Katzen-Helden in Comics und Märchen

Katzen-Helden in Comics und Märchen

Charismatische Kater scheinen die ideale Projektionsfläche abzugeben, um als schillernde Hauptfiguren zahlreiche, inhaltlich höchst unterschiedliche Märchen, Fabeln, Comics oder Kindergeschichten zu dominieren.

Seit dem 23. Juni sind Markenblock und Ersttagsbrief des sprechenden ­Katers, der hier den Kalender über Kopf liest, bei der Ceská pošta erhältlich.

Wir kennen den „Gestiefelten Kater“ aus der Märchensammlung der Gebrüder Grimm, dem es durch seine Schlitzohrigkeit gelingt, seinen Herrn, einen armen Müllerssohn, mit der Königstochter zu verheiraten. Aus der Zeichenfeder von Robert Crumb stammt der schnorrende, lüsterne und faule Kater „Fritz the Cat“, der Arbeit und Autoritäten stets ablehnt, dafür aber in seinen Episoden Drogen, Orgien, Chaos und Gewalt meist offen gegenübersteht.

1978 erschienen die ersten Comics mit dem dicken, trägen, sarkastischen Kater Garfield und dessen tollpatschigen Besitzer Jon Arbuckle. Erfunden hatte die Figuren der Zeichner Jim Davis.

Viele Kinder erinnern sich gern an die humorvoll illustrierten und erzählten Geschichten von Sven Nordqvist über den schrulligen Alten Pettersson und seinen jungen Kater Findus. Der neugierige, vorlaute und stets zu Streichen aufgelegte Findus kann sich bei allem Schabernack, der ihm einfällt, immer auf die Hilfe und Loyalität des gutmütigen Pettersson verlassen. Etwas derber sind die finsteren Pläne, die Ganove Kater Carlo in den Disney-Comics schmiedet und so sein düsteres Unwesen treibt.
Bis auf den rüden, politisch nicht unumstrittenen Underground-Klassiker Fritz the Cat zierten sämtliche genannten Kater bereits zahlreiche internationale Postwertzeichen. Allein das Märchen vom Gestiefelten Kater war Anlass für weit über 20 Marken aus 17 Postverwaltungen. Seit dem 23. Juni 2021 gesellt sich ein weiterer Artgenosse hinzu: Kater Mikesch. Die Tschechische Post, Česká pošta, widmete ihm einen 108 mal 165 Millimeter großen Markenblock zu 55 Tschechischen Kronen.

Kindheitserlebnisse

Niemand schilderte und erzählte das Grimm–Märchen philatelistisch so ausführlich wie die Post der DDR (MiNr. 1426–31) auf ihrem Kleinbogen aus dem Jahr 1968. Auch in San Marino (MiNr. 2164) und Polen (MiNr. 1828) kennt man den gewitzten Kater mit den roten Stulpenstiefeln.

Kater Mikesch ist der Held eines Kinderbuchs aus der Feder des tschechischen Autors und Illustrators Josef Lada. Es entstand in den 1930er-Jahren und wurde wesentlich inspiriert durch Ladas Kindheitserlebnisse im böhmischen Dorf Hrusice, rund 30 Kilometer südöstlich von Prag. Im Kinderbuch heißt das Dorf Holleschitz. Hier lebt der Schuster Pepik bei seiner Großmutter, die einen schwarzen Kater namens Mikesch hat. Pepik und Mikesch, der gelernt hat auf zwei Beinen zu laufen, freunden sich an und Pepik bringt der Katze die menschliche Sprache bei. Mikesch wiederum vermittelt die Sprache weiter an seine Freunde, den Ziegenbock Bobesch und das Schwein Paschik. Einfühlsam beschreibt Lada das bescheidene Landleben der Kleinbauern und Handwerker.
Als Mikesch aus Versehen den Rahmtopf der Großmutter zerbricht, verlässt er aus Schuldgefühl und schlechtem Gewissen das Dorf und zieht in die weite Welt, um Arbeit zu suchen. Dies gelingt ihm bei einem Zirkus. Mit Geld in den Taschen, einem neuen Rahmtopf und Geschenken für seine Freunde kehrt Mikesch in sein vertrautes Dorf zurück. Ladas Geschichten sind lustig und haben immer ein gutes Ende. Deshalb sind sie beliebt bei Kindern in vielen Ländern.

Übersetzer Preußler

In Deutschland verdankt Mikesch seine Popularität dem Kinderbuchautor Otfried Preußler (1923–2013), der die Geschichten übersetzt und nacherzählt hat und dafür 1963 mit einem Kinderbuchpreis ausgezeichnet wurde. Die Verfilmung von Mikeschs Abenteuern zu sechs Folgen der Augsburger Puppenkiste im Jahr 1964 steigerte die Beliebtheit abermals. Im August 2017 posierte Mikesch bereits als Augsburger Motorrad-Biker-Marionette auf einer 1,45- plus 0.55-Euro-Jugendwohlfahrtsmarke der Deutschen Post (MiNr. 3327).

Graveur des aktuellen, in einer Auflage von 30 000 Exemplaren bei der tschechischen Hradišt’ko GmbH gedruckten Blocks ist der Künstler und Kupferstecher Václav Fajt. Sein Handwerk erlernte der bereits als Schüler vom Kupferstich besessene Fajt, der 1952 in der Bierstadt Pilsen das Licht der Welt erblickte, von 1967 bis 1971 an der Kunsthochschule in Turnov. Dort setzte er sich mit verschiedenen Gravurtechniken auseinander und orientierte sich an seinem Idol, Albrecht Dürer. Zur Vervollkommnung seiner Fertigkeiten ging Fajt im Anschluss für weitere zwei Jahre an die Kunstschule Václav Holler in Prag, wo er sich neben seinen Gravurkünsten auch mit Typografie beschäftigte.

Bereits 1975 arbeitete Fajt für die Tschechoslowakische Staatsdruckerei. Man hatte ihn mit der Gravur von Banknoten beauftragt. Seine ersten Porträts erschienen auf tschechoslowakischen 10- und 50-Kronen-Banknoten, die Mitte der 1980er-Jahre eingeführt wurden.

Auch an der Gravur von Briefmarken zeigte Fajt großes Interesse. Doch seine unermüdlich eingereichten Entwürfe wurden stets abgelehnt und das lag nicht an der Qualität des Meisters, der sich durch seine Banknoten Anerkennung und Wertschätzung als talentierter Graveur erarbeitet hatte. Die Ablehnung hatte politische Gründe. Die kommunistischen Machthaber in der Tschechoslowakei hatten starken Einfluss auf die Herstellung der staatlichen Briefmarken: Jeder der an der Gestaltung und Produktion von Briefmarken mitwirken wollte, musste Mitglied der Künstlergewerkschaft sein. Aber um der Gewerkschaft beitreten zu können, musste man Mitglied der Kommunistischen Partei sein. Dazu konnte sich Fajt nicht durchringen, folglich blieben ihm viele Türen verschlossen.

Anfang der 1980er-Jahre änderten sich die Vorzeichen: Ältere Graveure waren in Pension gegangen oder verstorben, Nachwuchs wurde dringend benötigt. Dies ermöglichte Václav Fajt den Einstieg in die Briefmarkengravur, ohne seinen politischen Standpunkt aufgeben zu müssen. Die ersten beiden Postwertzeichen, die Fajt mit Hammer, Meißel und Stichel gestaltete, waren 1983 ein Teichfrosch mit Seerosen und ein Graureiher. Prompt wurden sie bei einem italienischen Wettbewerb als beste Naturmotive ausgezeichnet.

Der Frosch und der Reiher waren der Türöffner für eine glanzvolle Karriere: Mittlerweile entstanden über hundert Briefmarken in Fajts geschickten Händen, darunter viele tschechoslowakische Marken, aber auch zahlreiche Werte der Nachfolgestaaten, sowohl der Tschechischen als auch der Slowakischen Republik.


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Authored by: Kai Böhne

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