Franz von Taxis zum Gedenken

Franz von Taxis zum Gedenken

„In diesem Jahr fingen die Posten an bestellt zu werden aus Befelch Maximilians I. des Römischen Königs, von Österreich bis in Niederland, in Frankreich und bis nachher Rom. Es lag allweg 5 Meil Wegs ein Post von der andern, einer war zu Kempten, einer zu Bless, einer an der Bruck zu Elchingen und also fortan immerdar 5 Meil Wegs von einander und must allweg ein Post des anderen warten, und so bald der ander zu ihm ritt, so bließ er ein Hörnlein, das hört ein Bott, der in der Herberg lag und mußt gleich auf sein. Einer mußte all Stund ein Meil, das ist 2 Stund weit reiten, oder es ihm am Lohn abgezogen, und mußten sie reiten Tag und Nacht. Also kam oft in 5 Tagen ein Brieff von hier bis nachher Rom.“

Von Station zu Station

Von einem unbekannten Frankfurter Meister stammt das im frühen 16. Jahrhundert gefertigte Tafelbild mit dem Porträt Franz von Taxis, der in der rechten Hand zwei Faltbriefe hält. Reproduziert wurde es unter anderem auf Sondermarken Spaniens und Deutschlands, daneben auf der Marke eines belgischen Blocks, MiNr. 2826, 535 und Block 3 (Abb. Schwaneberger Verlag).

Anschaulich schildert eine Memminger Chronik die Anfänge des modernen Postwesens, 1490. Besonders eindrucksvoll dokumentierte der Autor ein Prinzip, das wir gewöhnlich erst auf das 18. Jahrhundert datieren. Doch schon die Familie Tasso, eingedeutscht Taxis, 1512 geadelt, ab 1650 schließlich Thurn und Taxis, praktizierte die Arbeitsteilung, die Adam Smith, der Begründer der Volkswirtschaftslehre, so unnachahmlich zu beschreiben wusste. Spezialisierte sich bei Smith jeder Arbeiter auf einen Fertigungsschritt, um eine Nadel zu produzieren, setzte die Familie Taxis ihre Boten auf festen Touren ein. Die Arbeiter reichten die Nadel von Platz zu Platz weiter, die Boten die Briefe von Poststation zu Poststation.
Sicher, das Grundprinzip kannte man bereits in der Antike. Numismatiker wissen beispielsweise, dass die frühen Stempelschneider gewöhnlich nicht für die Prägung des Metalls zuständig waren. Den Stempel herzustellen, erforderte eine gewisse Kunstfertigkeit, mit der nicht jeder aufwarten konnte, derweil es genügend Menschen – nicht selten Sklaven – gab, die kräftig mit dem Hammer zuschlagen konnten. Auch kann man die Ausbildung der einzelnen Gewerbe als Schritt zur Arbeitsteilung hin interpretieren, das heißt, der eine fertigt Zaumzeug, der andere spannt die Pferde vor den von einem Dritten produzierten Pflug.

Postbeförderung in Arbeitsteilung

Drei Monarchen, von Künstlerhand im Mehrfarben-Stichtiefdruck porträtiert: Links sehen wir Maximilian I., König und Kaiser des Heiligen Römischen Reichs. In der Mitte steht Philipp der Schöne Modell, Herzog von Burgund und König von Spanien. Rechts zeigt sich der römisch-deutsche Kaiser Karl V. in prächtigem Ornat, MiNr. 1157 bis 1159 (Abb. dieser Seite Schwaneberger Verlag).

Die Familie Taxis indessen schuf ein System, das bereits Ansätze des Taylorismus enthielt. Frederick Winslow Taylor zerlegte den Arbeitsprozess in kleinste Schritte und gab den Arbeitern bis ins Detail vor, wie sie vorzugehen hatten. So weit konnte die Familie Taxis natürlich nicht gehen. Ihre Boten mussten das Felleisen mit den Briefen entgegennehmen, zur nächsten Station reiten und dort das Felleisen an den Kollegen weiterreichen. Zudem waren sie für die Betreuung der Pferde mitverantwortlich. In den Herbergen gab es natürlich Beschäftigte, die auch die Pferde pflegten. Ein System wie die Botenpost der Familie Taxis ließ sich aber nur umsetzen, wenn Mensch und Tier harmonierten, also die Boten ihre Pferde und die Rösser ihre Reiter kannten – die Arbeitsteilung hat mitunter natürliche Grenzen. In den kommenden Jahrhunderten sollte die Familie Taxis nicht nur diese ausloten …

Sie finden den kompletten Beitrag von Dieter Heinrich zum 1000. Geburtstag des Kaiser in der aktuellen Ausgabe der Deutschen Briefmarken-Zeitung 24/2017. Was Sie sonst noch erwartet, sehen Sie im Inhaltsverzeichnis der aktuellen Ausgabe. Abonnenten erhielten das Heft bereits etwas im Voraus und konnten wie üblich schon einige Tage früher im Heft lesen – und sparen außerdem Geld gegenüber dem Kauf im Einzelhandel. Seit dem 1. September ist die erste Oktober-Ausgabe der DBZ 23/2017 aber natürlich auch am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder direkt über unseren Vertrieb erhältlich.


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Verfasst von: Stefan Liebig

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