Terveiset Tampereelta! Viele Grüße aus Tampere!

Terveiset Tampereelta! Viele Grüße aus Tampere!

Unser Autor Jonas Staab macht derzeit ein Praktikum im Finnischen Postmuseum in Tampere. In den nächsten Wochen wird er uns davon berichten.  

Am Montag, dem 21. Februar bin ich von meinem Studienort Wien nach Finnland / Helsinki geflogen und habe dort eine Woche mit Freunden verbracht, fassungslos über die Ereignisse, über den Ausbruch eines Krieges so nah, mitten in Europa. Später waren auf einer Friedensdemo in Turku am Domplatz und fühlten uns unglaublich hilflos. Am 1. März habe ich dann in Tampere mein Praktikum im Finnischen Postmuseum begonnen und natürlich auch überschattet von den fürchterlichen Meldungen und Nachrichten aus der Ukraine, aber ich werde für die Deutsche Briefmarken Zeitung von meiner Arbeit im Museum berichten, von meinen Erlebnissen und den alltäglichen Eindrücken, die ich hier gewinne und die schrecklichen Ereignisse in unseren Nachbarländern nur erwähnen, wenn diese meine Arbeit hier direkt tangieren.

Freudige Begrüßung

Am ersten Tag wurde ich freudig empfangen und begrüßt, gleich zu Beginn gab es ein großes Meeting mit allen Mitarbeitern des Museums. Mikko Nykänen (Leiter der philatelistischen Bibliothek) und Sanna Oikarinen (Verantwortliche für die philatelistische Sammlung) stellten sich vor, sie werden meine Ansprechpartner in den nächsten sechs Wochen sein. Für mich ist es besonders schön, dass alle sehr hilfsbereit sind, wenn ich nicht gleich alles auf Finnisch verstehe. Wenn man auch Fennistik studiert, philatelistische Fachsprache (Ersttagsbrief, Blockausgabe, Markenheftchen) lernt man nicht im universitären Sprachunterricht, Umgangssprache nur wenig.

Vaprikki in Tampere, erst Eisengießerei heute Museumszentrum

Vapriikki in Tampere, erst Eisengießerei, heute Museumszentrum.

Das Postmuseum selbst befindet ich seit einigen Jahren im Museumszentrum Vapriikki (deutsch: Fabrik) einer alten Eisengießerei in Tampere. Dort sind einige weitere Museen untergebracht, die alle durch ihre familienfreundliche Gestaltung bestechen. Auch das Computerspielmuseum, die Eishockey „Hall of Fame“ Finnlands oder das Medienmuseum sind in der alten Halle. Mein Arbeitsplatz befindet sich davon etwas entfernt, im Verwaltungsgebäude des Postmuseums. Hier ist auch eine große, öffentliche Bibliothek (4000 Werke) zum Thema Postgeschichte und Philatelie zu finden, ebenfalls das große Archiv und die Sammlung. Unzählige Briefmarkenalben, Druckentwürfe und sogar Druckplatten sämtlicher finnischer Ausgaben sind zu finden. Am ersten Tag bekam ich eine große Führung von Sanna – in Finnland spricht man sich nur mit dem Vornamen an – durch das Archiv.


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Besonders waren auch die Briefmarkensammlungen der früheren Präsidenten Urho Kekkonen und Mauno Koivisto, die ich sehen durfte. Sehr überrascht hat mich, wie umfassend dieses Archiv aufgebaut ist, von jeder Briefmarke existieren mindestens ein ganzer Schalterbogen und einige Ersttagsbriefe plus einzelne Marken. Seit einiger Zeit beginnt das Museum die „omakuvapostimerkit“, das finnische Pendant zur Marke Individuell, zu sammeln und Leute zu befragen, warum dieser Anlass einer Briefmarke würdig war. Ich finde das ein sehr interessantes Thema, das viel zu wenig Beachtung findet, auch bei uns Sammlern. Die Bibliothek ist sehr spannend für mich, so viel philatelistische Literatur habe ich noch nie zusammen gesehen. Auch viele deutschsprachige Zeitschriften (DBZ, philatelie oder Die Briefmarke) gehören zum Angebot in Finnland.

Postitoimisto Helsinki 10- das Hauptpostamt der finnischen Hauptstadt war zentrale Anlaufstelle bei allen Fragen und Problemen

Postitoimisto Helsinki 10 – das Hauptpostamt der finnischen Hauptstadt war zentrale Anlaufstelle bei allen Fragen und Problemen.

Mein erster Arbeitsauftrag waren viele Briefumschläge aus den 1950er und 1960er Jahren, die im Helsinkier Hauptpostamt am Bahnhof bei dessen Umbau und Teilauflösung gefunden wurden. Auch einige Heuss- und -Posthorn-Frankaturen aus Deutschland konnte ich bewundern, viele fragten nach Preislisten für finnische Postkiloware oder neueste Ausgaben. Man war etwas überrascht, wie schnell ich fertig mit diesem Auftrag war – aber als Sammler hat man mit derartigen Aufrägen keine Probleme, denke ich. Am nächsten Tag arbeitete ich mit Emilia Laulainen und Olli Nordling, beides Museumspädagogen, zusammen, die eine interaktive Smartphone-App entwickeln, die einige Postgebäude im Stadtzentrum Tamperes in alten, aktiven Zeiten zeigen soll, als die Stadt noch das „Manchester des Nordens“ durch die viele Industrie war. Leider hat die App noch einige Probleme, aber ich bin sicher bald wird alles funktionieren.

Finnland ist noch immer fest in der Hand des Winters, die Nächte sind kalt, tagsüber Höchsttemperaturen von 1 oder 2 Grad Plus. Daher überrascht es nicht, dass in Tampere und Umgebung gerade Skiferien sind. Daher war Freitags „postiperjantai“ (Post-Freitag) im Museum und ich durfte mit Emilia die Kindergruppen betreuen. Kinder konnten entweder kleine Friedensbändchen basteln, die Eltern durch eine Spende das finnische Rote Kreuz für die Ukraine-Hilfe unterstützen. Auch gab es spezielle Kinderführungen an diesem Tag, es war sehr schön zu sehen, wie spielerisch Kinder an die vermeintlich „altmodischen“ Themen wie Briefmarken, Post und gedruckte Tageszeitung geführt werden. Als kleine Überraschung bekam jedes Kind einen Ersttagsbrief geschenkt, vielleicht als Beginn für eine Sammlung?

Bis nächste Woche! (Weiter zu Teil 2)

Viele Grüße nach Deutschland!

Ihr Jonas Staab

 


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There are 4 comments for this article
  1. Thomas Hein at 20:00

    Hei Jonas,
    kiitos Tampereen uutisista!
    Tampere ist meine absolute Lieblingsstadt und besonders im museokeskus Vaprikki habe ich viele Stunden verbracht. In der Eishockey-Hall of Fame befinden sich auch Gegenstände vom vierfachen Stanley Cup-Sieger Esa Tikkanen, den ich während seiner kurzen Zeit in Essen kennengelernt habe. Das ist schon toll! Alle anderen Teilmuseen sind ebenfalls sehr interessant und dass das Postmuseum nach Tampere umgezogen ist, war natürlich Spitzenklasse. Natürlich ist Finnland mein Hauptsammelgebiet.

    Ich freue mich sehr darauf, mehr aus Tampere zu hören, mein letzter Aufenthalt ist coronabedingt schon länger her. Es wird mal wieder Zeit…

    Und Du solltest unbedingt ins Restaurant Ukkometso in der Nähe der Bücherei (Michel-Nr. 1021) gehen. Ich hoffe, es ist noch genauso gut wie früher.

    Hei hei ja paljon terveisiä Bochumista
    Thomas

    • Jonas Staab at 13:07

      Hallo Thomas!
      Danke für den netten Kommentar,
      „Metso“ habe ich schon oft besucht, wohne gleich um die Ecke. Finnische Bibliotheken sind immer wieder toll. Das Eishockeymuseum ist gerade im Umbau, macht sich schön für die bevorstehende WM!
      Terveisin Tampereelta,
      Jonas 🙂

  2. David Fasching at 0:22

    Was ein schöner erster Einblick! Immer ja zum Kulturaustausch, bin gespannt auf Weiteres!

    • Jonas Staab at 13:10

      Hallo! 😉
      Danke für die Nachricht, am Montag folgt der nächste Bericht.
      Viele Grüße aus Finnland,
      Jonas Staab

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