WM-Pokal gestohlen – Fußball-Welt geschockt

WM-Pokal gestohlen – Fußball-Welt geschockt

Auch Wachleute benötigen eine Mittagspause. Als das Sicherheitspersonal der Stampex-Briefmarkenmesse im März 1966 den Fußball-Weltpokal während des Mittagessens unbeaufsichtigt ließ, wurde er gestohlen und später auf merkwürdige Weise wiederentdeckt. Von 1930 bis 1970 wurden die Fußballweltmeister jeweils mit der Siegertrophäe „Coupe Jules Rimet“ ausgezeichnet. Seinen Namen verdankt der Pokal dem französischen Fußballfunktionär Jules Rimet, der von 1921 bis 1954 auch dem internationalen Fußballverband FIFA als Präsident vorstand und auf dessen Initiative die Austragung eines Fußball-Weltturniers maßgeblich zurückzuführen ist.

WM 1966 fast ohne Fußball-Weltmeister-Trophäe

Nach dem WM-Sieg im Finale 1966 küsste Kapitän Bobby Moore den Weltpokal (oben rechts, MiNr. 1007).

Die 35 Zentimeter hohe Pokal-Statue wog knapp vier Kilo und bestand aus vergoldetem Sterlingsilber, sie soll die griechische Siegesgöttin Nike mit erhobenen Armen und Flügeln zeigen. Der Sockel bestand aus blauem Lapislazuli, auf einer seitlich angebrachten Goldplakette wurden die Gewinner eingraviert. Im Juli 1966 wurde die Fußball-Weltmeisterschaft in England, dem Mutterland dieser Sportart ausgetragen. Vier Monate zuvor wollte das renommierte Philatelie-Unternehmen Stanley Gibbons den WM-Pokal als Attraktion und Besucher-Magneten auf seiner Stampex-Briefmarkenmesse ausstellen. Nachdem die Beförderung durch eine seriöse Werttransportfirma, die Aufbewahrung in einer geschlossenen Glasvitrine, eine 24-Stunden-Bewachung und der Abschluss einer Versicherung zugesichert waren, stimmte die FIFA einer Messe-Präsentation zu.

Im Dezember 1983 wurde der Jules-Rimet-Pokal in Rio de Janeiro ein zweites Mal gestohlen. Die Räuber gaben an, ihn eingeschmolzen zu haben. Brasilien ließ nach alten Gussformen eine detailgetreue Kopie fertigen (MiNr. 2242; alle Abb. Schwaneberger Verlag).

Diebe nutzten am 20. März die Mittagspause des Wachpersonals, brachen einen Raum auf, schlugen die Vitrine ein und entwendeten den Pokal ohne Spuren zu hinterlassen.  Kurze Zeit später wurden 15000 Pfund als Lösegeld für die Rückgabe gefordert. Bei der Übergabe nahm die Polizei einen Verdächtigen fest, doch der Pokal blieb verschwunden. Einige Tage später schnüffelte ein Hund beim Spaziergang mit seinem Herrchen in einem Süd-Londoner Vorgarten und buddelte auf wundersame Weise den in Zeitungspapier gewickelten und vergrabenen Pokal aus.

Fatale Mittagspause

Stanley Gibbons (1840–1913) war ein berühmter britischer Philatelist, der das nach ihm benannte Unternehmen Stanley Gibbons Ltd. gründete (MiNr. 2013 A).

Der ehrliche Finder gab den Pokal bei einer Polizeiwache ab und wurde zunächst verdächtigt. Doch bald darauf erlangten Hund und Herrchen internationale Berühmtheit. Der Finderlohn für den Hundebesitzer betrug rund das Vierfache seines Jahreslohns als Themse-Fährmann und sein Hund bekam von Fußballfans zahlreiche Pakete mit Hundekuchen und Fleischkonserven.
Jahrzehnte blieben die genauen Hintergründe des Diebstahls im Dunkeln. Über fünfzig Jahre nach dem Ereignis präsentieren britische Zeitungen ein zwischenzeitlich verstorbenes Bruderpaar, das den Pokal gestohlen haben soll. Ihr berühmtes Diebesgut konnten sie nicht zu Geld machen. Warum die Gauner Postwertzeichen im Wert von drei Millionen Pfund unangetastet ließen, bleibt ein weiteres Rätsel.


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