Belgische Comics – Suske en Wiske werden 75

Belgische Comics – Suske en Wiske werden 75

Zweifelsohne gehören Tim und Struppi sowie die Schlümpfe zu den bekanntesten belgischen Comics in deutschsprachigen Ländern. Der belgische Reporter, sein Hund, sowie Kapitän Haddock und die ungeschickten Detektive Schulze und Schultze reisten seit 1929 durch spannende Abenteuerwelten. Suske und Wiske hingegen wagten ihre ersten Gehversuche am 30. März 1945 in der flämischen Tageszeitung „De Standaard“. Zum 75. Jubiläum der belgischen Helden „Suske en Wiske“ (flämische Bezeichung) gibt die belgische Post BPOST am 27. Januar einem 10er-Kleinbogen mit fünf Motiven der Comicserie aus.

Die Comic-Helden versuchten mit deutschen Übersetzungen Fuß zu fassen, was jedoch nie so richtig gelingen wollte. Vier Verlagshäuser wagten sich daran, zuletzt Salleck Publications seit 2010. In Deutschland erschien die Serie zeitweise unter den Bezeichnungen „Ulla und Peter“ sowie „Willi und Wanda“. Lediglich die Figur „Wastl“ aus der Feder von Suske en Wiske’s Vater, Willy Vandersteen, waren in den 60er und 70er Jahren bekannt.

Der aus dem belgischen Antwerpen stammender Verfasser Willebrord Jan Frans Maria Vandersteen, studierte von 1928 bis 1935 Bildhauerei an der königlichen Kunstakademie in Antwerpen. Zur gleichen Zeit zeichnete Willy Vandersteen in der Pfadfinderbewegung zahlreiche Comics als Zeitvertreib. Seine Karriere als Schaufensterdekorateur führte zum Durchbruch in die Comicszene. 1940 schaffte er für das Kaufhaus „L’Innovation“ (heute Galeria-Inno, auch in Deutschland ansässig) den Comicstrip Kitty Inno. Ab 1941 publizierte er mehrere Comics in Tageszeitungen und Wochenblättern.

Magermilch als Treibstoff

Unter dem Titel „De avonturen van Rikki en Wiske“ waren die beiden Geschwister sowie die Tante Sidonie die Hauptfiguren bis zum 19. Dezember 1945. Mit der zweiten Geschichte „ Op het eiland Amoras“ lernte Wiske den Jungen Suske kennen. Beide waren ab diesem Zeitpunkt unzertrennlich; Rikki verschwand aus der Serie. Die Bedingungen für die Veröffentlichung des Comics waren keineswegs rosig. Flandern leckte seine Wunden in der Nachkriegszeit und bereitete sich auf neue Krisensituationen vor: die Königsfrage und die weitreichende Verfolgung von Kriegskollaborateuren. Auch die Spannungen zwischen Ost und West wurden verschärft. Das Thema des Kalten Krieges zog sich als roter Faden durch die Abenteuer von Rikki und Wiske. Spione von Chocowakije (fiktiver Name für Tschechien) stahlen die Pläne von Professor Wargarens Raketentank. Rikki und Suske wurden vom belgischen Verteidigungsministerium beauftragt, die Pläne zurückzubringen. Mit der Hilfe von Suske und Tante Sidonie konnte Rikki den bereits gebauten Panzer ausfindig machen und zurück nach Antwerpen führen. Statt mit Sprit fuhr das Fahrzeug mit Magermilch und konnte Kriege schneller beenden, um neue Kriege schneller zu beginnen.

Die Handlungen der beiden Hauptfiguren spielen meist in der Gegend vom belgischen Antwerpen, kombiniert mit Abenteuern und zahlreichen Science Fiction-Elemente mit Zeitreisen. Die teils fantasievollen Geschichten mit sprechenden Tieren und lebendigen Puppen, gemischt mit einer Note Abenteuer sind humorvoll und familienkompatibel. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, und so veröffentlichte der Comicautor 1946 das erste Album, dies noch unter dem Namen Rikki en Wiske.

Väter von Suske en Wiske

1971 zog sich der Comiczeichner zurück und übergab die Serie seinem engsten Mitarbeiter Paul Geerts, der seine Zeichenstifte erst 2002 aus der Hand gab. Sein Nachfolger war Marc Verhaegen, der aufgrund eines Streits das Studio Vandersteen 2005 verließ. Seither und bis heute stammen die neuesten Alben aus den Federn von Peter Van Gucht und Luc Morjaeu. Es erschienen weit über 320 Alben in 25 Sprachen. Viele Schwarz-Weiß-Alben der ersten Jahre wurden später im Vierfarbendruck aufgelegt. In der Philatelie sind Suske und Wiske keine Unbekannte. Die Comicserie ziert mehrere Briefmarken in Belgien (MiNr. 2316, 3934-3938, 4303, 4681) und den Niederlanden (MiNr. 1611, 1612) sowie Sonderstempel, insbesondere bei Jugendphilatelie-Veranstaltungen. André Feller


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