„Innige Grüße, Deine Tony“

„Innige Grüße, Deine Tony“

In einer ersteigerten Briefmarkensammlung entdeckte ich immer wieder den Namen Oskar Messter. Nicht die Briefmarkensammlung von König Ludwig, sondern die von Ludwig König habe ich unwissentlich im April von einem Münchner Auktionshaus ersteigert. Nur einen Saalbieter hatte ich als Konkurrenten und ich bekam nach einem kleinen Bietergefecht den Zuschlag.

Social Philately 2 2019 Philatelie Geschichte Filmpionier Messter
Den Bestand auszuwerten, versprach Sammlerspaß pur.

Post vom und an den Filmpionier Oskar Messter.

Ich wusste nicht, was sich in der Sammlung befand, da nur ein Foto mit zwei selbstgestalteten alten Alben abgebildet war. Eine Seite Norwegen und eine Seite Ägypten konnte ich in den aufgeschlagenen Alben grob erkennen. Als ich schließlich meine Lieferung vom Auktionshaus erhalten habe, freute ich mich über die zwei alten Briefmarkenalben (ähnlich Schaubek) und Tüten mit Briefmarken, alten Briefen und Postkarten. Darunter fand ich ein Heft mit handschriftlicher Inhaltsangabe vom Markenbestand der Alben sowie eine Mappe mit alten Zeitungsausschnitten über Briefmarken und ein Heft „Der Briefmarkensammler“ von 1921.
Die Albenseiten wurden sauber nach Ländern beschriftet und die Marken sind mit Falz ordentlich eingeklebt worden. Ich begann natürlich gleich, die Sammlung mit über 5000 Briefmarken zu sichten. Dazwischen sah ich immer wieder mal Briefe und Karten, vor allem vom Deutschen Reich war eine schöne und wichtige Zeppelin-Foto-Postkarte mit der Michel-Nummer 456 Polarfahrt dabei.

Social Philately 2 2019 Philatelie Geschichte Filmpionier Messter Postkarte
Ein Flugpionier schrieb zu Silvester 1936 an einen Filmpionier: Hermann Köhl baute Mitte der 20er-Jahre den Nachtflugverkehr in Deutschland auf und etablierte unter anderem für die Nachtpost den Linienflug Berlin – Stockholm. 1928 nahm er dann an der ersten erfolgreichen Atlantiküberquerung in Ost-West-Richtung teil.
Social Philately 2 2019 Philatelie Geschichte Filmpionier Messter Briefmarke Stempel
Blick auf eine Albumseite mit gestempelten Briefmarken Japans.

Die Vorderseite zeigt ein Foto vom Luftschifff „Graf Zeppelin“ in voller Fahrt vom Flugzeug aus gesehen. Ich habe die schönsten Karten und Briefe vorsichtig entfernt, bis mir irgendwann die Namen Oskar Messter, Antonie Messter und Ludwig König aufgefallen sind, an den viele Karten und Briefe adressiert waren.
Ein alter Papierumschlag für Foto-Negative, beschriftet mit „Messter“, fiel mir dann auch noch in die Hände, es waren über 100 Schwarzweißnegative im Umschlag. Ich habe mal einige zum Entwickeln gegeben und bin schon gespannt, was darauf zu sehen sein wird.
Die Suche im Internet förderte sofort den Namen Oskar Messter an erster Stelle zutage, der mir bis zu diesem Zeitpunkt eigentlich nicht bekannt war. Oskar Eduard Messter (22. November 1866 in Berlin bis 6. Dezember 1943 in Tegernsee), ursprünglich Oskar Meßter, war ein bedeutender deutscher Filmpionier. Seine Ehefrau Antonie Messter, geborene König, wurde auch sofort in seiner Biografie benannt. Da war der Gedanke und die Frage natürlich nicht weit: Wer war dann Ludwig König, der diese Briefmarken wahrscheinlich gesammelt hat?

Social Philately 2 2019 Philatelie Geschichte Filmpionier Messter Postkarte Luftpost
Während einer Besichtigung des Luftschiffes „Graf Zeppelin“ gab Antonie Messter am 16. August 1931 eine Postkarte an ihren Vater, Ludwig König, auf.

Eine Zeppelin-Postkarte brachte letztendlich Licht ins Dunkel. Ludwig König war der Vater von Antonie Messter. Dies belegt die Zeppelin-Karte, von Antonie (Tony), geschrieben am 8. August 1931 und adressiert an ihren Vater, mit den Worten: „Liebster Paps! Ein Beitrag für deine Sammlung, die dir sicher Freude machen wird. Innige Grüße, Deine Tony“, heißt es auf dem außergewöhnlichen Zeppelin-Beleg mit zwei Stempeln vom 16. August 1931, der die Antwort auf meine Frage lieferte. Im Internet fand ich dann auch die entsprechenden Verwandschaftsverhältnisse bestätigt.
Somit habe ich wohl die Briefmarkensammlung von Ludwig König gekauft, die wahrscheinlich nach seinem Ableben an die Familie Messter überging. Natürlich habe ich sofort aufgehört, die Sammlung zu demontieren, und ich finde, sie sollte auch so belassen werden, wie sie ist. In diese Sammlung wurde viel Arbeit gesteckt. Sie ist ein Teil der deutschen Philatelie- und Filmgeschichte, und Ludwig König hätte es sich damals nicht träumen lassen, dass seine Sammlung einmal publik werden würde.
So entsteht bei mir aus einem Dokument der Philateliegeschichte zugleich ein schöner Gedanke an die Überraschungen, die das Leben mit sich bringt. Eine Sammlung, die Freude bereitet, da die Geschichte, die dahinter steckt, sie für mich und hoffentlich auch für die anderen Leser spannend und einzigartig macht.

Text: Stephan Meier

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© Beitrags-, Titelbild: Deutsches Filminstitut, Frankfurt / www.pixabay.com


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