Die Kleinste Schwarze – Teil 1

Die Kleinste Schwarze – Teil 1

In der DBZ 6/2016 und 19/2016 haben wir uns mit der Wertstufe zu 42 Pfennig aus der ersten Kontrollratsserie im Ziffernmuster für die amerikanische, britische und sowjetische Besatzungszone befasst. Auf Wunsch unserer Leser wollen wir auch weitere Sorten dieser historischen Alli­ierten-Ausgabe betrachten, die vor 70 Jahren massenhaft im Umlauf war und doch bemerkenswerte Seltenheiten hervorgebracht hat.

Alliierte Ausgaben mit historischem Wert

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Die Marke mit dem kleinsten Nennwert der sogenannten „Ersten Kontrollratsausgabe“ für einen Pfennig in schlichtem Schwarz erschien laut Michel-Spezialkatalog ab 11. Februar 1946 im Postverkehr; ein Handbuch nennt den 9. Februar als Ersttag. Peter Harlos zeigte als Frühdatum einen Brief aus Großräschen vom 8. Februar, der per Einschreiben mit zweimal 1 Pfennig Ziffer und einem Satz Großräschen MiNr. 43−46 portorichtig verschickt wurde, mit Ankunftsstempel Bischofswerda vom 15. Februar versehen und für 40 Euro zugeschlagen.
In Berlin sah man die Marke ebenso wie viele ihrer Schwestern wohl erstmals bei der FDGB-Konferenz vom 9. bis 11. Februar 1946. Ein Sonderstempel zu dieser „Delegierten-Beratung der Freien Deutschen Gewerkschaften für das sowjetisch besetzte deutsche Gebiet“ aus „BERLIN NW 7“ und Erinnerungskarten werden bei einigen Werten als Ersttagsbelege betrachtet. Für 15 Euro war 2016 ein solches Stück mit einer einzelnen 1 Pfennig Ziffer zu haben.

Als Einzelfrankatur kommt die Marke nicht vor, sie war als Ergänzungswert bei „krummen“ Portobeträgen gedacht und ist daher häufig in Bunt- und Mischfrankaturen vertreten. Wer einen preiswerten Ersatz sucht, findet etliche weitere Sammlerbelege, auf denen der Kleinstwert mit attraktiven oder thematisch reizvollen Sonderstempeln versehen wurde. Nachdem der Wert eines gebrauchten Einzelstücks inzwischen vier Michel-Euro erreicht hat, ist hier ein entsprechender Betrag durchaus zu rechtfertigen.

Wertsteigerungen machen den Reiz aus

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Den wahren Reiz machen für Kenner bei MiNr. 911 portorichtige Mehrfachfrankaturen aus. In den Michel-Briefe-Katalogen aus den 1980er-Jahren wurde noch nicht differenziert, für welche Portostufen die Bewertung gelten sollte. Immerhin kletterte sie von 40 Mark in der zweiten Auflage 1981 auf 100 Mark in 1989. Doch auch im vergangenen Jahrzehnt dokumentieren die Katalogbände einige erhebliche Steigerungen bei der Einstufung nach mittlerweile sechs Portosätzen. Am häufigsten findet man die Verwendung von sechs Marken zu einem Pfennig auf Standard-Drucksachen der zweiten Portoperiode, die bereits ab 1. März 1946 begann – sie haben sich stabil auf 100 Euro gehalten. Bei Peter Harlos brachte ein solcher Beleg 2016 einen Zuschlag von 32 Euro Plus Aufgeld. Ein leicht gebräuntes Kuvert ohne Absender wurde bei Hadersbeck zu 25 angesetzt. Bei Rosslau schloss eine Drucksache mit 60 Euro, verschickt aus „JÜGESHEIM −a− 5.4.47“ nach Nassau, wobei der Umschlag vorschriftsgemäß unverschlossen blieb. 90 Euro erzielte das Württembergische Auktionshaus für eine tadellose Drucksache ab Pössneck vom 12.11.1946, freigemacht mit einem Viererblock und einem waagerechten Oberrandpaar als „seltene, reine Mehrfachfrankatur“.

911er werden immer teurer

Drei Stücke der schwarzen 911er genügten im einstigen Spartarif der ersten Periode auf Drucksachen bis 20 Gramm, die sich seit 2005 von 560 auf 600 Euro weiter entwickelt haben. Die zweite Gewichtsstufe bis 50 Gramm aus dieser Zeit mit vier 1-Pfennig-Werten kletterte im Briefe-Katalog seither sogar von 500 auf 700 Euro. Noch höher schossen Drucksachen bis 50 Gramm aus der Folgezeit, die acht Marken zu einem Pfennig tragen: von 250 bis auf 700 Euro! „Wie besehen“ musste Christian Arbeiter in seiner 16. Auktion vom Januar 2017 einen Drucksachen-Umschlag mit Brieföffnung versteigern, frankiert mit einem Viererblock der Marke und gelaufen von Berlin-Siemensstadt nach Frontenhausen in Niederbayern. Es handelte sich um einen Bedarfsbeleg der Siemens-Schuckertwerke AG, der Frankatur entsprechend nur als Drucksache von 21 bis 50 Gramm in der ersten Portoperiode möglich. Leider waren die meisten Zahlen der Monats- und Tagesangaben aufgrund der schwarzen Stempelfarbe auf schwarzer Marke kaum zu entziffern.

Text: Michael Burzan – vollständiger Artikel aus der DBZ-Ausgabe 5/2017


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Verfasst von: Stefan Liebig

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