eine radioaktive Wolke begann sich auszubreiten. Wieviele Tote das Unglück insgesamt gefordert hat, ist schwer einzuschätzen, es werden mehrere tausend Todesopfer in unmittelbarer Folge durch Strahlenkrankheit und Krebserkrankungen gewesen sein, in den Folgejahren dann eher mehrere zehntausend Tote durch verschiedene Krebsarten, dazu Missbildungen und Totgeburten, das Gelände ist heute noch verseucht, etwa 350 000 Menschen verloren ihre Heimat. In Westeuropa gewöhnte man sich an ein neues Wort namens Becquerel, Kinder sollten nicht im Sand spielen, Pilze nicht gegessen werden, Kleingärtner vernichteten ihre Ernte. Trotzdem führte erst die Katastrophe von Fukushima 25 Jahre später dazu, dass ein bereits beschlossener Atomausstieg in Deutschland tatsächlich auch umgesetzt wurde, gegen den erbitterten Widerstand der Stromkonzerne, die auf Kosten der Allgemeinheit jahrzehntelange Milliardengewinne eingesteckt hatten, aber nun nicht einsehen wollen, warum sie sich auch an den Kosten beteiligen sollten.

UA016-03 Die Suche nach einem sicheren Endlager für den bisher schon angefallenen Atommüll wird Deutschland noch lange beschäftigen, sicher ist nur, dass diese vermeintlich so saubere Technologie immense Risiken birgt und das auch noch Jahrhunderte nach einer Abschaltung der Reaktoren. In Tschernobyl muss jetzt eine neue Hülle für den zerstörten Reaktor gebaut werden, die mit etwa 2,19 Milliarden Euro zu Buche schlägt, dazu kommen noch etwa 400 Millionen für ein Zwischenlager. Deutschland beteiligt sich mit 307 Millionen Euro an den Kosten des Sarkophags. Weltweit sind zu verschiedenen Gedenktagen zahlreiche Briefmarken zum Thema Tschernobyl erschienen.


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Verfasst von: Udo Angerstein

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