36. Evangelischer Kirchentag – Feldpost für wenige Stunden

36. Evangelischer Kirchentag – Feldpost für wenige Stunden

Völlig überraschend wurde am 23. Mai im Internet in dem Artikel „Die Fahne der Feldpost weht weltweit“ durch das Logistikkommando der Bundeswehr vollkommen unscheinbar und beiläufig mitgeteilt,

„dass am Tag der Bundeswehr am 10. Juni an allen 16 beteiligten Standorten und bei Großveranstaltungen wie etwa beim Evangelischen Kirchentag Sonderfeldpostämter eingerichtet werden“.

Wer nun als Sammler den Hinweis richtig gedeutet hatte, musste innerhalb kürzester Zeit eine Möglichkeit finden, sich phil­atelistisch vorzubereiten und zum Kirchentag nach Berlin zu reisen.


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Information erfolgte am Tag zuvor

Auf der offiziellen Feldpostkarte sehen wir neben dem Tagesstempel
mit Hinweis auf das Sonderfeldpostamt und dem Schmuckstempel des
Kirchentags auch das 2016 verwendete Cachet zum 300. Jahrestag der
Einrichtung der Feldpost unter König Friedrich Wilhelm I. von Preußen.

Der 36. Evangelische Kirchentag stand für den 24. bis 28. Mai im Kalender, die Information dazu erfolgte also nur einen Tag früher. Viele Sammler dachten deshalb, das Sonderfeldpostamt werde während des gesamten Zeitraumes Sendungen entgegennehmen. Völlig überraschend wurden sie dann vor die Tatsache gestellt, dass der Container der Feldpost nur am 24. Mai in der Zeit von 15 bis 22 Uhr geöffnet hatte. Viele interessierte Besucher, die später anreisten, wurden enttäuscht, da die Feldpost nicht mehr präsent war. Nach internen Informationen war eigentlich auch geplant, während des gesamten Zeitraumes sowohl in Berlin als auch in Wittenberg anwesend zu sein. Warum das Sonderfeldpostamt, dessen Aufbau und Organisation eines erheblichen Aufwands bedarf, dann aber kurzfristig abgebrochen wurde, ist nicht bekannt. Der Feldpostcontainer war auf dem Dorothea-Schlegel-Platz rund 100 Meter vom Bundespresseamt entfernt aufgebaut worden. Die Leitung vor Ort hatte Oberstleutnant der Reserve Friedhelm Rompel, der über fünf Soldaten der Feldpost als Helfer verfügen konnte.

Deutscher Kirchentag Berlin-Wittenberg

Eingeschriebener Standardbrief mit dem Tagesstempel Feldpost 1100 b
vom 24. Mai 2017: Links sehen wir den schlicht gestalteten Schmuck­stempel zum Kirchentag.

Ein besonderes Cachet mit dem Text „Deutscher Evangelischer Kirchentag Berlin-Wittenberg 24.−28.05.2017 Sonderfeldpostamt“ war neben den obligatorischen älteren Stempeln im Einsatz. Auch eine spezielle mehrfarbige Postkarte mit Feldpostwappen, jedoch ohne Druckvermerk war in Gebrauch und wurde abgegeben. Die Vorderseite zeigte den kirchlichen Hinweis aus dem Ersten Buch Mose „Du siehst mich“ (16,13). Wie immer sind die Marken auf Standardbriefen und Postkarten mit dem Tagesstempel „Feldpost Sonderfeldpostamt“ entwertet worden. Eingeschriebene Sendungen erhielten den Poststempel „Feldpost 1100 b“. Dieser wurde bereits 1989 bei der Feldpostübung „HOLSATIA“ sowie beim Tag der offenen Tür des Verteidigungsministeriums in Berlin und beim Tag der Reservisten, Flugplatzfest Gatow 2015, genutzt. In Berlin entstand schon das zweite Sonderfeldpostamt während eines Kirchentages. Bereits im Mai 2013 war auf dem 34. Evangelischen Kirchentag in Hamburg ein Postamt eingerichtet worden. Aufgrund des Feiertages Fronleichnam und des darauffolgenden Brückentages, an dem die Feldpostleitstelle in Darmstadt nicht besetzt war, ist die in Berlin aufgegebene Post erst am Montag, dem 29. Mai an die Empfänger abgeleitet worden.

Text: Armin Blase

Bildunterschrift Titelabbildung: Die Bildseite der Feldpostkarte gibt das offizielle Plakat zum Kirchentag mit dem Motto „Du siehst mich“ wieder, das dem Ersten Buch Mose entliehen wurde. Links unten versteckt sich ein diskreter Hinweis auf das Jubiläum der Reformation.


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Verfasst von: Stefan Liebig

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