Down Under: Kultur der Aborigines

Down Under: Kultur der Aborigines

Am 24. Oktober hat die australische Postverwaltung eine Briefmarkenserie mit Abbildungen von Werken zeitgenössischer Kunst von Aborigines aus dem dünn besiedelten Norden des riesigen Landes herausgegeben. Sie würdigt damit das künstlerische Schaffen von Australiens Ureinwohnern, einer der weltweit ältesten kontinuierlichen Kunsttraditionen.

60000 Jahre Kultur

Banduk Marikas Arbeiten basieren auf eigenen Traumzeit-Geschichten, darunter die Erschaffung der Fische sowie die Entstehung von deren Namen.
Die komplexen Riten der Bewohner der Tiwi-Inseln sind das Thema der auf diesen Briefmarken gezeigten Kunsterwerke von Bede Tungutalum.

Als Europäer ab 1788 damit begannen, Australien ohne Rücksicht auf die dort bereits lebenden Bewohner als neue Sträflingskolonie in Besitz zu nehmen, siedelten dort laut Schätzungen bereits bis zu eine Million sogenannte Ureinwohner. Wie auch in anderen Regionen der Erde, etwa in Nordamerika, war dies allerdings nie eine kulturell einheitliche Bevölkerungsgruppe. Vielmehr wurden von den Europäern die zahlreichen Stämme sowie Clans mit ihren unterschiedlichen Sprachen und eigenen kulturellen Traditionen unter dem Oberbegriff Aborigines, ursprünglich abwertend gemeint, einfach zusammengefasst. In Australien selbst unterscheidet man heute zwischen den Aboriginals und den Torres-Strait-Insulanern, die auf Inseln in der Meerenge zwischen Australien und dem nördlich gelegenen Papua Neuguinea leben.
Die Vorfahren der heutigen indigenen Bevölkerung erreichten Australien, aus Asien kommend, vermutlich über eine frühere Landbrücke von Papua Neuguinea aus. Im Norden Australiens bestehen demnach innerhalb des Kontinents die längsten indigenen Traditionen und heute ist diese Region das Zentrum des kulturellen Schaffens der Ureinwohner.
Letzteres liegt auch daran, dass die australische Politik jahrzehntelang auf kulturelle Assimilation ausgelegt war und primär im dünn besiedelten sogenannten Northern Territory eigene indigene Siedlungen bis heute erhalten geblieben sind. Ein Großteil der dort lebenden Menschen spricht weiterhin die Sprache der eigenen Ethnie.

Briefmarkenkunst

Das künstlerische Schaffen der australischen Ureinwohner reicht von 40000 Jahre alten Wandmalereien bis zur heutigen modernen Kunst, die ihre Wurzeln weiterhin im Indigenen hat. Mit Banduk Marika und Bede Tungutalum wurden zwei im Land und darüber hinaus sehr erfolgreiche indigene Künstler ausgewählt, deren Werke nun auf den vier neuen Briefmarken zu sehen sind.
Tungutalum, geboren 1952 auf den nördlich von Darwin gelegenen Tiwi-Inseln, arbeitet und lebt heute in Wurrumiyanga; seine künstlerischen Schwerpunkte sind die Schaffung von Holzskulpturen sowie Gemälden. Die Künstlerin Banduk Marika wurde 1954 in Yarrika im Arnhem-Land geboren und verwendet als Grundlage ihrer Kunstwerke unter anderem Baumrinde.

Contra Fälscher

Banda Marika engagiert sich außerdem in einer Initiative gegen die Ausbeutung indigener Kunstmotive durch den Andenkenhandel. Geschätzte 80 Prozent der an Australientouristen verkauften Souvernirs stammt aus Fabriken in Asien – unter Missachtung indigener Urherberrechte. Dies, erklärte die Künstlerin, nehme den Menschen des Northern Territorys ihre Existenzgrundlage. Um auf das Problem aufmerksam zu machen und für einen fairen Umgang mit den Künstlern zu werben, wurde der Indigenous Art Code ins Leben gerufen.

Text: Harald Kuhl

Text Titelabbildung: Das australische Northern Territory ist mit 245000 Einwohnern nur sehr dünn besiedelt; 80 Prozent der Bevölkerung lebt in den drei Städten Alice Springs, Darwin sowie Palmerston (Foto: Frans-Banja Mulder, CC BY 3.0).

Literatur: Wally Caruana: Die Kunst der Aborigines; München 1999; www.indigenousartcode.org

 

 


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Verfasst von: Stefan Liebig

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