„Vater der Elektrotechnik“: Werner von Siemens

„Vater der Elektrotechnik“: Werner von Siemens

„Denn mein Leben war schön, weil es wesentlich erfolgreiche Mühe und nützliche Arbeit war“, bilanzierte Werner von Siemens 1892 kurz vor seinem Tod in seinen Lebenserinnerungen. Mühe und Arbeit, die sich gelohnt haben: Der Erfinder, Techniker und Unternehmer Werner von Siemens hat einen Weltkonzern gegründet, der noch heute seinen Namen trägt. In Lenthe bei Hannover wurde Werner Siemens – den Adelstitel bekam er erst 1888 verliehen – vor 200 Jahren, am 13. Dezember 1816, als Sohn eines Gutspächters geboren.

Solide technische Ausbildung

werner-von-siemens-auf-briefmarke-von-1966Die bildungsbürgerliche, kinderreiche Familie geriet durch die Agrarkrise in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Der junge Siemens konnte das Gymnasium deshalb nicht mit dem Abitur abschließen; er wurde preußischer Offizier und erhielt auf der Berliner Artillerie- und Ingenieurschule eine solide technische Ausbildung. In seiner Freizeit arbeitete Siemens an Erfindungen. Die Weiterentwicklung des Zeigertelegraphen führte er schnell zur Marktreife: Im Oktober 1847 gründeten der Artillerieleutnant Werner Siemens und der Berliner Universitätsmechaniker Johann Georg Halske die „Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske“. Die elektrische Telegraphie, dominiert von militärischen und staatlichen Auftraggebern, war zu dieser Zeit die innovativste Nachrichtentechnik. Im Sommer 1848 erhielt die junge Firma einen prestigeträchtigen Großauftrag. Sie verlegte eine über 500 Kilometer lange Telegraphenlinie von Berlin nach Frankfurt am Main. Dort tagte nach der Märzrevolution die Deutsche Nationalversammlung, die im März 1849 den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. zum deutschen Kaiser wählte. Die Nachricht wurde sofort telegraphiert und erreichte Berlin in weniger als einer halben Stunde: eine technische Sensation!


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Multinationales Familienunternehmen

werner-von-siemens-auf-briefmarke-von-1952Das Unternehmen Siemens & Halske expandierte in den 1850er Jahren und baute in Russland das Telegraphennetz aus. Dort und in England wurden zwei Brüder von Werner von Siemens Leiter der Zweigniederlassungen: Ein multinationales Familienunternehmen entstand. Werner von Siemens, der schon nach dem frühen Tod der Eltern für seine vielen Geschwister hatte sorgen müssen, war das unumstrittene Oberhaupt des Konzerns. In den 1860er Jahren baute seine Firma die Indo-Europäische Telegraphenlinie von London nach Kalkutta, später verlegte sie – auch gegen große Widerstände der englischen Konkurrenz – das erste direkte transatlantische Seekabel von Irland in die USA.

Der erste Dynamo

dynamo-von-werner-von-siemensSeit den 1860er Jahren interessierte sich Siemens immer stärker für Elektrodynamik. Auch hier ging es ihm nicht um das Prinzip an sich, sondern um die praktische Umsetzung – dafür prägte er den Begriff Elektrotechnik. 1867 präsentierte er eine erste Dynamomaschine auf der Pariser Weltausstellung. Die Entwicklung danach war rasant: Elektrische Straßen- und Hausbeleuchtungen, Kraftwerke und Elektromotoren, elektrische Straßenbahnen und Fahrstühle kamen schon in den 1880er Jahren auf den Markt.

Patentschutz-Verein

werner-von-siemens-auf-briefmarke-von-1992In der Unternehmensführung verband Siemens eine hierarchische Struktur mit fürsorglichem Paternalismus. Siemens wollte die Interessen der Mitarbeiter mit den Zielen des Unternehmens zusammenführen. 1872 entstand in seiner Firma eine betrieblich geregelte Alters- und Hinterbliebenenversorgung, die erste in Deutschland. Schon als junger Offizier war Siemens Mitglied der Physikalischen Gesellschaft in Berlin und mit den bedeutendsten Naturwissenschaftlern seiner Zeit befreundet. 1874 gehörte er zu den Mitbegründern des Deutschen Patentschutz-Vereins: Der Erfinder und Unternehmer zeigte sich auch als geschickter Lobbyist. 1872 wurde ihm eine hohe Ehre zuteil. Siemens wurde Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften – und war damit vermutlich das einzige Mitglied, das kein Studium vorweisen konnte.

Frauke Klinge


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