Das erste Gesicht der französischen Sozialdemokratie: Franҫois Mitterrand

Das erste Gesicht der französischen Sozialdemokratie: Franҫois Mitterrand

Er ist eine der ganz großen politischen Figuren der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich die Staaten Europas wieder festigen mussten. Und als sie neue Beziehungen zueinander entwickelten. Speziell der 1980er- und frühen 90er- Jahre: Da hießen die mächtigsten Staatsoberhäupter der Welt Ronald Reagan und George Bush, Michail Gorbatschow, Margaret Thatcher und Helmut Kohl. Es waren Jahrzehnte, in denen die Verständigung und die politische und wirtschaftliche Einigung Europas entscheidend vorangetrieben wurde. In denen der Kalte Krieg zwischen den Blöcken Ost und West nicht eskalierte, sondern schließlich zu seinem Ende kam. Als vor den Augen der wankenden sowjetischen Großmacht die Berliner Mauer fiel und unter Zustimmung der ehemaligen Alliierten die Deutsche Einheit beschlossen wurde.

Reklame

Franҫois Mitterrand, französischer Staatspräsident von 1981 bis kurz vor seinem Tod im Januar 1996, war neben den genannten Namen einer der Protagonisten all dieser wichtigen weltgeschichtlichen Ereignisse. Der erste und jahrelang führende Kopf der sozialdemokratischen „Parti socialiste“ kam heute vor 100 Jahren, am 26. Oktober 1916, zur Welt.

Weg zur Präsidentschaft

francois-mitterrand-briefmarke-frankreichBevor er 1981 in das große Amt gewählt wurde, war Mitterrand schon lange politisch aktiv. Und arbeitete erfolgreich an einer großen Karriere: Er kandidierte sogar schon zwei Mal für die Präsidentschaft. Nämlich 1965 und 1974. Einmal unterlag Mitterrand dabei Charles de Gaulle. Dann verlor er gegen Giscard d‘Estaing. Der umtriebige Politiker bekleidete seit den 1950er-Jahren auch bereits einige hohe Posten: Er war sowohl Staats- und Innenminister als auch Justizminister.
Die französische Linke war aufgefächert und sich wenig einig: Es gab die starke kommunistische „Parti communiste franҫais (PCF)“. Aber die gemäßigten sozialistischen und sozialdemokratischen Gruppen hatten sich noch nicht gebündelt. Doch 1969 gründete sich die große sozialdemokratische Partei Frankreichs, die Parti socialiste. Und unter Franҫois Mitterrand gelangte sie mit Beginn der 1980er-Jahre das erste Mal in die Regierungsverantwortung. Davor waren stets konservative Kräfte an der Macht gewesen.

Aus dem Westen

francois-mitterrand-briefmarke-neukaledonienFranҫois Mitterrand kam im Südwesten Frankreichs zur Welt. In Jarnac, einer Gemeinde im Département Charente. An der Pariser Sorbonne studierte er Rechts- und Literaturwissenschaften. Während des Zweiten Weltkriegs kämpfte er als junger Mann in der Résistance gegen die deutsche Besatzung. Später war er auch in der französischen Exilregierung Charles de Gaulles aktiv. Als Soldat kam Mitterrand im Juni 1940 bei Verdun in deutsche Gefangenschaft. Es gelang ihm jedoch, zu fliehen. Seine Ehefrau Danielle Gouze lernte Franҫois Mitterand während der Zeit im Widerstand kennen. Die beiden heirateten 1944 und hatten drei Söhne.

Umstrittenes Erbe

francois-mitterrand-briefmarke-beninWie bei allen Politikern, die so einflussreich und lange auf der höchsten Ebene wirkten, ist auch das politische Erbe Franҫois Mitterands umstritten: Wie ist die Innenpolitik seiner zwei Amtszeiten zu bewerten? Hätte er einen ähnlich harten Kurs wie die „Iron Lady“ Maggy Thatcher fahren sollen, statt den Sozialstaat auszubauen? Welche Haltung hatte Mitterand wirklich zur Wiedervereinigung des ehemaligen Feindes Deutschland? Fürchtete er, der einstige Gefangene der damaligen deutschen Aggressoren, nicht doch, dass dieser erneut zu mächtig werden und abermals auf Abwege geraten könnte? Und war sein Verhältnis zu dessen gegenwärtigem politischen Vertreter Helmut Kohl wirklich so einträchtig, wie es das berühmte Foto von 1984 suggeriert, als die beiden sich im Gedenken an die Gefallenen von Verdun bei den Händen hielten?

Ende einer Ära

francois-mitterrand-briefmarke-andorraAls am 23. April 1995 mit dem Konservativen Jacques Chirac der neue Präsident Frankreichs gewählt wurde, trat Franҫois Mitterand nicht mehr an. Er litt seit Jahren an Prostatakrebs. Am Achten Januar 1996 starb er in Paris. In den USA regierte jetzt Bill Clinton. Und auch in Großbritannien und Deutschland wartete mit Tony Blair und Gerhard Schröder eine neue Generation bereits auf ihre Chance. Das Kriegsende hatte sich zum 50. Mal gejährt. Der Kalte Krieg war vorüber, die Sowjetunion zerfallen. Eine Ära ging zu Ende. Und eine neue begann. Heute wird in Frankreich eine weitere Briefmarke zu Ehren Mitterrands erscheinen, das Motiv wurde bisher noch nicht bekannt gegeben.

Update vom 27. Oktober:

Nach Veröffentlichung dieses Artikels traf eine E-Mail der französischen Post mit der Abbildung der neuen Sondermarke ein:

francois-mitterrand-tp


Reklame
Jetzt bestellen MICHEL
Österreich-Spezial 2017 – inkl. Ganzsachen

ISBN: 978-3-95402-199-4
Preis: 66,00 €
Versandkostenfreie Lieferung innerhalb Deutschlands.

Jetzt bestellen


Reklame
Verfasst von: Marius Prill

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.