Australien würdigt Helmut Newton zum 100. Geburtstag

Australien würdigt Helmut Newton zum 100. Geburtstag

Zum ersten Mal wird die Arbeit des berühmten Fotografen Helmut Newton mit einer Briefmarke geehrt: „Mid-Century Fashion Focus“ betitelt die australische Post ihre Ausgabe vom Juni 2020. Vier Werte zu jeweils 1,10 australische Dollar (Standard und International) zeigen typische Outfits der 50-er, 60-er und 70-er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Es geht um Mode und Modefotografie – und die Anfänge eines Helmut Newton, der am 31. Oktober 2020 hundert Jahre alt geworden wäre.

Modefoto von Helmut Newton für das Australian Wool Board

Die australische Post würdigt mit der Ausgabe insgesamt vier australische Fotografen, die mit ihren Aufnahmen für Werbung und Modemagazine die Sehgewohnheiten für Jahrzehnte entscheidend geprägt haben und immer noch prägen. Der international bekannteste unter ihnen ist Helmut Newton, der so überhaupt zum ersten Mal mit einer seiner Arbeiten auf einer Briefmarke gewürdigt wird.

Helmut Neustädter wurde 1920 in Berlin geboren und erreichte nach der Flucht aus Nazideutschland schließlich 1940 Australien. Dort wurde er nach Kriegsende australischer Bürger und anglisierte seinen Namen zu „Newton“. Seine Ausbildung zum Fotografen hatte er noch in Deutschland bei der bekannten Berliner Mode- und Portraitfotografin Else „Ylva“ Neuländer-Simon machen können. Bereits 1946 gründete er ein Fotostudio, das sich ab den frühen 1950-er Jahren mit Mode beschäftigte. Mitte der 1950-er Jahre reiste Newton nach London, arbeitete europaweit und erlangte einen internationalen Ruf „für seinen lebendigen fotografischen Stil“, wie es in der Ankündigung der australischen Post frei übersetzt heißt.

 

Der neue Stil in der Modefotografie

Das Motiv, was nun für die Briefmarke ausgewählt wurde, fotografierte Newton 1959 auf Melbournes Queen Street für das Australian Wool Board und die Vogue Australia. Der Ankündigungstext nennt auch den Namen des Models: Janice Wakely ist eins von Newtons Lieblingsmodels aus der Zeit und arbeitete selbst als Fotografin. Das Foto zeigt eine selbstbewusste, ungezwungene junge Frau in einer Straßenkulisse, die so auch in jeder europäischen Großstadt aufgenommen sein könnte.

Athol Smith: Glamour pur.

Der Stil hebt sich deutlich ab von der Glamourfotografie, die bis dahin noch in der Modefotografie weit verbreitet war. Für diesen Stil steht stellvertretend Louis „Athol“ Shmith (1914 bis 1990), dem ebenfalls ein Wert in der Ausgabe „Mid Century Fashion Focus“ gewidmet ist. Ab den 1930-er Jahren stieg der Sohn britischer Einwanderer zu einem der führenden Porträt-, Mode- und Werbefotografen Australiens auf.
Das Foto auf der Briefmarke wurde 1948 aufgenommen und zeigt Patricia Tuckwell, die ein − französisches− Dior-Kleid mit Wespentaille präsentiert.

„Diese Studioaufnahme stellt das früheste der vier gezeigten Jahrzehnte dar und strahlt den präzise konstruierten Glamourstil aus, für den Shmith bekannt war“, heißt es in der Ankündigung.

Im Gegensatz zur aktiven und lebenslustigen Frau auf Newtons Foto scheint sie einen Kleiderbügel verschluckt zu haben; man spürt förmlich die balletthafte Anspannung der Ladylike-Pose.

Gemeinsames Studio

Im Gegensatz dazu kommt Maggie Tabberer auf dem Foto von Henry Talbot aus den 60er Jahren wie zufällig in Stoff gewickelt fast verspielt daher. Talbot, der als Heinz Tichauer wie Newton 1920 in Berlin geboren wurde, hatte Grafik studiert und kam 1942 nach Australien. In der Armee lernte er Helmut Newton kennen. 1956 gründeten sie zusammen in Melbourne ein Studio, das sich auf Werbung und Mode fokussierte.
Auch Talbot fotografiert draußen und kreiert mit seinen Fotos eine eigene Atmosphäre, fängt den Elan der Zeit ein. Und diese ist geprägt von jugendgeführten Umbrüchen, aber, zumindest in Australien, auch von Wohlstand und einer hohen Beschäftigungsquote. Seit 1959 konnten die austalischen Frauen die „Vogue Australia“ am Kiosk kaufen. Hier präsentierten lange Fotostrecken die Mode für Melbourner Straßen, Nachtclubs und Parks, die von aktiven jungen Frauen getragen werden sollte. Gleichzeitig boten die Frauenmodezeitschriften den Fotografen Arbeitsmöglichkeiten im redaktionellen Bereich.

 

70-er Jahre Fotografie von Bruno Benini.

Dies gilt auch für den vierten Fotografen, der in der aktuellen Markenausgabe gewürdigt wird, Bruno Benini. Er wanderte 1935 als Zehnjähriger mit seinen Eltern aus Italien aus und wurde später Talbots Assistent. Der studierte Naturwissenschaftler arbeitete auch als Model für die drei anderen Fotografen der Markenausgabe und spiegelte in seinen Fotos den Zeitgeist der Dekaden wieder. Für das Motiv der Briefmarke suchte man eine Aufnahme aus den psychedelischen 70er Jahren aus, die sich deutlich von den anderen Motiven aus der Reihe unterscheidet: die drei Models Graeme Jones, Robyn Fong und Lucinda Wills scheinen in einer eigenen, phantastischen Welt mit überdimensionierten Kugeln und Filmfiguren versunken zu sein. Folglich sind sie eher mit sich selbst beschäftigt, als den Betrachter anzuschauen. Dies passt zur Mode, die mit den legendären Plateauschuhen und lässigen Kostümen in geometrischen großen Farbflächen Modernität und Phantasie gleichermaßen ausstrahlt.

Ikonen des Zeitgeistes

Benini baute zusammen mit seiner Frau Hazel ein großes Foto-Archiv auf und dokumentierte so nicht nur seine Arbeit bis zu seinem Tod 2001, sondern auch die enge Zusammenarbeit mit Kollegen, viele davon aus der jüdischen Diaspora.
Helmut Newton konnte ab den 70er Jahren eigene Ausstellungen ausrichten und lebte abwechselnd in Monaco und Los Angelos. Sein Nachlass befindet sich im Museum für Fotografie in der Berliner Jebensstraße, in dessen Gebäude auch die Newton Foundation untergebracht ist. Sie zeigt eine Dauerpräsentation zu dem Australier, der als einer der am meisten publizierten und bekanntesten Fotografen der Welt gilt. Die Stiftung arbeitet eng zusammen mit der Witwe Newtons, die unter dem Namen „Alice Springs“ seit den 70er Jahren eine eigene, höchst erfolgreiche Karriere als Portraitfotografin gestartet hat.
Laut eigenem Wunsch wurde Helmut Newton, der 2004 nach einem Verkehrsunfall in Los Angelos starb und 2020 hundert Jahre alt geworden wäre, in seiner Geburtsstadt Berlin beigesetzt.
www.australiapostcollectables.com.au/stamp-issues/mid-century-fashion


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Authored by: Birgit Freudenthal

There is 1 comment for this article
  1. mordchai adler at 15:21

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