„Ein Tag ohne Fußball ist ein verlorener Tag.“ (Ernst Happel)

„Ein Tag ohne Fußball ist ein verlorener Tag.“ (Ernst Happel)

Im Zusammenhang mit Fußball-Ereignissen wird immer schnell und gern von Legenden gesprochen. Elf Jahre lang trafen sich im Hamburger Millerntor-Stadion jeweils am ersten ligafreien Wochenende im September viele bekannte Fußballspieler früherer Jahre zum Prominentenkick „Tag der Legenden“. Im Netz portraitieren Webseiten mehrere Dutzend Ausnahmespieler vergangener Jahrzehnte als „Fussball-Legenden“ und der Göttinger Werkstatt-Verlag veröffentlichte ein Lexikon „Die legendären WM-Torhüter“.

WM-Wasserschlacht, Pfostenbruch und Büchsenwurf …

Auch das Bundesfinanzministerium spricht bei den aktuellen Sporthilfe-Zuschlagsmarken von Sportlegenden und legendären Fußballspielen. Dabei wird Legende im engeren Sinn als erbauliche Erzählung über das Leben und den Tod oder das Martyrium von Heiligen definiert.

Das Wichtigste ist das Spielgerät, links ein Motiv vom Januar 2000 (MiNr. 2091) und rechts ein Motiv aus dem Mai 2016 (MiNr. 3235).

Legendäre Fußballspiele

Aber für viele Fußballfans kommen die Helden auf dem kurzgeschnittenen Rasen Heiligen gleich, wie man am emotionalen Ausruf „Toni, du bist ein Fußballgott“ des Radioreporters Herbert Zimmermann beim 1954er-Endspiel erkennen kann. In eine ähnliche Richtung argumentierten Anwohner des Schalker Markts, wenn sie evangelikale Werbetafeln „An Jesus kommt keiner vorbei“ mit Wortwitz ergänzten: „außer Stan Libuda“. Auch der Argentinier Diego Maradona bemühte himmlische Unterstützung, als er beim Viertelfinalspiel gegen England ein irreguläres Tor per Faust erzielte und später behauptete, „die Hand Gottes“ sei ihm zu Hilfe gekommen.

Wenn im Folgenden an zahlreiche legendäre Spiele erinnert wird, soll versucht werden, die unvergessenen Begegnungen in drei Gruppen zu gliedern. Da sind zum einen die unwiederbringlichen Entscheidungsspiele, die unmittelbar über Meisterschaft, Pokalsieg oder Abstieg entschieden. Die zweite Gruppe von Spielen ist wegen einer besonders kuriosen Begebenheit in kollektiver Erinnerung geblieben und die dritte Kategorie von Spielen hat einen völlig unerwarteten Ausgang genommen. Ein Außenseiter hat den vermeintlichen Favoriten geschlagen.

Entscheidungsspiel

Jeweils zu ihrem hundertsten Geburtstag widmete Deutschland seinen legendären Weltmeistertrainern von 1954 und 1974 eigene Sondermarken: Sepp Herberger (links, MiNr. 1896) und Helmut Schön (rechts, MiNr. 3174).

In vergangenen Jahrzehnten war die Bundesliga spannender als heute, da gab es noch feste Spieltage ohne Freitags- und Montagsspiele und gelegentlich wurde die Meisterschaft erst am letzten Saisonwochenende entschieden, wie im Jahre 1967. Vor dem letzten Spiel führte Eintracht Braunschweig die Tabelle mit zwei Punkten Vorsprung an. Die Mannschaft konnte also aus eigener Kraft Deutscher Meister werden. Diese Chance ließen sich die Niedersachsen nicht nehmen und besiegten den 1. FC Nürnberg im heimischen Stadion mit 4:1, zweimal Ulsaß sowie Saborowski und Moll waren die Torschützen. Es sollte bis heute die einzige Deutsche Meisterschaft der Braunschweiger bleiben.
Zwei Spiele vor dem Ende der Bundesligaspielzeit 1985/86 lag Werder Bremen zwei Punkte vor Verfolger Bayern München. Im vorletzten Spiel trafen beide Teams im direkten Vergleich aufeinander, durch einen Sieg hätten sich die Bremer vorzeitig die Meisterschaft sichern können. Beim Stand von 0:0 bekamen die Bremer in der 88. Minute einen fragwürdigen Elfmeter zugesprochen. Der sonst so zielsichere Michael Kutzop bekam als Elfmeterschütze die Chance, die Meisterschaft vorzeitig nach Bremen zu holen. Doch sein Schuss streifte nur den Außenpfosten und kostete Bremen die Meisterschale, denn am letzten Spieltag unterlagen sie in Stuttgart 1:2 und die Bayern schlugen Borussia Mönchengladbach mit 6:0. Punktgleich mit den Bremern, aber mit einem besseren Torverhältnis wurden die Münchener Deutsche Fußballmeister.

Ein Spiel: 12 Tore

In der Bundesligasaison 1977/78 standen der 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach seit dem 31. Spieltag mit gleicher Punktzahl an der Tabellenspitze. Nur aufgrund des besseren Torverhältnisses belegte Köln den ersten Platz. Die Meisterschaft sollte sich am letzten Spieltag entscheiden. Vor dem letzten Spiel betrug die bessere Tordifferenz der Kölner uneinholbare 10 Treffer. Doch den Gladbachern gelang das unmöglich Geglaubte, sie besiegten Borussia Dortmund mit 12:0. Dennoch reichte dies nicht zur Meisterschaft, denn die Kölner setzten sich 5:0 beim Absteiger St. Pauli durch. Nur in fünf Bundesligaspielen landete der Ball jeweils zwölfmal im Netz, viermal waren die Dortmunder Borussen beteiligt. Im November 1963 fertigten sie den 1. FC Kaiserslautern mit 9:3 ab, 19 Jahre später, wieder im November, demütigten sie Arminia Bielefeld 11:1. Im November 1971 wurden die Dortmunder von Bayern München 11:1 nach Hause geschickt.

Wasserschlacht

Einige Fußballpartien bleiben nicht wegen der sportlichen Spannung auf dem Rasen in Erinnerung, sondern wegen Kuriositäten und Besonderheiten, die sich im Umfeld der Begegnung ereigneten. Hierzu gehört sicherlich die große Wasserschlacht während der 1974er-Weltmeisterschaft. Knapp 90 Minuten vor Spielbeginn des Zwischenrundenspiels, bei dem Deutschland und Polen aufeinander trafen, verursachte ein Wolkenbruch Niederschläge von 14 Liter pro Quadratmeter im Frankfurter Waldstadion. Der Platz war nahezu unbespielbar, die Partie hätte abgesagt werden müssen. Doch angesichts des engen WM-Spielplans entschied man sich, die Begegnung durchzuführen. Die Feuerwehr hatte die gröbsten Wassermassen abgepumpt und versuchte, mit Walzen das Oberflächenwasser abzuschöpfen.

Auf deutschen Briefmarken sollen keine lebenden Personen abgebildet werden, deshalb wurden die Spielszenen der Weltmeisterschaftsbriefmarken verfremdet. Der interessierte und forschende Fußball-Philatelist kann aber auf der 30-Pfennig-Marke den Torhüter Horst Wolter und auf der 40-Pfennig-Marke den Stürmer Uli Hoeneß ausmachen.

Mit 30-minütiger Verspätung pfiff Schiedsrichter Erich Linemayr zum Anstoß, obwohl der Platz noch von großflächigen Pfützen übersät war. Das Kurzpassspiel, eine besondere Fähigkeit der spielerisch starken Polen, war bei diesen Bodenverhältnissen nicht möglich. Der Ball blieb bereits nach kurzen Strecken liegen. Selbst gute Techniker konnten ihre Stärken nicht ausspielen. Ein Tor von Gerd Müller in der 76. Minute sicherte der deutschen Mannschaft den Sieg und den Einzug ins Finale.Ein vergleichbares Regenspiel wiederholte sich 37 Jahre später auch in der Bundesliga. Am 17. September 2011 sorgte ein Wolkenbruch bei der Partie zwischen dem 1. FC Nürnberg und Werder Bremen für ähnliche Platzverhältnisse wie bei der Weltmeisterschaft 1974 in Frankfurt.

„Das nächste Spiel ist immer das schwerste.“ (Sepp Herberger)

Die Wasserschlacht von Frankfurt findet keine Erwähnung auf den beiden Sondermarken der Bundespost zur Fußballweltmeisterschaft 1974. Der forschende Fußballfan kann zwei deutsche Spieler erkennen. In verfremdeter Form – denn lebende Persönlichkeiten sollen nicht auf deutschen Postwertzeichen abgebildet werden – werden Torhüter Horst Wolter auf der 30-Pfennig-Marke und Stürmer Uli Hoeneß auf der 40-Pfennig-Marke gezeigt. Uli Hoeneß kam 1974 bei sämtlichen sieben WM-Spielen zum Einsatz. Gegen Schweden erzielte er ein Elfmetertor, gegen Polen verschoss er einen Strafstoß. Bei der Weltmeisterschaft 1974 hütete Sepp Maier in sämtlichen Partien das deutsche Tor. Horst Wolter gehörte überhaupt nicht zum Kader. Wolter bestritt sein letztes Länderspiel bei der Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko. In Wolters einzigem WM-Spiel setzte sich Deutschland 1:0 gegen Uruguay durch. Wolter ist somit der einzige männliche deutsche Torhüter, der bei einer Weltmeisterschaft ohne Gegentor blieb.

Kein Gegentor

Stürmerin Birgit Prinz (li.) und Torhüterin Nadine Angerer (re.) wurden 2003 und 2007 Fußball-Weltmeister. Mit sieben Treffern in sechs Spielen wurde Birgit Prinz 2003 WM-Torschützenkönigin. Nadine Angerer kam 2003 nicht zum Einsatz, vier Jahre später war sie die Nummer eins im deutschen Tor. In sechs Partien konnte sie jegliche Gegen­treffer verhindern. Im Finale hielt sie einen Elfmeter und wurde am Ende zur besten Torfrau des Turniers gewählt. Die Stiftung Deutsche Sporthilfe porträtierte beide Ausnahmespielerinnen mittels Briefmarken auf Privatbestellung.

Dieses Kunststück, keine Gegentreffer zuzulassen, gelang Torfrau Nadine Angerer in sämtlichen sechs Begegnungen der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2007 in China. Angerer war erst Anfang 2007 die Nummer eins im deutschen Frauennationalteam geworden. Ihre Vorgängerin Silke Rottenberg hatte einen Kreuzbandriss erlitten und fiel für mehrere Monate aus.
Angerer, die in der Bundesliga für Turbine Potsdam spielte, nutzte ihre Chance. Im 2:0-Finale gegen Brasilien gehörte sie zu den Leistungsträgerinnen und konnte sogar einen Elfmeter der brasilianischen Ausnahmestürmerin Marta parieren. Abschließend wurde Nadine Angerer zur besten Torhüterin des Turniers gewählt.

Pfostenbruch

Heutige Fußballtore sind aus Aluminium. Das war nicht immer so, 1971 bestanden die Bundesligatore noch aus Holz. Am 3. April trafen die Gladbacher Borussen auf dem heimischen Bökelberg auf den SV Werder Bremen. Kurz vor Spielende, das Spiel stand 1:1, segelte der Gladbacher Stürmer Herbert Laumen bei dem Versuch, einen Freistoß von Günter Netzer zu erreichen, mit Schwung in die Maschen des Bremer Tornetzes. Bei dem Versuch, sich aufzurichten, brach der linke Torpfosten in Bodennähe ab. Nachdem Helfer und Ordner vergeblich versucht hatten, das Tor aufzurichten, brach Schiedsrichter Gert Meuser die Partie in der 88. Minute ab.
Die Bremer hätten die Partei gern zu Ende gespielt, denn sie waren mit dem Spielstand zufrieden. Die Gladbacher hingegen, die um die Meisterschaft spielten, hofften auf ein Wiederholungsspiel, bei dem sie glaubten, die Bremer schlagen zu können. Doch es kam anders als erwartet. Der Deutsche Fußballbund wertete das Spiel 2:0 für die Bremer, weil Gastgeber Mönchengladbach keinen Ersatz für das zerstörte Tor stellen konnte. Trotz dieses Punktverlustes konnten die Gladbacher am Saisonende die Deutsche Meisterschaft feiern, denn sie gewannen alle restlichen Partien. Der morsche Torpfosten kann heute im Borussen-Museum begutachtet werden. Er wird in unmittelbarer Nähe zu den Pokalen und Meisterschalen aufbewahrt.

Keine Übertragung

Ein halbes Jahr später gab es bereits wieder ein denkwürdiges Fußballspiel mit Gladbacher Beteiligung. Am 20. Oktober 1971 im Achtelfinal-Hinspiel des Europapokals der Landesmeister spielten sich die Borussen vor heimischem Publikum in einen Rausch. Bereits zur Halbzeit lagen sie durch jeweils zwei Tore von Jupp Heynckes und Ulrik le Fevre und einen Treffer von Günter Netzer 5:1 in Führung gegen Inter Mailand, den italienischen Meister. Beim Schlusspfiff stand es 7:1. Die hochgehandelten Catenaccio-Experten hatten dem Sturmwirbel vom Niederrhein nichts entgegenzusetzen.
Diese denkwürdige Partie konnte nur von 28 000 Besuchern des wegen Umbauarbeiten nicht voll auslastbaren Bökelberg-Stadions verfolgt werden. Eine geplante Fernsehübertragung scheiterte, weil sich Gladbachs Geschäftsführer Helmut Grashoff und die ARD zwar über die Kosten der Übertragungsrechte in Höhe von 60 000 Mark einigen konnten, nicht jedoch über die entstehende elfprozentige Mehrwertsteuer, die Grashoff zusätzlich verlangte, die ARD aber nicht zu zahlen bereit war. So blieben Fernsehzuschauer ausgeschlossen.

Fussball Legenden Schiedsrichter Fehldruck Briefmarke

Der Brandenburger Schiedsrichter Peter Hertel kam im Jahre 2002 zu unerwarteten Ehren. Er hatte 1997 auf einem norwegischen Jugendturnier gepfiffen. Durch eine Verwechslung – eigentlich sollte sein norwegischer Kollege Lars Johan Hammer abgebildet werden – erschien Hertels Oberkörper im Schiri-Dress auf einer 5,50-Kronen-Marke (MiNr. 1427).

Eine leere Dose

Einige Borussen-Spieler ahnten bereits, dass nach diesem furiosen Kantersieg ein dickes Ende noch bevorstand. In der 28. Spielminute wurde eine Getränkedose aus den Zuschauerrängen in Richtung Spielfeld geworfen. Sie traf den italienischen Stürmer Roberto Boninsegna an der Schulter. Der Spieler sank zu Boden und ließ sich auf einer Trage vom Spielfeld tragen. Vergeblich hatten die Gladbacher versucht, einen Beobachter in die italienische Kabine zu schicken, um nach dem Verletzten zu schauen. Die Italiener verweigerten den Zugang.
Abwehrspieler Ludwig Müller, den seine Mitspieler Luggi nannten, hatte nach dem Vorfall die Dose vom Spielfeld gekickt. Er meinte später, die Dose sei fast leer gewesen und sprach von einer schauspielerischen Leistung Boninsegnas, der noch von der Trage seinen Mitspielern zugezwinkert habe. Die UEFA-Disziplinarkommission annullierte die Begegnung und ordnete ein Wiederholungsspiel an. Das Rückspiel in Mailand gewannen die Italiener mit 4:2. Die Wiederholungspartie fand im Berliner Olympiastadion statt und endete 0:0. Gladbach war aus dem Europapokal ausgeschieden.
Das Ausscheiden enttäuschte die Borussen-Spieler schwer. Aber einen traf es besonders schwer: Luggi Müller. Er musste in der 88. Minute vom Platz getragen werden. Ihn hatte keine Dose getroffen, sondern der Tritt seines Gegenspielers Roberto Boninsegna. Durch das Foul wurden Müllers Schien- und Wadenbein gebrochen, ihm drohte das sportliche Karriereende. Doch der fränkische Dickschädel gab nicht auf. Zehn Monate später gelang ihm sein Comeback im Team von Hertha BSC.

Pokalheld

Jede Sportart liebt ihre Helden und eine dieser Heldengeschichten sollte während des englischen Pokalfinales 1956 ausgerechnet von einem Deutschen geschrieben werden. Am 5. Mai wurde im Londoner Wembley-Stadion das 75. Endspiel des Football-Association-Cups ausgetragen. 100 000 Zuschauer sollen sich im Stadion versammelt haben, in der königlichen Loge saß Prinz Philip.
Die Mannschaften von Manchester City und Birmingham trafen aufeinander. Im Tor von Manchester stand ein Deutscher: Bert Trautmann. Der in Bremen als Bernhard Trautmann geborene Sportler war während des Zweiten Weltkrieges als Fallschirmjäger von den Briten festgenommen und in ein Kriegsgefangenenlager gesteckt worden. Nach seiner Freilassung blieb er auf der britischen Insel und ließ sich in Lancashire nieder. Über einen Amateurclub kam er zum Team von Manchester City. Wegen seiner Herkunft war der Deutsche im Nachkriegsengland bei den Fußballfans nicht sonderlich beliebt. Doch das sollte sich an diesem 5. Mai ändern.

Knie in den Nacken

Manchester führte seit der 68. Spielminute mit 3:1 und Birmingham rannte gegen das gegnerische Tor an, um noch eine Wende des Spiels herbeizuführen. Etwa in der letzten Viertelstunde des Spiels knallte Trautmann bei einem Abwehrversuch im Fünfmeterraum mit Mittelstürmer Peter Murphy zusammen. Unbeabsichtigt bekam er dessen Knie in den Nacken und blieb bewusstlos liegen. Der Mannschaftsarzt von Manchester City lief auf das Feld, weckte Trautmann mit Riechsalz und drückte ihm einen nassen Schwamm in den Nacken. Nur langsam kam der zunächst orientierungslose Trautmann wieder auf die Beine. Er brauchte einige Minuten, bis er wieder im Tor stand. Spielerauswechslungen waren zum damaligen Zeitpunkt nicht erlaubt.
Die letzten Spielminuten erlebte Trautmann wie in Trance. Mehrfach wurde ihm schwarz vor Augen, mehrmals stützte er seinen Hals mit der rechten Hand. Trotzdem warf er sich noch einige Male in die Flanken der verzweifelt stürmenden Spieler von Birmingham. Bei einer weiteren Flanke von rechts lief Trautmann aus seinem Tor und fing den Ball, wurde aber im Sprung von einem Gegen- und Mitspieler unterlaufen und prallte abermals hart auf den Boden. Erneut verlor er kurzzeitig das Bewusstsein. Doch er spielte weiter. Bis zum Schlusspfiff hielt er durch und verhinderte Gegentreffer. Das Spiel endete 3:1, Manchester City gewann den FA-Cup. Doch Trautmann konnte nach der Siegerehrung nicht wirklich mitfeiern. Sein Kopf hatte keinen Halt und hing ständig nach rechts, Trautmann hatte starke Schmerzen, die auch in den folgenden Tagen nicht nachließen.

„Einige Leute halten Fußball für einen Kampf um Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich versichere Ihnen, es ist viel ernster!“ (Bill Shankly)

Drei Tage nach dem Spiel begab sich Trautmann zu einem Orthopäden. Der ließ den Nacken röntgen und stellte fest: Fünf Halswirbel waren ausgerenkt. Vier Wirbel konnte der Arzt wieder einrenken, wegen des fünften schickte er den Torhüter in eine Spezialklinik. Dort wurde festgestellt, dass der zweite Halswirbel diagonal gebrochen war. Trautmann musste mehrere Wochen in der Klinik bleiben und im Anschluss fünf Monate einen Gipsverband tragen, der vom Hals bis zur Hüfte führte, damit der Halswirbel wieder zusammenwachsen konnte.
Trautmann gelang es seine schwere Verletzung auszuheilen, sie hätte auch zu Lähmungen führen oder tödlich enden können. Bereits zum Jahresende stand er wieder zwischen den Pfosten von Manchester City und wurde zu einem Publikumsliebling der Briten.

Außenseiter siegt

Bei der Fußballweltmeisterschaft 1998 in Frankreich wurde das norwegische Nationalteam in der Vorrunde in eine Gruppe mit dem amtierenden Weltmeister Brasilien gelost. Die ersten beiden Gruppenspiele der Norweger gegen Schottland und Marokko waren jeweils unentschieden ausgegangen. Brasilien hatte seine ersten beiden Spiele siegreich abgeschlossen. In der dritten Paarung trafen die Norweger vor 55 000 Zuschauern in Marseille auf den Favoriten Brasilien. Lange Zeit konnten die Skandinavier die Partie offen halten, erst in der 78. Minute gelang Bebeto der Führungstreffer für den Weltmeister.

Beide Torschützen des 2:1-Sieges der norwegischen Nationalelf bei der Weltmeisterschaft 1998 über den amtierenden Weltmeister Brasilien werden auf norwegischen Briefmarken festgehalten: Stürmer André Flo (oben, MiNr. 1441) und Elfmeterschütze Kjetil Rekdal (unten, MiNr. 1540).

Doch die Norweger gaben nicht auf. Fünf Minuten später gelang dem beim britischen FC Chelsea unter Vertrag stehenden André Flo der Anschlusstreffer. Mit seinem souverän verwandelten Foulelfmeter sicherte der in der Bundesliga für Hertha BSC Berlin auflaufende Abwehrrecke Kjetil Rekdal seinem Team in der 88. Minute den Sieg und den Einzug ins Achtelfinale.
Dieser Sieg gegen Weltmeister Brasilien hat die Norwegische Post derart mit Stolz erfüllt, dass sie beide Torschützen auf Briefmarken festhielt. André Flo ist im Zweikampf auf einer 5,50-Kronen-Marke (MiNr. 1441) zu sehen, die 2002 anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Norwegischen Fußballverbandes erschien.
Kjetil Rekdal wird unmittelbar nach seinem Elfmeterschuss auf einer 9-Kronen-Marke (MiNr. 1540) aus dem Jahre 2005 abgebildet. Der Brasilianische Keeper Cláudio Taffarel scheint die Ecke geahnt zu haben, kann den Treffer aber nicht verhindern.

Fussball Legenden Norwegen 1936 Briefmarke

In Viertelfinale des Olympischen Fußballturniers 1936 besiegte Norwegen das deutsche Team mit 2:0. Später erhielten die Norweger die Bronzemedaille. Im Jahr 2002 wurde die Elf auf einer 5-Kronen-Marke abgebildet (MiNr. 1440).

Dorf schlägt Bayern

Auch der deutsche Pokal kennt Überraschungssiege von Underdogs. Am Sonntag den 14. August 1994 traf der amtierende Deutsche Meister Bayern München in der ersten Runde des DFB-Pokals auf den Turn- und Sportverein Vestenbergsgreuth. Wegen des großen Zuschauerinteresses hatte der Dorfverein einer 1500-Einwohner-Marktgemeinde das Spiel vorsorglich ins Nürnberger Frankenstadion verlegen lassen. Dort erlebten die knapp 25 000 Besucher eine Sensation. Dem 21-jährigen Roland Stein gelang es, Nationaltorhüter Oliver Kahn in der 43. Spielminute per Kopfballtor zu überlisten und den Deutschen Meister aus dem Pokalwettbewerb zu werfen.
Teamgeist und Euphorie können Außenseiter sogar zu mehrmaligen Siegen beflügeln. 1970 gelang es den Offenbacher Kickers als erstem Zweitligisten, den DFB-Pokal zu erringen. Nacheinander schossen die Kicker der Lederwaren-Industriestadt den TSV 1860 München, Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt und den 1. FC Nürnberg aus dem Wettbewerb. Im Finale trafen die Offenbacher auf die Favoriten des 1. FC Köln mit den Nationalspielern Wolfgang Weber, Jupp Kapellmann, Heinz Flohe, Wolfgang Overath und Hennes Löhr. Zwei Treffer von Horst Gecks und Klaus Winkler bei einem Gegentor von Hennes Löhr bescherten den Fußballern vom Main vor 50 000 Zuschauern im Niedersachsenstadion von Hannover den begehrten DFB-Pokal. Zweiundzwanzig Jahre später gelang es mit Hannover 96 abermals einem Zweitligisten, den DFB-Pokal zu holen.

Literatur zum Weiterlesen:

  • Markus Aretz (Hrsg.): Borussia Mönchengladbach. Die Chronik; Verlag die Werkstatt; Göttingen 2015
  • Christian Eichler: 90 – oder Die ganze Geschichte des Fußballs in neunzig Spielen; Verlags­gruppe Droemer Knaur; München 2017
  • Eduardo Galeano: Der Ball ist rund und Tore lauern überall; Peter Hammer Verlag; Wuppertal 1997
  • Ben Redelings: 55 Jahre Bundesliga. Das Jubiläums­album. Unvergessliche Bilder, Fakten, Anekdoten; Verlag die Werkstatt; Göttingen 2017

Fotonachweis Titelbild: Deutsche Post AG / www.pixabay.com


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