Vor 100 Jahren Pekingmensch entdeckt

Vor 100 Jahren Pekingmensch entdeckt

Als sich der schwedische Geologe Johan Gunnar Andersson vor 100 Jahren auf eine Exkursion nach Zhoukoudian südwestlich von Peking begab, ahnte er noch nicht, dass er damit den Beginn bedeutender Entdeckungen auslösen würde. Er wollte den sogenannten „Hühnerknochenhügel“ besuchen, den die Einheimischen so nannten, da sie dort Fossilien gefunden hatten, die sie schlicht Hühnerknochen nannten.

Drachenknochenhügel viel interessanter

Bereits 1921 unterstützte der österreichische Paläontologe Otto Zdansky den Schweden bei seinen Arbeiten. Bald stellten sie fest, dass der „Drachenknochenhügel“ neben dem „Hühnerknochenhügel“ viel interessanter war. Schon bald fanden sie Knochenreste von Hyänen, Nashörnern und anderen Wildtieren. Dazwischen fand Andersson aber kleine, bearbeitete Quarzsteinchen. Er schloss daraus, dass er Werkzeuge von Frühmenschen gefunden hatte. Zu so einer These gehört in Forscherkreisen sehr viel Mut, denn bisher hatte man nur auf Java Knochen eines Lebewesens gefunden, das zwischen Affe und Mensch einzuordnen war, ihm hatte man den Namen Pithecantropus erectus – aufrechtgehender Affenmensch – gegeben. Doch noch steckte die Forschung in den Anfängen und es gab viele Zweifel an den Deutungen. Bald fand man in Zhoukoudian zwei Zähne, die zwar gewisse Gemeinsamkeiten mit menschlichen Zähnen aufwiesen, aber dennoch anders waren.

Nachdem die beiden Forscher ihre Grabungsergebnisse, inzwischen drei Zähne, bekannt gemacht hatten, förderte die Rockefeller-Stiftung ihre Forschungen. So konnten 1927 systematische Grabungen beginnen. 1928 kam der bis dahin bedeutendste Fund ans Tageslicht, man konnte einen Stirnknochen, ein Stück eines Unterkiefers mit drei Zähnen, zwölf einzelne Zähne und einen Oberarmknochen bergen. Alle Knochenteile gehörten zu einem bisher unbekannten Frühmenschen. Die größte Sensation war der Fund eines nahezu vollständigen Schädelknochens im Jahr 1928, kurze Zeit später fand man auch eine Schädeldecke. Anhand der Schädeldecke, der Zähne und anderer Knochen konnte man eine neue Art eines Frühmenschen bestimmen, den Sinanthropus pekinensis, den chinesischen Pekingmenschen.

Pekingmensch

Die Funde von Zhoukoudian führten zu der Entdeckung des Sinanthropus pekinensis (MiNr. China 2380).

Sechs Schädelschalen, 15 Unterkiefer und 157 Zähne

Bis zum Jahre 1966 liefen die Ausgrabungen in Zhoukoudian. Dabei kam eine große Fülle an Fossilien ans Tageslicht. Allein sechs Schädelschalen, 20 Schädelbruchstücke, 15 Unterkiefer, 157 Zähne, drei Oberarmknochen, ein Schlüsselbein, sieben Oberschenkelknochen und ein Schienbein, zahlreiche bearbeitete Steine, die als Werkzeug genutzt wurden und Ascheablagerungen ermöglichten es den Forschern, sich ein Bild über das Leben dieser Frühmenschen zu machen. Sie haben wahrscheinlich bereits das Feuer genutzt. Versteinerungen von Körnern und tierischen Relikten gaben Auskunft über ihre Nahrung.

Die Funde konnte man genetisch 40 Lebewesen zuordnen. Die Höhle, in der man die Funde bergen konnten, war – mit Unterbrechungen – zwischen 460000 und 230000 Jahren bewohnt. Die Rekonstruktion des Pekingmenschen ergab, dass er etwa 144 bis 156 Zentimeter groß war.  Sein Gehirnvolumen betrug im Durchschnitt 1075 Kubikzentimeter. Ein besonderes Kennzeichen waren seine starken Kieferknochen. Er war deutlich weiter entwickelt als der Frühmensch von Java, doch gegenüber dem Homo sapiens fehlte ihm noch viel. Sein Gehirnvolumen und seine Größe waren viel zu gering. Hände und Füße hatten aber bereits klar getrennte Funktionen, der Pekingmensch bewegte sich schon aufrecht. Mit dem Javamenschen, dem Frühmenschen von Mauer südöstlich von Heidelberg und anderen Frühmenschen ordnete man ihn später in die Gruppe des Homo erectus ein.

Fossilien-Kisten während der Kriegwirren verloren

Zhoukoudian gehört weltweit zu den bedeutendsten Funden des Frühmenschen, dieser Fundort lieferte sehr viele Bausteine für die Entwicklungsgeschichte des Menschen. Daher ist es umso schmerzlicher, dass sämtliche Funde, die bis 1940 gemacht wurden, verloren gingen. 1941 sollten sie vor den Kriegswirren gerettet und in die USA gebracht werden, doch dabei gingen alle Kisten mit den wertvollen Fossilien verloren. Heute sind nur noch Abgüsse vorhanden. Zum Glück haben neue Funde einiges ausgleichen könne. Man hofft aber immer noch auf weitere bedeutende Artefakte bei den heutigen Ausgrabungen. Inzwischen hat man die gesamte Höhle durch ein Dach geschützt, wie die neue Ganzsache aus China zum 100. Jahrestag der Forschungen belegt.

Text: Dietrich Ecklebe


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