Georg Christoph Lichtenberg – 275. Geburtstag

Georg Christoph Lichtenberg – 275. Geburtstag

Bis zu 10000 Briefe, so schätzen Literaturwissenschaftler, hat Georg Christoph Lichtenberg in den letzten 30 Jahren seines Schaffens geschrieben. Hinzu kommen Tausende Schriftseiten in Notizbüchern, Vorlesungsentwürfen und Publikationen. Vieles ist bis heute erhalten und untermauert den Ruf Lichtenbergs als genialen Denker und Schreiber. Heute jährt sich der Geburtstag des Göttinger Universalgelehrten zum 275. Mal.

Briefunterricht

Anlässlich des 250. Geburtstags von Georg Christoph Lichtenberg gab die Deutsche Bundespost am 11. Juni 1992 eine Briefmarke (MiNr. 1616) mit dem Portrait des Gelehrten heraus. Entworfen wurde sie von Professor Gerd Aretz, einem der erfolgreichsten Gestalter von Briefmarken in Deutschland.

Geboren am 1. Juli 1742 als 17. und jüngstes Kind des Pfarrers Johann Conrad Lichtenberg und seiner Frau, Henriette Katharina, wuchs Georg Christoph Lichtenberg in Darmstadt auf. Dort besuchte er ab 1752 das Darmstädter Pädagogium, eine Lateinschule, an der er bis 1761 lernte. Zur damaligen Schulausbildung gehört der sogenannte Briefunterricht: Im Schulfach Deutsch dieser Zeit ging es nicht um die Analyse von Texten. Vielmehr erlernten die Schüler das Schreiben von Texten, insbesondere Briefe und Reden. Dies hauptsächlich in Fremdsprachen, darunter Latein, Französisch sowie Englisch.
Der Brief hatte damals eine besondere Bedeutung und galt in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts noch als ein kurzer schriftlicher Vortrag an einen Abwesenden. Das Schreiben von Briefen wurde als eine zu erlernende Technik betrachtet, vergleichbar der Gestaltung anderer literarischer Gattungen. Ein Wandel trat ab etwa 1750 ein, denn jetzt galten Briefe eher als schriftliche Unterredungen mit abwesenden Personen. Der Briefwechsel war nun eher ein Gespräch aus der Ferne.

Studienzeit

1763 erfolgte Lichtenbergs Immatrikulation an der Georgia-Augusta in Göttingen. Der damals üblichen Gepflogenheit eines breit angelegten Studiums folgend, belegte er die Fächer Mathematik, Physik, zivile und militärische Baukunst, Ästhetik, englische Sprache und Literatur, Staatengeschichte Europas, Diplomatik sowie Philosophie.
Das Studium wurde zunächst durch ein geringes landgräfliches Stipendium sowie gelegentliche Tätigkeiten als Korrektor, Dichter und Hauslehrer finanziert. Wohl spätestens 1764 begann Lichtenberg zudem mit dem Führen von Notizbüchern, die er mit der ihm eigenen Selbstironie als Sudelbücher bezeichnete. Diese begründen wesentlich seine bis heute andauernde Bekanntheit. In den intellektuellen Tagebüchern zeichnete der Gelehrte, offenbar mit großer Akribie und Regelmäßigkeit, eigene Gedanken sowie die anderer auf.
Da Lichtenberg dies aber Zeit seines Lebens im Verborgenen tat, erfuhr die literarische Welt erst später von diesem Teil seines Schaffens. Vor allem seine darin notierten Aphorismen, kurze Gedanken in einem oder wenigen Sätzen, entzückten die Leser.

Einige Beispiele von www.aphorismen.de:

Unverausgabter Entwurf von Brigitte von der Linde.

Der Amerikaner, der den Kolumbus zuerst entdeckte, machte eine böse Entdeckung.

Jeder Fehler erscheint unglaublich dumm, wenn andere ihn begehen.

Manche Leute kommen auf dieselbe Weise zu dem Ehrentitel Genie wie der Tausendfüßler zu seinem Namen. Der heißt ja nicht deshalb so, weil er tausend Füße hätte, sondern weil die meisten Leute nicht weiter als bis 14 zählen können.

Beißende Satire

Dagegen war Georg Christoph Lichtenberg schon zu Lebzeiten bekannt und berüchtigt als Satiriker, der dabei auch vor in Kultur und Religion einflussreichen Zeitgenossen nicht zurückschreckte. Veröffentlicht wurden diese und weitere Texte unter anderem im Göttinger Taschen Calender. Für dessen Redaktion war er erstmals 1778 und für die folgenden 22 Jahre verantwortlich.

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Den kompletten Artikel von Harald Kuhl finden Sie in der aktuellen Ausgabe 14/2017 der Deutschen Briefmarken-Zeitung. Die Zeitschrift ist im Kiosk erhältlich oder bequem per Abo nach Hause.


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Verfasst von: Stefan Liebig

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