Preußens Friedrich Wilhelm IV.

Preußens Friedrich Wilhelm IV.

Rund 160 Jahre sind vergangen, seit im Königreich Preußen erstmals Briefmarken im Buchdruck erschienen. Wie die ersten Postwertzeichen des Staates vom 15. November 1850 tragen sie das Profilporträt des damaligen Regenten, König Friedrich Wilhelm IV. aus dem Hause Hohenzollern. Er war damit der erste Herrscher auf einem deutschen Markenbild, einer der wenigen des 19. Jahrhunderts überhaupt – gefolgt von Friedrich August II. und Johann I. von Sachsen und Georg V. von Hannover.

Als größte Rarität der zweiten Ausgabe gilt vielen Sammlern die legendäre Halbierung der MiNr. 7a, die unbeanstandet zusammenhängend mit dem Normalstück von Stralsund an einen Maurermeister in Berlin ging. Die Briefvorderseite befand sich bereits in den Sammlungen Ferrari, Rothschild und Boker.

König auf glattem Grund – Vom Stahlstich zum Buchdruck

Das Bildnis von König Friedrich Wilhelm IV. als Stahlstich auf Preußens Erstausgabe.

Der Buchdruck auf weißem Papier lässt viele Details der vereinfachten Zeichnung gut erkennen.

Der 1795 in Berlin geborene Kronprinz Friedrich Wilhelm hatte nach dem Tod seines Vaters Friedrich Wilhelm III. am 7. Juni 1840 den Thron bestiegen. Die Geschichtsschreibung sieht ihn als „Romantiker auf dem Thron“, als König, „der die deutsche Kaiserkrone ablehnte“. Hätte er am 3. April 1849 das Angebot von Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung angenommen, wäre Deutschland vielleicht schon einige Jahrzehnte früher zum vereinten Kaiserreich geworden …
Besondere Begeisterung für die Architektur entwickelte er als Kronprinz während einer Studienreise nach Italien. Wir verdanken ihm unter anderen viele Bauten von Schinkel, Persius oder Rauch, das Neue Museum auf der Berliner Museumsinsel, die Vollendung des Kölner Doms, die Friedenskirche und die Römischen Bäder von Potsdam, die Neuschöpfung seiner Sommerresidenz Schloss Stolzenfels am Rhein und den Wiederaufbau der Burg Hohenzollern bei Hechingen.
Das nach rechts blickende Porträt des Regenten auf den preußischen Postwertzeichen von 1850 bis 1860 war in gleichartiger Gestaltung auch auf zeitgenössischen Umlaufmünzen zu finden.

Ein Porträt des Königs Friedrich Wilhelm IV. auf Münzprägungen diente als Vorbild für die ersten preußischen Postwertzeichen, hier als Halbgulden für den Regierungsbezirk Hohenzollern von 1852. Das rund geformte Eichenlaub wurde auf den Briefmarken zu senkrechten Zierleisten gestreckt.

Eine leichte Klischeeversetzung ist auch schon bei diesem Randpaar eines Probedrucks der MiNr. 8P2 in Blau statt Gelb mit Reihenzähler erkennbar.

Porträt im neuen Schnitt

Deutlicher kann man die unterschiedliche Aufnahme der Stempelfarbe bei der ersten und zweiten Ausgabe Preußens kaum demonstrieren: Berliner Vierring-Nummernstempel „103“ auf Werten zu 1 Silbergroschen, MiNr. 6 im Paar und MiNr. 2 als Einzelwert (Briefmarken Lenz).

Rechtes Seitenrandstück der Marke zu 1 Silbergroschen in ungewöhnlicher Breite von 18 Millimetern mit Reihenzähler 10 und ideal zentrischem Vierring-Nummernstempel „589“ von Haynau, das heutige Chojnów in Niederschlesien (Veuskens).

So ähnlich bei oberflächlicher Betrachtung die zweite Markenausgabe Preußens im Vergleich zur ersten Reihe wirken mag – die Unterschiede stellen in mehrfacher Hinsicht eine technische Revolution dar. Die neue Ausführung im Buchdruck statt im Stichtiefdruck erforderte völlig neue Klischees und Druckplatten. Der ursprüngliche Entwurf von Professor Friedrich E. Eichens wurde dafür laut Krötzsch-Handbuch vom Stempelschneider H. G. Schilling neu graviert, der bereits seit Errichtung der Königlich Preußischen Staatsdruckerei zum 1. Juli 1852 die Wertstempel zu den Ganzsachen-Kuverts lieferte, wobei auch die geänderte Gestaltung der Wertzahlen auf Schilling hinweise.
Abweichend vom früheren Verfahren wurde der Urstempel der neuen Marken im Holzschnitt hergestellt. Ausgangspunkt war eine quadratische, sauber abgeschliffene Platte aus Buchsbaumholz mit etwa vier Zentimetern Seitenlänge. In diese wurde das Porträt spiegelbildlich mit seitlichen Eichenlaub-Zierleisten und oberem Rahmenteil mit Inschrift „FREIMARKE“ geschnitten. Von diesem Urstock wurden durch Abprägen in Metall einige Patrizen und von diesen wiederum Matrizen genommen. Sie wurden unten mit drei verschiedenen Wertinschriften zu 1, 2 und 3 Silbergroschen zu Originalstempeln ergänzt, auf galvanoplastischem Weg vervielfältigt und zu Druckplatten mit 150 Einzelklischees montiert.
Abgesehen vom typischen flachen statt plastischen Farbauftrag findet man bei genauer Betrachtung zahlreiche feine Unterschiede zwischen Stahlstich und Buchdruck. Die Kopfzeichnung ist klarer strukturiert, mit breiteren Linien im Haarverlauf; Auge und Brauen, Nase, Mund und Backenbart sind stärker ausgeprägt; die Schraffierungsstellen und Kreuzungen zeigen andere Verläufe. Auch die Details in den Ornamenten und Rahmen wirken klarer, wie die Malteserkreuze in den oberen Ecken oder die Zierleisten mit Eichenlaub links und rechts. Die Zahl an senkrechten und waagerechten Schraffierungsstrichen in den Rahmenleisten ist geringer; die Querstriche im Hintergrund der Wertangaben beginnen etwas weiter links beziehungsweise rechts; die Ziffern sind markanter und größer ausgeführt. Nach „SILBERGR“ folgt bei den ausgegebenen Buchdrucken jeweils ein Doppelpunkt. Und der unstrukturiert glatt ausgeführte statt fein senkrecht und waagerecht linierte Hintergrund der Büste verlieh der gesamten zweiten Ausgabe die Bezeichnung „Friedrich Wilhelm IV auf glattem Grund“.
Alle vier Seiten der Schalterbogen zu 150 Stück erhielten nun Reihenzähler, während bei der Erstausgabe nur die Ränder der oberen und linken Seite nummeriert waren. Plattennummern kommen bei der zweiten Preußen-Ausgabe nicht mehr vor. Die Abstände zwischen den Marken sind knapp einen halben Millimeter breiter als bei den Stichtiefdruckwerten. Doch nicht alle Druckstöcke wurden innerhalb der Platten perfekt positioniert; so findet man Paare und Einheiten, die in der Höhe oder seitlich versetzte Klischees aufweisen. Plattenfehler [Reklame] bieten ein weiteres Feld für Spezialisten. Die erste Ausgabe wurde zunächst von der Königlich Geheimen Oberhofbuchdruckerei (R. v. Decker) vorbereitet und hergestellt. Nach Gründung der Königlich-Preußischen Staatsdruckerei am 30. April 1851 übernahm diese ab Juli 1852 die Produktion der Postwertzeichen in weiteren Auflagen und Ausgaben.

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Gegen Betrug mit Spareffekt

Rechtes Randstück des Wertes zu 2 Silbergroschen, bei dem auf der Marke selbst und auf dem Bogenrand mit Reihenzähler „5“ stellenweise der Netz-unterdruck bestens erkennbar hervortritt (Sammlung Peter Gaefke).

Einschreiben mit den Marken zu 3 und 2 Silbergroschen, aber nur beim 2-Silbergroschen-Wert mit erkennbarem Unterdruck. Die Ursache dürfte sich nicht mehr klären lassen (Pfankuch).

Das Preußen-Handbuch von Bayer/Stautz sieht die Einführung der Buchdruck-Freimarken auf weißem Papier als vorbereitende Maßnahme für die vorgesehene Abschaffung der Nummernstempel, die ab April 1859 erfolgte, ausgenommen für die Erstausgabe. Damit sollten Entwertungen besser erkennbar sein und die getrennten Abdrucke von Nummern- und Ortstagesstempeln auf Briefen entfallen.
Laut Paul Ohrt/Krötzsch erfolgte die Umstellung des Druckverfahrens vornehmlich wegen der Möglichkeit, schwächere Stempelabdrucke zu entfernen, die auf den plastisch hervortretenden Linien der Postwertzeichen im Tiefdruckverfahren oftmals nicht bis zum Papiergrund drangen. Das habe die Auswaschung der Stempelungen und die Wiederverwendung schwach gebrauchter, bereits benutzter Stücke erleichtert. Zur Erschwerung solcher Manipulationen wollte man die Marken im Buntdruck mit möglichst empfindlichen Farben auf weißem statt getöntem Papier herstellen.
Interessante Beispiele der unterschiedlichen Aufnahme von Stempelfarbe sind gelegentlich bei Mischfrankaturen der ersten bis dritten Ausgabe zu finden. In der Rubrik Postgeschichte der DBZ 7/2017 wurde auf Seite 24 eine portorichtige Kombination mit vorausfrankiertem Bestellgeld ex Rauhut vorgestellt, in Form der gestochenen MiNr. 1 zu ½ Silbergroschen beziehungsweise 6 Pfennige in Rotorange mit Nummer 6a zu 1 Silbergroschen im rosafarbenen Buchdruck. Als eine der großen Stempelraritäten der OPD Trier trägt sie zweifach abgeschlagen den Vierring-Nummernstempel „64“ aus Balesfeld – auf der MiNr. 6 klar und deutlich, auf ihrer gravierten Schwester eher fleckig und lückenhaft zu erkennen.
Dass Fälle des Postbetrugs durch Wiederverwendung schwach gebrauchter Marken vorkamen, lässt sich an wenigen Belegen eindeutig nachweisen. Auf den Internetseiten www.altpostgeschichte.com zeigte Administrator Michael im November 2016 ein Stück, bei dem dieser Sachverhalt tatsächlich gegeben ist. Es handelt sich um einen Brief aus Barczyn (Regierungsbezirk Posen) nach Ryszewo, frankiert mit einem Wert zu 1 Silbergroschen: „Die Entwertung der Marke erfolgte mit dem Nummernstempel ‚69‘. Der Detailscan zeigt deutlich einen darunter befindlichen, relativ schwach abgeschlagenen, Nummernstempel ‚1118‘. Sowohl die Nummer als auch die Kreise des ersten Stempels sind zu erkennen und gehen nicht auf den Brief über. Da der 69er Nummernstempel auffällig ‚fett‘ drüber gesetzt wurde, gehe ich hier davon aus, dass der Postbeamte in Barczyn diesen Postbetrug beging. Die Postler im übergeordneten Durchgangspostamt Schubin wie auch am Zielort bemerkten den Postbetrug anscheinend nicht.“
Es ist davon auszugehen, dass auch Kostengründe bei der Umstellung eine Rolle spielten. Die Erstausgabe entstand von 1850 bis 1856 auf handgeschöpften Papieren, die auf jeder Marke das Wasserzeichen mit zwei gekreuzten Lorbeerzweigen aufweisen – bei allen Werten auch kopfstehend vorkommend.
Für das Buchdruckverfahren war dieser unregelmäßig strukturierte raue Untergrund nicht geeignet. Dafür konnte das mittlerweile in preiswerten Mengen produzierbare Maschinenpapier verwendet werden. Es musste auch nicht mehr darauf geachtet werden, die richtige Papierfarbe zur jeweiligen Wertstufe zu beschaffen und einzulagern. Angesichts der benötigten Millionenzahlen an Marken dürften sich erhebliche Beträge an Einsparungen addiert haben.
Viele Details und Hintergründe zur Produktion der preußischen Buchdruckwerte sind bisher im Dunkeln geblieben. Es könnte eine verdienstvolle Aufgabe für phil­atelistische Forscher sein, vielleicht noch vorhandene amtliche Unterlagen oder Archivquellen zu erschließen. Zusätzlich erschweren das Fehlen vollständiger Bogen von Originalmarken und der Mangel an größeren Einheiten oder Bogenteilen die Forschung.

Reklame

Empfindlicher Unterdruck

Peter Feuser zeigt in seiner Studie zur Folienproblematik dieses Beispiel der Veränderungen an einem Eckrandstück als typischen Bleisulfidschaden der Kategorie III (oben Originalzustand).

Als Sicherheitsmaßnahme gegen Fälschungen und Manipulationen durch entfernte Stempelungen setzte die Staatsdruckerei bereits bei den Probedrucken ein neues Verfahren ein. Vor dem farbigen Druck der Markenbilder erhielt das Papier einen Netz­unterdruck aus kohlensaurem Bleicarbonat – ein engmaschiges Muster aus gekreuzten und geschwungenen Linien, das auf dem weißen Papier in der Regel unsichtbar blieb. Schon Ohrt/Krötzsch wiesen 1895 darauf hin, dass dieser Unterdruck bei chemischer Behandlung mit Schwefelwasserstoff dauerhaft sichtbar gemacht werden kann und nicht wie früher angenommen als Seltenheit zu betrachten sei. Aber wie dort und im Michel [Reklame] in einer Fußnote vermerkt, tritt das Netz auch bei unsachgemäßer Lagerung der Marken schwärzlich oder bräunlich hervor; die Verfärbung lasse sich nicht mehr entfernen.
Auch wenn er optisch nicht als schön betrachtet wird, kann zumindest ein Beispiel solcher Preußen-Marken mit sichtbarem Netzunterdruck eine Sammlung interessanter machen. Die Diskussion über die optimale Lagerung klassischer Werte hält seit Jahren an. Ein besonderes Risiko scheinen neben Umwelteinflüssen PVC-Folien und säurehaltige Albenkartons darzustellen. Nicht nur der Unterdruck, auch die empfindliche Markenfarbe der preußischen Ausgaben kann Veränderungen aufweisen und sich zu dunkleren Tönungen wandeln.
Auktionator Peter Feuser zeigt in seiner Studie zur Folienproblematik bei klassischen Briefmarken einige Beispiele von Preußen-Werten als „typische Bleisulfidschäden der Kategorie III“. Dazu erläutert er: „Die dritte Gruppe beeinträchtigter Marken betrifft Ausgaben, die als Fälschungsschutz mit einem normalerweise nicht sichtbaren Unterdruck versehen wurden (beispielsweise preußische Marken der zweiten und dritten Ausgabe …). Dieser Unterdruck tritt in der Regel nur durch chemische Manipulation (z.B. durch Schwefelwasserstoff) schwarz oder braunschwarz zu Tage und führt dann zu einer erheblichen Wertminderung der betroffenen Marke. Auch hier konnte in den letzten Jahrzehnten eine extreme Häufung geschädigter Marken festgestellt werden“ (www.feuser-auktionen.de/folienproblematik).

Ankündigung der Neuausgabe

Das einzige amtliche Dokument zum Erscheinen der zweiten Ausgabe, auf das sich die philatelistischen Handbücher beziehen, ist die General-Verfügung Nr. 203 vom 23. Dezember 1856, veröffentlicht im Amts-Blatt des Königlichen Post-Departements No 39. Sie kündigte an:

„Veränderung der Postfreimarken.
Die Postfreimarken zu 1, 2 und 3 Sgr., welche bisher auf farbigem Grunde gedruckt wurden, werden künftig auf weissem Grunde gedruckt werden. Das bisherige Bild der Marke erscheint anstatt wie früher in schwarzer Farbe, künftig bei den Marken zu 1 Sgr. in rosarother, bei den Marken zu 2 Sgr. in blauer, und bei den Marken zu 3 Sgr. in gelber Farbe.
Die Post-Anstalten werden hiervon mit dem Bemerken in Kenntniß gesetzt, dass die Ausgabe solcher Marken, neben welchen übrigens die noch vorhandenen Marken zu 1, 2 und 3 Sgr. auf farbigem Papier in Schwarzdruck bis zum vollständigen Verbrauch derselben gültig bleiben, mit dem künftigen Jahre beginnen wird.“

Gezeichnet ist die Verfügung vom General-Post-Amt in Berlin vom Generalpostdirektor des Königreichs Preußen von 1849 bis 1862, Gottlob Heinrich Schmückert (1790−1862). Der Kriegsinvalide hatte seine Karriere 1815 als Postmeister in Bernau bei Berlin begonnen, wurde 1840 Geheimer Oberpostrat und 1846 Direktor des Generalpostamtes. Ab 1849 hatte er König Friedrich Wilhelm IV. die Einrichtung von Oberpostdirektionen vorgeschlagen und leitete die Reform des Postwesens. Er schloss zahlreiche Verträge mit Postverwaltungen anderer deutscher und europäischer Länder, war Mitglied des Preußischen Staatsrates und des Abgeordnetenhauses.

Frühdaten gesucht

Der früheste bisher bekannte Beleg zur Verwendung eines Buchdruck-Wertes wurde am 8. April 1857 mit MiNr. 8b im preußischen Postamt in Hamburg aufgegeben (Sammlung Peter Gaefke).

Über die tatsächlichen Ausgabedaten der einzelnen Werte besteht keine Klarheit. Während mancher Autor zunächst von zeitnahen Terminen nach der Verfügung ausging, nehmen andere Quellen an, dass sich die Produktion und regionale Auslieferung mehrere Monate hinzog. Paul Ohrt fand Ende des 19. Jahrhunderts als früheste datierbare Entwertungen Belegstücke aus Hamburg vom 10. Juli 1857 und meinte, dass „von der II. Ausgabe wohl zuerst der Wert zu 3 SILBERGR:, aber schwerlich vor Juni 1857, vielleicht bald darauf auch der Wert zu 1 und erst später derjenige zu 2 SILBERGR: von irgend einer Post-Anstalt dem Publikum zum ersten Male verkauft sowie in Verwendung gekommen sein“ dürfte. Das 1986 erschienene Handbuch der preußischen Freimarken von Bayer/Stautz führte als früheste Belege einen Brief aus Hamburg vom 25. Mai 1857 mit der 3 Silbergroschen, einen Brief aus Cölleda vom 30. Mai 1857 mit der 1 Silbergroschen und zur 2 Silbergroschen einen Brief aus Stettin vom 27. November des Jahres auf.
Die Michel-Kataloge [Reklame]  nannten über Jahrzehnte den nicht belegbaren 1. April 1857 als Ausgabedatum. Seit zwei Jahrzehnten geben sie die frühesten bisher dokumentierbaren Tage an. Bei der 1 Silbergroschen handelt es sich um den 17. April jenes Jahres, bei der 2 Silbergroschen war das im Jahr 2000 noch der 11. November, inzwischen wird der 23. August 1857 angeführt.
Der Wert zu 3 Silbergroschen scheint als erster in Umlauf gekommen sein. Er diente auch als Basis der Farbprobedrucke (MiNr. 8P1 und 8P2), die noch auf das Jahr 1856 datiert werden und in den Tönungen der drei verausgabten Nennwerte auf Originalpapier entstanden. Bis 2013 galt bei MiNr. 8 der 15. April 1857 als erstes bekanntes Gebrauchsdatum. Doch Peter Gaefke, erster Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Preußen für Phil­atelie und Postgeschichte im BDPh, konnte in seinem Beitrag in den Preußen-Studien 133 eine nach Eybau verschickte Frühverwendung vorstellen, die neben der Marke mit Vierring-Nummernstempel einen klaren Zweikreisstempel „HAMBURG. 8/4 7-8 A.“ trägt. Rückseitig weist der Umschlag die Absenderangabe auf: „1857 Hamburg 8 April J.J.W. Unbehagen“. Auch der Inhalt blieb erhalten, eine entsprechend datierte Spesen-Rechnung über vier Ballen Leinengarn. Inzwischen hat dieses früheste bekannte Verwendungsdatum der Buchdruckausgabe vom 8. April 1857 Eingang in den Michel-Spezialkatalog [Reklame] gefunden. Weitere datierbare Belegstücke könnten die Suche lohnen – keine leichte Sache, da Stempelungen auf damaligen Preußen-Belegen mit nachweisbaren Jahreszahlen wenig zu finden sind.
Die Ablösung der zweiten Ausgabe Preußens ließ nicht lange auf sich warten: Ab dem zweiten Halbjahr 1858 folgte die letzte Buchdruckserie mit dem königlichen Kopfbild, nun auf gegittertem statt glattem Grund. Die Auflagen der drei Werte MiNr. 6 bis 8 fielen recht unterschiedlich aus. Am häufigsten ist die 1 Silbergroschen mit acht Millionen, gefolgt von der 3 Silbergroschen mit drei Millionen, während die blaue 2 Silbergroschen mit einer Million als Kleinstauflage der preußischen Königsköpfe gelten kann.
In ihrer Laufzeit begann der Stern des Herrschers zu sinken. 1857 erlitt der König mehrere Schlaganfälle und musste sich zunehmend von Kronprinz Wilhelm, seinem jüngeren Bruder vertreten lassen, dem am 7. Oktober 1858 die Regentschaft übertragen wurde. Nach dem Tod von Friedrich Wilhelm IV. am 2. Januar 1861 wurde jener als Wilhelm I. zum König Preußens und am 18. Januar 1871 zum deutschen Kaiser proklamiert. Aber das ist ein anderes Kapitel unserer Geschichte …

Kontakt: Weitere Informationen und Literatur für interessierte Sammler bietet die Arbeitsgemeinschaft, deren erstem Vorsitzenden ein besonderer Dank für die Unterstützung zu diesem Beitrag gilt. Kontaktadresse: Bundesarbeitsgemeinschaft Preußen für Philatelie und Postgeschichte e.V., Peter Gaefke, Christian-Meyer-Str. 33, 42897 Remscheid, pg46@gmx.de, www.arge-preussen.de.

Text: Michael Burzan / Abbildungen: wikimedia.org, Briefmarken Lenz, Veuskens, Sammlung Peter Gaefke, Pfankuch


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Verfasst von: Stefan Liebig

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