Viele Grüße aus Tampere! (Teil 5)

Viele Grüße aus Tampere! (Teil 5)

Unser Autor Jonas Staab macht derzeit ein Praktikum im Finnischen Postmuseum in Tampere. In den nächsten Wochen wird er uns davon berichten (Hier geht es zum Teil 1).  

Das Wochenende war besonders für mich, da die finnischen Postcrosser aus Tampere und der Umgebung im Postmuseum ein Meeting veranstalteten, weil ich da momentan arbeite. In den vergangenen Jahren hatte ich das ein oder andere Treffen in Finnland besucht, daher kannten mich einige bereits schon. Ein großes Wiedersehen war es für uns alle, besonders nach der schlimmen Zeit der Covid-Pandemie.

Montags bekam ich wieder die Aufgabe, eine vom Museum erworbene Briefmarkensammlung einzuscannen und so digital archivieren zu können. Diesmal handelte es sich um eine spannende Sammlung der Eisenbahnpost aus der Zeit seit 1862, als die Eisenbahn auf dem heutigen finnischen Staatsgebiet ihren Betrieb aufnahm.

Eisenbahnpost Finnland

Belege von 1870, als die finnische Bahnpost wenige Jahre alt war.

Zahlreiche Stempel und Zusatzvermerke zeigten die genauen Streckenverläufe. Auch als in den nächsten Jahren weitere Strecken in Betrieb genommen wurden, wurde gleichzeitig der Postbetrieb auf diesen Verbindungen installiert- schließlich bot es sich zwischen Nord- und -Südfinnland perfekt an, dieses zum Personen- und -Güterverkehr anbinden zu können.

Massiver Schneesturm

Auch interessant für einen Mitteleuropäer war das Wetter in Finnland, in diesen Tagen war Tampere fest in der Hand eines massiven Schneesturms, der den gesamten Alltag auf die Probe stellte. Zum Glück liegt meine momentane Wohnung aber im Stadtzentrum, und so hatte ich keine Probleme, das Museum zu erreichen. Später hörte ich, dass dieses Wetter keineswegs üblich für diese Zeit ist, normalerweise freuen sich kurz vor Ostern alle auf den beginnenden Frühling in Finnland.

Mittwoch war das Schlimmste des Sturms vorüber, im Museum waren wieder mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sanna Oikarinen hatte eine besondere Aufgabe für mich, ich sollte Zeichnungen, Skizzen und Fotos, die für Briefmarkenentwürfe verwendet wurden, neu einsortieren und katalogisieren. Bis in die 1990er-Jahre wurden bei der finnischen Post Zeichnungen als Grundlage verwendet, die meistens auf Fotos oder sogar Ansichtskarten basierten.

Skizzen für die Europamarken 1986, die sich heute im finnischen Postarchiv befinden und im Postmuseum gelagert werden.

Für viele Postwertzeichen wurden sogar Künstler beauftragt, die durch ihre Tiermotive oder Naturdarstellungen bereits berühmt waren – der Erfolg der Briefmarken am Postschalter war dadurch vorprogrammiert. Heute wirkt diese Detailliebe und diese Präzisionsarbeit wie aus einer anderen Zeit, als noch nicht Fotos als Motiv oder Computergrafiken genutzt wurden.

Mittwochabend war ich wieder  bei der Tampereen Filiatelistiseura eingeladen, bei der ich vor zwei Wochen meinen Vortrag auf Finnisch halten durfte. Einige Vereinsmitglieder schenkten mir finnische Briefmarken zu meinem Sammelgebiet (alles aus diesem Jahrhundert),  und freuten sich darüber, dass ich vor meiner Abreise nächste Woche noch einmal vorbeikam.


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Großes Thema war mein Blog und mein erster veröffentlichter Text in der gedruckten DBZ über mein Praktikum. Ich würde große Werbung für das Postmuseum und Finnland machen, war die Meinung vieler. Auch waren viele davon überzeugt, dass das Museum mit meiner Arbeit zufrieden sein dürfte.

Schön ist, dass die meisten Beschäftigen des Museums, wenn sie zur selben Zeit arbeiten, auch zusammen essen gehen. Ich wurde immer dazu gebeten und es war immer wieder interessant, alle in einer anderen Zusammenstellung einmal abseits der Arbeit zu erleben. In Finnland wird, im Gegensatz zu unseren Gewohnheiten, bereits um 11 Uhr gegessen und es gibt keinen Mittagstisch, sondern viel mehr Buffets, die mittags angeboten werden. Die Restaurants in Tampere bieten bei diesem meistens zwei verschiedene Gerichte an plus ein reichhaltiges Salatbuffet. Mehr als zweimal holt man sich nicht, da man sonst als unhöflich gilt – oder automatisch als Ausländer erkannt wird. Viele Grüße nach Deutschland!

Ihr Jonas M. Staab


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There are 11 comments for this article
  1. Wilfried Maucher at 8:40

    Diese Skizzen und Entwürfe gibt es auch aus diesen Jahren von Bund und DDR, wären ebenfalls sehr interessant. Verfolge heute noch die Konkurrentenententwürfe in der postfrisch.

  2. zacke at 9:13

    Hat mir wieder sehr gefallen, sehr interessant Berichte über die finnische Postgeschichte.

  3. phila at 10:07

    Toll, dass Sie auch Postcrossing machen. Vielleicht haben Sie schon gehört, dass es dazu eine Briefmarke dieses Jajr geben wird. Ich habe es mir einmal angesehen und weiß nicht, wie es funktioniert

    • Jonas Staab at 5:33

      Hallo!
      Postcrossing funktioniert ganz einfach, die Anleitung finden Sie auch auf der Website. Was genau aber haben Sie nicht verstanden?
      Gruß,
      Jonas Staab

  4. Harald Schleifer at 12:58

    Ich finde es sehr schön, wie Herr Staab den Kulturaustausch (via Philatelie) innerhalb Europas vorantreibt. Hab alle Berichte gelesen und muss wirklich sagen, dass sich es lohnt, sie zu lesen. Ihr junger Autor ist sehr begeistert von Briefmarken und Postgeschichte und das freut mich sehr.
    Alles Gute nach Finnland!

  5. Jonas Staab at 14:56

    Hallo Herr Schleifer!
    Vielen herzlichen Dank für den netten Beitrag. Mir macht die Arbeit hier große Freude, da haben sie Recht.
    Viele Grüße aus Tampere!
    Jonas Staab

  6. Dieter Stephan at 17:20

    Wie toll ein postcrossing Treffen, sicherlich konnte dort wieder neue Verbindung geknüpft werden. Solche Einsätze wie von.Herrn Staab lassen die Menschen in Europa zusammen wachsen. Was besonders wichtig ist in dieser Zeit. Danke wieder für den Bericht, hoffentlich musste der Autor bei dem Schneesturm nicht in einer kalten Wohnung sein.

  7. Dieter Stephan at 17:26

    Danke auch auf den Hinweis für den Katalog von Michel. Habe den Katalog gleich bestellt, somit habe ich eine Grundlage für meine finnischen Marken zum Sammlungsaufbau.

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