Das Ende der Postschiffe: RMS St. Helena fährt nicht mehr

Das Ende der Postschiffe: RMS St. Helena fährt nicht mehr

Wenn am 15. Februar 2018 die RMS St. Helena (Royal Mail Ship) den Hafen von Kapstadt erreicht, endet eine Ära: Das letzte königliche Postschiff Großbritanniens, zu dessen Aufgaben bis vor Kurzem die regelmäßige Beförderung von Bedarfspost gehörte, stellt den Fahrbetrieb zwischen den oft Sturm umtosten Atlantikinseln Ascension, St. Helena und Tristan da Cunha ein. Seit dem 14. Oktober 2017 ist St. Helena per Linienflug erreichbar.

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RMS St. Helena im Hafen von Kapstadt (Foto: Neil Fantom, CC BY 2.0).

Königliche Postschiffe

Das erste Royal Mail Ship, die RMS Britannia, nahm am 4. Juli 1840 den Liniendienst zwischen Liverpool in Großbritannien und Boston an der Ostküste der USA auf. In ihrer Blütezeit verbanden solche Postschiffe alle Winkel des British Empire und des Commonwealth miteinander und stellten so einen zuverlässigen Postverkehr sicher.
Geboren wurde die Idee im Mai 1839, als der Kanadier Samuel Cunard mit der britischen Admiralität einen Vertrag abschloss: Mit mindestens drei Dampfschiffen sollten zweimal monatlich Briefe und Pakete über den Atlantik transportiert werden. Cunard gründete daraufhin die British & North American Royal Mail Steam Packet Company, später bekannt als Cunard Line.
Bald kamen weitere Routen und Schiffe hinzu, die auch Kabinen für Passagiere vorhielten. Der Zusatz RMS entwickelte sich zum Qualitätsmerkmal, denn diese Postschiffe waren bekannt für ihre Pünktlich- und Schnelligkeit. Später erhielten weitere Reedereien Verträge für die Postbeförderung und durften ihre Schiffe fortan mit dem Zusatz RMS betreiben, darunter die White Star Line. Auch die RMS Titanic war ein königliches Postschiff, deren fünf für den Betrieb des Bordpostamts zuständigen Postangestellten im kalten Wasser des Atlantiks ihr Leben ließen.
Mit der zunehmenden Aufnahme regelmäßiger internationaler Flugverbindungen ab den 1930er-Jahren verloren die Royal Mail Ships für die Postbeförderung kontinuierlich an Bedeutung. Nach der Eröffnung des neuen Flughafens auf St. Helena betrifft dies nun ebenfalls den Postschiffsverkehr dorthin.

Dieser Block (Ascension, MiNr. 539, Block 22) von 1990 zeigt die Route der neuen RMS St. Helena und die Umrisse der im Linienverkehr regelmäßig angelaufenen Inseln. Rechts ist der anlässlich der letzten Fahrt verwendete Stempel abgebildet.

2 x RMS St. Helena

Die heutige RMS St. Helena ist bereits das zweite Schiff mit diesem Namen. Seit 1900 verkehrten Passagier- und Frachtschiffe der Union Castle Line zwischen Southampton in Großbritannien und Kapstadt in Südafrika und liefen dabei auch die Insel St. Helena an. 1977 stellte die Reederei diese Linie ein und die britische Regierung kaufte daraufhin zur Versorgung der Inselbewohner das Frachtschiff Northland Prince, das zusätzlich mit Kabinen für 76 Passagiere ausgestattet war und zuvor in Nordamerika im Fährdienst zwischen Vancouver und Alaska fuhr. Das 1963 gebaute Schiff wurde modernisiert und hieß nun RMS St. Helena. Während des Falklandskriegs im Frühsommer 1982 war es dort als Begleitschiff für Minensucher im Einsatz.
Das heutige Postschiff St. Helena wurde 1989 in Aberdeen eigens für die Fahrten zu den Inseln gebaut und ist seit 1990 im Einsatz. Mit einer Größe von über 6700 Bruttoregistertonnen bietet es Platz für Ladungen aller Art sowie Kabinen für 156 Passagiere; eine Crew von 50 Offizieren und Mannschaften sorgt für den sicheren Betrieb. Die Ausstattung erinnert an ein kleines Kreuzfahrtschiff und bietet unter anderem ein Schwimmbad, eine Bibliothek, ein Restaurant mit Kapitänstisch sowie eine umfangreiche medizinische Ausrüstung inklusive Bordarzt. Letzterer hilft bei medizinischen Notfällen auch auf den Inseln.

Letzte Fahrten

Gleichzeitig mit dem auf Seite 28 abgebildeten Block kamen diese Marken (MiNr. 536–538) mit Bildern der alten und neuen RMS St. Helena heraus; rechts eine Szene von der Taufe.

Voyage 268 war laut der bei Redaktionsschluss für diese DBZ-Ausgabe aktuellen Planung die letzte Fahrt der RMS St. Helena. Deren Route führte am 24. Januar 2018 von Kapstadt nach St. Helena sowie Ascension und anschließend zurück über St. Helena nach Kapstadt in Südafrika.
Vor Tristan da Cunha lag das RMS letztmals während Reise 267, bei der sich allerdings einmal mehr die Natur als der in der Region bestimmende Faktor zeigte. Denn eigentlich stand auf dem Fahrplan Mittwoch, der 3. Januar 2018, als Tag der Ankunft und das Schiff sollte für drei Tage vor dem kleinen Inselhafen, Calshot Harbour, ankern. Ein Anlegen ist dort für große Schiffe nicht möglich und Passagiere müssen daher mit kleinen Motorbooten, sogenannten Zodiacs, an Land gebracht werden; Güter werden auf Flößen durch die Brandung manövriert.
Doch wegen zu starken Wellengangs war dies nicht möglich und so entschied der Kapitän, zur zeitlichen Überbrückung den mitfahrenden Passagieren einen Abstecher zur benachbarten Insel Gough zu bieten und Tristan am folgenden Tag erneut anzulaufen. Doch waren die Wetterbedingungen auch am 4. Januar schwierig, sodass nur der britische Verwalter der Insel sowie die zurückkehrenden Einheimischen übersetzen konnten. Die mitreisenden Touristen mussten an Bord bleiben, konnten aber dank eines weiteren ungeplanten Ausflugs der RMS St. Helena einen Blick auf die Inseln Nightingale und Inaccessible werfen. Dorthin hatte vor über 80 Jahren eine große wissenschaftliche Expedition unter norwegischer Leitung geführt (siehe DBZ 1/2018, Seite 65).
Erst am Samstag, den 6. Januar, war die See vor Tristan da Cunha schließlich ruhig genug, um den Tristan-Touristen wenigstens einen kurzen Inselaufenthalt zu ermöglichen. Hierfür hatte der Kapitän den Fahrplan des RMS eigens angepasst und die Fortsetzung der Reise um einen Tag verschoben. Aufgrund der Kürze des Aufenthalts mussten organisierte Besichtigungen, Wanderungen und Rundfahrten für die Besucher allerdings ausfallen und jeder erkundete die einzige Siedlung, Edinburgh of the Seven Seas, auf eigenen Wegen. Einige Touristen waren schon früher auf Tristan gewesen und trafen sich mit alten Freunden. Andere besuchten das Inselpostamt und nutzten die Gelegenheit, von Tristan einen letzten Brief mit der RMS St. Helena zu schicken. Bereits um 14 Uhr mussten sich alle Gäste wieder am Hafen einfinden, denn wegen der Brandung würde die Rückkehr an Bord einige Stunden dauern. Das Schiff verließ die Insel an diesem Abend zum letzten Mal. Nun übernimmt die südafrikanische SA Agulhas II die Versorgung.
Weniger Glück hatten Mitte Januar die rund 300 Passagiere des Kreuzfahrtschiffs MS Europa 2, das auf dem Weg von Buenos Aires nach Kapstadt einen Abstecher nach Tristan unternahm. Aufgrund der erneut schwierigen Wetterbedingungen war ein Übersetzen von Passagieren für einen Inselbesuch von vornherein nicht geplant. Doch fragte die Reiseleitung des Schiffs vorab an, ob die für solche Gelegenheiten auf Tristan zusammengestellten Teams an Bord des Kreuzfahrers kommen könnten. Diese bieten den Passagieren dann Souvenirs, Ansichtskarten sowie Briefmarken von der Insel an und wer will, kann sich sogar einen Einreisestempel von Tristan da Cunha in seinen Reisepass setzen lassen. Doch als das Schiff morgens vor dem Hafen eintraf, machten die Wetterprognosen alle Pläne zunichte und die MS Europa 2 setzte ihre Fahrt fort. Diese Vorsicht war nicht übertrieben, denn nachmittags kam Starkwind auf mit bis zu vier Meter hohen Wellen; die Mitarbeiter des Inselpostamts hätten nicht zurück an Land gekonnt.

Postschiff St Helena DBZ Deutsche Briefmarken Zeitung Fahrbetrieb Stempel Block Geburtstag (5)

Am 30. Jahrestag des Einsatzes der ersten RMS St. Helena im Falklandkrieg gab die Postverwaltung von St. Helena diese Serie mit fünf Marken (MiNr. 1168–1171) heraus.

Postschiff St Helena DBZ Deutsche Briefmarken Zeitung Fahrbetrieb Stempel Block Geburtstag (4)

FDC von Tristan da Cunha zur Jungfernfahrt der zweiten RMS St. Helena im September 1990.

Abschiedsbesuch

Die Bewohner St. Helenas werden „ihr“ königliches Postschiff vom 6. bis 10. Februar letztmals sehen. Für den 9. Februar ist ein Open Ship geplant, bei dem Insulaner einige Bereiche des Schiffs besichtigen können. Am 10. Februar setzt die RMS St. Helena ihre letzte Fahrt nach Kapstadt fort. Dort soll sie am 15. Februar eintreffen und steht anschließend zum Verkauf. Nach 27 Jahren auf See wird das letzte königliche Postschiff über zwei Millionen Nautische Meilen zurückgelegt haben.

Text: Harald Kuhl / Text zur Titelabbildung: Block anlässlich des 25. Jubiläums der Indienststellung (MiNr. 1214, Bl. 63).

Literatur:
John Wright: Full steam ahead; Edenbridge 2017
RMS St. Helena: www.rms-st-helena.com
St. Helena: www.sainthelena.gov.sh
Tristan da Cunha: www.tristandc.com


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Verfasst von: Stefan Liebig

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