Leserbriefe Extra zum Offenen Brief der Verbandspräsidenten

Leserbriefe Extra zum Offenen Brief der Verbandspräsidenten

Was mir negativ aus der DBZ in jüngerer Zeit im Kopf blieb, war zweierlei. Einmal der Artikel zur Soldatenwallfahrt. Nichts gegen Religion, Wallfahrten und Soldaten. Eine Seite dafür wäre aber vollkommend ausreichend bemessen gewesen. Zum anderen einige Aussagen von Prof. Krüger, die zu sehr nach Linkspartei klangen. Nicht SED, alles bewegte sich im Verfassungsbogen. Als langjähriger Wechselwähler zwischen CSU und SPD, gestern erstmals Grüne ging mir aber doch vieles gegen den Strich.
Positiv blieben mir zwei Artikel im Kopf, die gar nicht zusammenpassen. Beim ersten weiß ich den Autor und die Überschrift nicht, aber es ging um die europäischen Königshäuser, die so eng verwandt waren, dass man den Ersten Weltkrieg als so etwas wie einen Familienkrach sehen kann, weil die Cousins Wilhelm von Deutschland, Nikolaus von Russland und Georg von England Krieg gegeneinander führten. Der andere war von Dr. Udo Groß und zeigte, wie man mit modernster Technologie Briefmarken wissenschaftlich untersuchen kann. Der Artikel war sehr gut aufbereitet und enthielt viele Erklärungen, die nach meiner Einschätzung von ihrer Redaktion kamen. Dr. Groß hat auch viel auf Englisch geschrieben, daher kenne ich seine Art zu schreiben und glaube fest, dass einige Erklärungen nicht von ihm waren.
Das waren die Sachen, die mir spontan einfielen. Ich habe nicht die Hefte durchgeblättert, um noch einmal inspiriert zu werden, sondern aufgeschrieben, was hängenblieb. Beim ersten Hinschauen sieht das nach wenig aus, ist aber sehr viel mehr als bei der Michel-Rundschau und bei der BDPh-Philatelie. Bei der Letzteren lese ich zwar immer den 1-Euro-Beleg, doch kann ich keinen einzigen Beleg spontan benennen.
Dass man der DBZ eine Negativberichterstattung vorwirft, wäre mir nie in den Sinn gekommen. Die einzige Begründung dafür ist eine Falschaussage, da Fürth 1808 tatsächlich Stadt zweiter Klasse war und nicht erst vor 200 Jahren zur Stadt erhoben wurde. Ansonsten verlieren sich Lang, Rauhut, Schmidt und Geigle in Plattitüden wie „Dies ist nur eines von vielen möglichen Beispielen.“ Normalerweise begründet man solche Vorwürfe mit mehreren Beispielen und für die Beispiele wählt man eine tatsächlich negative oder falsche Aussage und produziert nicht selber eine.
Von mir aus kann die DBZ ihren Weg weitergehen. Lang, Rauhut, Schmidt und Geigle haben ihren Verbänden mit dem Brief keinen Gefallen getan, weil man sich seine Gedanken macht, ob man den Aussagen der Verbände und Verbandsmitgliedern trauen darf, wenn ihre Vorsitzenden schon falsche Aussagen verbreiten. Ehrbare Kaufleute verbreiten jedenfalls keine falschen Aussagen.
Alexander Simeon, per E-Mail
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Kommen Sie nach Sindelfingen? Dann können wir über den kuriosen Brief der Verbandschefs ausführlicher sprechen.
Hier nur so viel: Das Kartell der Mittelmäßigkeit hat gesprochen. Was hat man von den vier eigentlich gehört, bevor sie im Verband die Karriereleiter hochkletterten? Von Schmidts Amtszeit als Stellvertreter im BDPh ist nur sein Rücktritt in Erinnerung. Vielleicht hat er in Sachsen-Anhalt etwas geleistet, wovon wir im Südwesten nichts gehört haben. Mehr als ein Landrat war er nicht, bevor er Vize- und dann Bundeskanzler wurde. Und aus dem BDPh hört man seit einem Jahr nur, was die Bundesstellen machen. Von den Vorstandsmitgliedern Krämer, Witkowski und Bernatek hat man ein Jahr gar nichts gehört. Billion wirtschaftet seine Messen immer weiter herunter und fällt sonst nicht weiter auf. Vor einem Jahr hieß es noch, der BDPh stecke in der größten Krise seiner Geschichte. Das Krisenmanagement scheint sich darin erschöpft zu haben, den Vorstand zu ersetzen. Und inzwischen liegt die Mitgliederzahl unter 30 000.
Rauhut hat ein Unternehmen gegründet und etabliert, alle Achtung. Betrachtet man den Gesamtmarkt, ist seine Firma eine von vielen, die langjährigen, erfahrenen Philatelisten ein Begriff sind. Da lobe ich mir die solide Zurückhaltung von Veuskens und König, die Sacharbeit leisten und sich nicht ständig in den Vordergrund spielen und trotzdem genauso bekannt sind. Mit dem, was die DBZ aus dem Einkaufszentrum in Göttingen berichtet hat, hat Veuskens sogar mehr für die Philatelie geleistet als Rauhut in der ganzen Zeit. Muhammad Alis „Ich bin der Größte“ bleibt Veuskens trotzdem fremd. Im Auktionatorenverband hat Rauhut einen der wenigen weltläufigen Männer, die der Verband hat, weggeputscht. Michelson spielt zwei Ligen über Rauhut. Und warum der Auktionatorenverband eine Persönlichkeit wie Elisabeth Schlegel versteckt, kann man nur damit erklären, dass Rauhut & Co. genau wissen, wie blass sie neben ihr aussehen würden.
Lang und Geigle sind außerhalb ihrer Ämter nur einigen wenigen Eingeweihten bekannt. Beide sind Händler von bescheidener Bedeutung und haben weder die Größe Siegers noch den Rang Schlegels. Ihre Geschäfte werden einmal sang- und klanglos verschwinden und in den Annalen bleibt nur der Eintrag „Verbandschef in der Zeit von A bis B“. Auch die Speichellecker, die heute Auftragsbücher und anderes schreiben, werden dann, wie es so schön heißt, „die Dinge realistisch sehen“. Es sind kleine Männer, die zu einem Amt gekommen sind und sich jetzt aufplustern.
Die DBZ war schon in meiner Jugend die Zeitschrift, an der sich kleine Lichter abgearbeitet haben. Sie brauchen sich daher wegen des Briefes nicht zu grämen, obwohl man es als großes Ärgernis bezeichnen kann, dass die Verbandschefs Ihnen eine Falschaussage vorwerfen und das mit einer eigenen Falschaussage begründen (natürlich war Fürth ab 1808 eine Stadt, wie Sie korrekt geschrieben haben). Aber so ist es nunmal, wenn das Kartell der Mittelmäßigkeit die Macht übernimmt. Leute wie Schmidt, Rauhut, Lang und Geigle sollen selbstverständlich jederzeit ihre Meinung sagen dürfen, wie ich als Angehöriger des Mittelmaßes es auch tue. Unsereins sollte aber im Glied bleiben und sich nicht an die Spitze drängen und so tun, als ob er für die Philatelisten insgesamt spricht.
Ich hoffe, wir finden in Sindelfingen die Gelegenheit, über den Brief ausführlicher zu sprechen.
Lothar Geiger, per E-Mail
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In der Ausgabe 22/2018 fragen Sie nach einem Meinungsbild zur Berichterstattung in Ihrer Publikation, und als regelmäßiger Leser will ich Ihnen sehr gern eine kurze Rückmeldung geben.
Ich finde den Brief der Verbandspräsidenten und vor allem das Beharren darauf, dass die Philatelie „uneingeschränkt positiv besetzt“ ist, durchaus erstaunlich. Denn wenn man Philatelie als Kulturphänomen betrachtet, dann wird man erkennen, dass sie in ihrer Vielschichtigkeit durchaus zahlreiche Aspekte enthält, die berechtigt kritisiert werden können und sollten. Und wo, wenn nicht in der DBZ sollte man dies aufgreifen, diskutieren und abbilden? Persönlich wünsche ich mir folglich eher noch mehr als weniger Positionierung sowie ein fachjournalistisches Engagement, das unbedingt mehr als das Vermelden von Nachrichten und freundliche Beschreiben von Neuausgaben und Veranstaltungen sein sollte.
Zugleich bedeutet Positionierung aber gerade nicht pedantische Faktenhuberei – was die Verbandspräsidenten zutreffend als „beckmesserisch“ und „oberlehrerhafte Selbstgefälligkeit“ beschreiben. Das interessiert mich als Leser nicht. Mich interessiert vielmehr ein Überblick und eine Positionierung zu den tatsächlich relevanten und zeitgemäßen Fragestellungen und Problemlagen zur Philatelie sowohl als Hobby als auch als Markt als auch als Erkenntnispraxis, also einen wissenschaftlichen Ansatz. Und sehr sicher gibt es noch mehr Perspektiven als diese drei. Wenn Sie mich also fragen, welche Art von Philateliejournalismus beziehungsweise Berichterstattung ich mir wünsche, dann ist es eine Form, die zugänglich für alle Zielgruppen die diversen Aspekte des Phänomens „Philatelie“ in ihren Zusammenhängen benennt, aufgreift, erläutert und kommentiert, immer mit der aus meiner Sicht entscheidenden Frage im Hinterkopf, was Philatelie im 21. Jahrhundert sein kann, sein sollte und sein möchte.
Wenn man die Philatelie also als „positiv“ transportieren möchte, dann sicher nicht mittels folgsamen und unkritischen Schönwetterberichten. Sondern durch eine überzeugende und differenzierte Darstellung der Dinge, die aus ihr herausgehend Freude bereiten, und zwar möglichst so gefasst, dass auch die Leute, die in meinem Umfeld eher verwundert auf die Tatsache schauen, dass sich jemand für so eine biedere und anachronistische Sache wie Briefmarken interessiert, anhand der DBZ verstehen können, weshalb die Philatelie erheblich faszinierender ist, als es auf den ersten Blick für Außenstehende scheinen mag.
Ben Kaden, Berlin
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Meiner Meinung(!) nach sollten Sie den „Stil“ der Berichterstattung auch im Bezug auf die aktuellen deutschen Markenausgaben so beibehalten!
Meines Erachtens dienen Artikel dann auch zur Anregung, sich selber mal persönlich um ein Thema zu kümmern, ob man dann unbedingt die Homepage nehmen muss, die in direktem Zusammenhang mit einem Ausgabeanlass steht, möchte ich mal geflissentlich bezweifelen, da hier gegebenenfalls keine Evidenz vorliegt sondern der Inhalt „eminenzbasiert“ ist. Das Fehlen eines anlassbezogenen Sonderstempels zur Gedenkganzsache spricht auch für sich!
Immerhin wird im Schreiben aufgefürht ,daß jeder Käufer selber entscheiden möge, ob ihm dieses „Stück“(!?!) 90 Cent wert ist; wobei hier meiner Meinung nach der umgangssprachliche Gebrauch des Wortes „Stück“ zu einer Gedenkganzsache bei manch einem Leser auch schon einen negativen – besser gesagt – bitteren Beigeschmack hervorrufen mag.
Meiner Meinung nach spiegeln die vielen Leserbriefe zum Interview mit Frau Schäfer eine Tendenz wieder; man muss auch mal zwischen den Zeilen lesen können und einen „roten Faden“ auch finden können!
Manchmal sollte man sich im Leben auch der „Basis“ widmen und nicht überall den „Mantel des Schweigens“ drüberlegen!
Nicht nur die Deutsche Post scheint das 40jährige Jubiläum der Ernennung des Aachener Domes zum Weltkulturerbe zum Anlass zu nehmen anlassbezogene Produkte auf den Markt zu nehmen! Wenn Sie oder Frau Schäfer da Bedarf haben, kann ich eine Sammelbestellung tätigen, wobei wohl für Frau Schäfer auch die „Kaiserdose“ in Betracht gezogen werden könnte!
Klaus Köhnen, Krefeld
Anmerkung der Redaktion: Einer E-Mail von Klaus Köhnen hing eine Werbung für Aachener Printen und andere Leckereien an. Mit „Sammelbestellung“ und „Kaiserdose“ sind diese gemeint.

Leserbriefe Deutsche Briefmarken Zeitung 2018 Verband Praesident.png

Klaus Köhnen sandte uns noch diesen Ausdruck aus dem Bürgerblog www.fuerther-freiheit.info, der die Falschmeldung, Fürth sei erst 1818 zur Stadt erhoben hatte, thematisierte.

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