Trapper oder nicht Trapper? Davy Crockett

Trapper oder nicht Trapper? Davy Crockett

Wissen sie noch, was ein Trapper (abgeleitet vom englischen Wort „trap“ für „Falle“) ist? Ungefähr bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts und zu Hochzeiten von Western- und Karl May-Begeisterung hätte man das gar nicht fragen müssen. Da waren alle Rollen gut bekannt: Cowboys und Indianer, Sheriffs und Banditen, Häuptlinge und Squaws. Und natürlich: Der Trapper. Ein fellbemützter Mann, der auf der Jagd nach Pelztieren Fallen legt und Fährten liest. Der sich gleichermaßen in der kargen Prärie, dem unsteten Gebirge und in den tückischen Sümpfen auskennt. Der mit dem ganzen Tierreich per Du ist, von der rasselnden Klapperschlange bis zum harmlosen Biber. Händler und hilfreicher Freund der Siedler und Weißen, auch aber vertraut mit den Ureinwohnern des weiten nordamerikanischen Landes. Ein wendiger und intelligenter Typ ist das, der aufmerksam auf seine Umgebung achtet, sie zu deuten und zu verstehen vermag.

Davy Crockett Briefmarkeusa-0928Tja, und eigentlich könnte man annehmen, dass einer der berühmtesten Vertreter dieses abenteuerlichen Berufsstands den Namen Davy Crockett trug. Denn immerhin lautet der Titel eines ziemlich berühmten Films aus den Disneystudios ja „Davy Crockett: König der Trapper“ (im Englischen: „Davy Crockett. King of the Wild Frontier“). Aber ehrlich gesagt: So viel mit dem angedeuteten Bild des Trappers hat das Leben des echten Davy Crocketts gar nicht gemeinsam. Man könnte sogar fragen: Wie kamen der alte Disney und seine Autoren im Jahr 1955 überhaupt auf die Idee aus einem US-amerikanischen Berufspolitiker und Soldaten den „König der Trapper“ zu machen?

Politiker aus Tennessee

Es fängt schon mit dem Namen an: „Davy“ Crockett wurde der Mann in seinem Alltag überhaupt nicht so oft genannt. David de Crocketagne hieß er seit seiner Geburt am 17. August 1786, und gerufen wurde er eigentlich David Crockett. Er kam aus dem heutigen Bundesstaat Tennessee und wuchs in einer kinderreichen und wenig privilegierten Familie auf. Früh arbeitete der Junge in verschiedensten Jobs, etwa als Viehtreiber und Fuhrmann.
Als jüngerer Mann und Familienvater meldete er sich dann für mehrere militärische Einsätze. Oft ging es dabei gegen Indianer. Blutige Angelegenheiten waren das. Crockett stieg dabei allerdings zum Sergeant, Lieutenant und Colonel auf.
Wenn man von Davy Crocketts paralleler Karriere als Politiker spricht, muss man bedenken: Crockett, obwohl zeitweise auch Mitglied des US-Kongresses, war nicht unbedingt ein typischer Vertreter des politischen Establishments. Er war kein Sohn aus reicher Familie, der machtpolitisch Strippen ziehen wollte. Sein politisches Bewusstsein erwuchs direkt aus den eigenen Erfahrungen und seiner Nähe zur Lebensrealität der gewöhnlichen Leute. Ein Thema, das Crockett naheging und zur Aktion motivierte, waren zum Beispiel die Rechte von normalen Farmern. Und das verlieh ihm natürlich Glaubwürdigkeit und kam an. Eine Zeit lang beschäftigte sich der Politiker Crockett damit in seiner Heimat. Dann ging er allerdings nach Texas. Politisch lief es nämlich nicht mehr so gut. Crockett hatte einige Wahlschlappen eingefahren.

Soldat in Texas

In Texas war einiges los: Dort ging es für die US- amerikanischen Siedler um Freiheit und Selbstbestimmung. Man wollte von Mexiko unabhängig werden, eine „Republik Texas“ gründen. Und dafür musste gekämpft werden. Mit Waffen. Mumm und Erfahrung im Kampf hatte Crockett ja reichlich. Und so zog er mutig und als bereits verdienter Anführer mit in die Gefechte. Diesmal mit fatalem Ausgang. Spätestens nachdem er 1836 im Zuge der „Schlacht von Alamo“, einem Fort in San Antonio, gestorben war, avancierte Davy Crockett allerdings zur Legende.
Zu Lebzeiten tat er freilich auch selbst einiges dafür. Durchaus auch um Wählerstimmen zu gewinnen. Noch zu Lebzeiten erschienen nicht nur diverse Geschichten über Davy Crockett. Etwa ein Buch mit dem Titel: „Life and Adventures of Colonel David Crockett of West Tennessee“. Crockett brachte 1834 auch eigene Memoiren heraus.

Trapper auf der Leinwand

Und da setzt die ganze Sache mit dem Ruf als Trapper an: Davy Crockett war so etwas wie ein Volksheld. Einer, der für etwas stand, etwas Wichtiges verkörperte. Nämlich den Einsatz für Freiheit, für Pioniergeist und Mut. Die Freiheit, wo immer sie auch zu finden sein mochte, dieses hohe und durchaus uramerikanische Gut, es ist ja oft mit solchen Figuren verbunden worden: William Clark und Meriweather Lewis zum Beispiel, oder eben Davy Crockett. Diese frühen amerikanischen Typen, die „Frontiersmen“ und „Pioneers“, sind sehr wichtig für die Amerikaner und ihr Selbstverständnis gewesen.
Kein Wunder also, dass auch Walt Disney sich Davy Crockett widmete. Dass ihn 1960 John Wayne im Westernstreifen „Alamo“ spielte und ihn Generationen von Kindern und Jugendlichen als Helden von spannenden Abenteuergeschichten bewunderten. Inwieweit Davy Crockett, der fiktionale „König der Trapper“, mit dem echten David Crockett, dem Mann mit den zwei Karrieren, übereinstimmt, bleibt indes fraglich.

 

 


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Verfasst von: Marius Prill

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